Sparmassnahme
Der Kanton hat's vergeigt: Beim Musikunterricht wurden 2,7 Mio. überzogen statt 1,5 Mio. gespart

Trotz neuem Elternbeitrag sind die Kosten für den Musikunterricht gestiegen – 2,7 Millionen Franken fehlen.

Manuel Bühlmann
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Die Kosten für den Musikunterricht sind gestiegen – trotz Sparmassnahmen. (Symbolbild)

Die Kosten für den Musikunterricht sind gestiegen – trotz Sparmassnahmen. (Symbolbild)

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Die Erwartungen an die Sparmassnahme im Musikunterricht waren hoch: Um rund eineinhalb Millionen Franken sollte sie den finanziell angeschlagenen Kanton Aargau pro Jahr entlasten. Doch nun zeigt sich: Die geänderte Praxis beim Instrumentalunterricht erzielt nicht die gewünschte Wirkung – im Gegenteil. Obwohl die Eltern sich seit vergangenem Sommer an den Kosten – mit 2000 Franken pro Schuljahr für wöchentlich eine ganze Lektion – beteiligen müssen, sind die Ausgaben rund 2,7 Millionen Franken höher als budgetiert.

In einer gemeinsamen Motion kritisieren die Grossräte Christoph Hagenbuch (SVP) und Uriel Seibert (EVP) die «massive Überschreitung des Budgets». Von einem «Fehlentscheid» spricht Hagenbuch. «Die vermeintliche Sparmassnahme führt in Wirklichkeit zu mehr Ausgaben.» Neben den neu eingeführten Elternbeiträgen wurden auch Löhne sowie Pflichtpensen der Instrumentallehrpersonen erhöht.

Als Hauptgrund für die gestiegenen Ausgaben sieht Hagenbuch vor allem eine weitere Änderung, die ebenfalls Teil der beschlossenen Sparmassnahme ist: Wer als Grundlagenfach Musik wählt, erhält seit letztem Schuljahr pro Woche kostenlos während einer Lektion Instrumentalunterricht – davor war nur eine halbe Lektion gratis. Die Eltern jener Mittelschüler hingegen, die Musik als Freifach wählen, müssen sich an den Kosten beteiligen. Hagenbuch: «Es ist nur logisch, dass sich dann mehr Schüler für das Grundlagenfach entscheiden. Darüber hat man vor dem Entscheid offenbar nicht nachgedacht.»

Ansturm auf Instrumentalunterricht

Uriel Seibert stört sich ebenfalls an der Verdoppelung der kostenlosen Unterrichtslektionen: «Dadurch ist der ganze Spareffekt verpufft.» In ihrer vor der Sommerpause eingereichten Motion verlangen Hagenbuch und Seibert deshalb vom Regierungsrat, die Erhöhung von einer halben auf eine ganze Lektion für die Schüler des Grundlagenfachs Musik wieder rückgängig zu machen. «Auf diese Weise kann dort gespart werden, wo die Mehrkosten entstehen», sagt Seibert.

Auf Anfrage bestätigt Sascha Katja Giger-Dubach, Sprecherin des kantonalen Bildungsdepartements, dass das neue Modell «Instrumentalunterricht an den Mittelschulen» nicht zu den erwarteten Einsparungen geführt habe. Sie begründet die Entwicklung damit, dass der Instrumentalunterricht mehr besucht worden sei als in den Vorjahren. Weitere Fragen beantwortet das Bildungsdepartement mit Verweis auf zwei noch unbeantwortete Vorstösse nicht. Neben der Motion von Hagenbuch und Seibert ist eine Interpellation von FDP-Grossrätin Christine Keller Sallenbach zu diesem Thema hängig.

Massnahme für Schüler unfair?

Der Regierungsrat hat im Hinblick auf das bevorstehende Schuljahr reagiert – «um den Kostenanstieg zu dämpfen», wie Sprecherin Giger-Dubach sagt. An der Fachmittelschule mit Berufsfeld Erziehung und Gestaltung wird Musik mit Instrumentalunterricht ab kommendem Schuljahr vom Pflichtfach in ein Wahlpflichtfach umgewandelt. Das bedeutet: Neu haben die Fachmittelschüler im Grundlagenfach die Wahl zwischen Musik mit Instrument und Bildnerischem Gestalten. Giger-Dubach: «Dadurch sind sie den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums gleichgestellt.»

Die vom Regierungsrat beschlossene Massnahme halten die beiden Grossräte Christoph Hagenbuch und Uriel Seibert allerdings für unfair. Der Grund: Für jene Fachmittelschüler, die sich für das Fach Bildnerisches Gestalten entschieden, bedeute dies, dass sie nicht mehr kostenlos Instrumentalunterricht nehmen könnten. «Auf ihre Kosten wird gespart, um im Gegenzug die Privilegien der Gymi-Schüler zu bezahlen», kritisiert Hagenbuch. «Das lässt sich mit unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit und Gleichheit nicht vereinbaren.» Eine Reduktion der erteilten Wochenlektionen im Grundlagenfach Musik auf eine Halblektion erscheine ihnen als der gerechteste Weg.

Ausnahmen können sich Hagenbuch und Seibert etwa für besonders begabte und engagierte Mittelschüler vorstellen. «Wir sind der Meinung, dass dadurch einer Vielzahl Gymnasiasten immer noch eine hervorragende musikalische Ausbildung ermöglicht werden kann», schreiben die beiden Grossräte im Motionstext.

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