Kindergarten-Unfall

Der Kanton muss Heli-Handling steuern

TCS oder Rega – Wer soll fliegen?

TCS oder Rega – Wer soll fliegen?

Das Ereignis des Unfalltodes eines 5-jährigen Kindergärtlers hat uns beschäftigt. Doch wer soll bei einem Ernsteinsatz fliegen? Die Rega oder der TCS? Thomas Röthlin, Leiter der az-Regionen, zum unkoordinierten Rettungseinsatz beim Windischer Unfall.

Das schlimmste Ereignis in dieser Woche war der Unfalltod eines fünfjährigen Kindergärtlers in Windisch, der am Montag von einem Lastwagen überfahren wurde.

Auch die Rega, die den schwer verletzten Bub ins Unispital Zürich flog, konnte ihn nicht mehr retten. Umso quälender für die Eltern und auch den Chauffeur des Unfallfahrzeugs muss die am Mittwoch ans Licht gekommene Frage sein, was gewesen wäre, wenn anstelle der Rega der TCS den Transport durchgeführt hätte.

Der TCS, dessen Rettungshelikopter einsatzbereit auf dem Flugplatz Birrfeld stand und nach zwei Minuten in Windisch hätte landen können. Der Rega-Heli musste aus Basel anfliegen.

Eine Antwort in diesem tragischen Fall erübrigt sich, sie macht das Kind auch nicht wieder lebendig. Doch was in Windisch passiert ist, kann sich jederzeit wiederholen. Es ist eine Frage der Zeit, bis das nächste Unfallopfer in kritischem Zustand schnellstmöglich medizinisch versorgt werden muss. Die Öffentlichkeit hat deshalb das Recht zu erfahren, wann und warum welche Rettungsorganisation aufgeboten wird.

Der heutige Zustand ist mehr als unbefriedigend. Seit Herbst 2012 verfügt die TCS-Partnerfirma Alpine Air Ambulance, die im Aargau neben Zürich und Genf ihre dritte Flugbasis betreibt, über eine kantonale Bewilligung für Rettungsflüge.

Seit Anfang 2013 weiss die Einsatzleitstelle im Kantonsspital Aarau, wo die Sanitätsnotrufe der Telefonnummer 144 eingehen, vom neuen Service des TCS.

Und trotzdem ist es technisch bis heute nicht möglich, neben Ambulanzen auch Helikopter ins System zu integrieren.

Dabei ist der Grundsatz klar, nach dem die Einsatzleitstelle sollte handeln können: «Das für das Ereignis geeignete und am schnellsten verfügbare Transportmittel wird aufgeboten», liess sich Kantonsarzt Martin Roth in der Aargauer Zeitung vom Donnerstag zitieren.

Das frühere Monopol der Rega machte es einfach. Die Koordinationsstelle des Rettungswesens im Aargau konnte und musste sich bei Luftrettungseinsätzen voll auf die internationale Einsatzzentrale der Rega am Flughafen Zürich (Telefonnummer 1414) stützen.

Man durfte sich darauf verlassen, dass der beste Heli geschickt würde - weil gar keine andere Flotte infrage kam. Im Herbst 2011, als der TCS vorerst mit sogenannten Sekundärflügen (Verlegungen von Patienten zwischen Spitälern, Repatriierungen von Kranken und Verletzten aus dem Ausland) den Markt aufmischte, wurde alles viel komplizierter.

Diese Wettbewerbssituation, die an sich begrüssenswert ist, gilt es nun endlich in den Griff zu kriegen, zumal der TCS inzwischen auch Primärtransporte, also Notfalleinsätze durchführt.

Der Vorschlag der Einsatzleitstelle, die Rega-Zentrale möge auch TCS-Flüge koordinieren, taugt allerdings kaum etwas.

Rettungsflugwacht und Touring-Club konkurrenzieren sich. Beide sind mächtige private Player mit 1,6 Millionen Mitgliedern (TCS) und 2,4 Millionen Gönnern (Rega).

Und beide haben quasi den Nimbus der Unfehlbarkeit. Als der gelbe Pannen-Platzhirsch sich von der Strasse in die Lüfte erhob, reagierten die roten Heli-Helden ziemlich gereizt. Jetzt wollen Letztere plötzlich «gesprächsbereit» sein. Zweifel sind angebracht.

Mittelfristig könnte die geplante kantonale Notrufzentrale helfen. 2016 sollen beim Kommando der Kantonspolizei in Aarau die Notrufe 144 (Sanität), 117 (Polizei) und 118 (Feuerwehr) zusammengeführt werden, der Kreditantrag der Regierung folgt demnächst.

Wenn schon alles umgekrempelt wird, kann man auch gleich über eine eigene Steuerung der Luftrettung nachdenken. Kurzfristig braucht es eine gute Übergangslösung. Die quälende Frage «Was wäre gewesen, wenn?» wie im Fall Windisch soll sich künftig niemand mehr stellen müssen.

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