In der Nähe der Stelle, wo ein Fischer vor einer Woche einen Kaiman im Hallwilersee sah, hat der Kanton eine Fotofalle installiert. Bisher wurden die Aufnahmen noch nicht ausgewertet, wie Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd und Fischerei, auf Anfrage sagt. Der Bildbeweis für die Kaiman-Sichtung fehlt also weiterhin, dabei wäre das kleine Krokodil nicht der einzige Exot am Hallwilersee. Dort wurden schon andere Tiere gesichtet, die ausgesetzt wurden oder ausgebüxt sind.

Bruno Fürst ist Leiter des Rangerdiensts am Hallwilersee, er hält die Beobachtungen der Ranger fest. Ihm ist es ein Anliegen, über die Gefahren zu informieren, die von exotischen Tieren ausgehen.

Rotwangenschildkröten bedrängen hiesige Art

Im Juni 2018 wurde eine Rotwangenschildkröte entdeckt, die am Ufer des Hallwilersees Eier legte. Auf den unerfahrenen Beobachter wirken die Tiere harmlos und friedlich. Die ausgesetzten Tiere wachsen jedoch schnell und sind gefrässig. Damit bedrängen sie die heimische Sumpfschildkröte massiv. Die besagte Rotwangenschildkröte konnte eingefangen und einer Auffangstation übergeben werden.

Leider ist die Rotwangenschildkröte nicht nur im Hallwilersee ein Thema. Erwin Osterwalder weiss: «Schildkröten dieser Art wurden schon in der Aare und verschiedenen kleineren Weihern gefunden».

Koi-Karpfen, Kaulbarsche und Sonnenbarsche

Kois sind schön und ihre Fans halten sie in eigenen Teichen, doch für das heimische Ökosystem stellen sie eine Bedrohung dar. Das Rangerteam um Bruno Fürst hat in den letzten Jahren mehrfach Koi-Karpfen im Hallwilersee gesichtet. Die Fische können die heimischen Arten nicht nur verdrängen, sondern könnten auch Krankheiten verbreiten – etwa den Koi-Herpes. Dieser Virus ist besonders für den heimischen Karpfen gefährlich. «Die Mortalitätsrate kann 80 bis 100 Prozent betragen», so Fürst.

Kaulbarsche und Sonnenbarsche sind Laichräuber und können der Brut von anderen Fischen gefährlich werden. Der Sonnenbarsch ist bewilligungspflichtig, sein Handel verboten. Er darf nur von öffentlichen Einrichtungen gehalten werden, zum Beispiel von Zoologischen Gärten. Dennoch haben Ranger am Hallwilersee beobachtet, wie Privatpersonen die Fische ausgesetzt haben. Die Ranger haben allerdings keine Sanktionsgewalt wie die Polizei. Sie können das Vergehen nur melden. Fürst bemängelt fehlende Härte: «Die Personen werden gar nicht oder nicht hoch genug gebüsst.»

Der Kaiman am Hallwilersee hat laut dem Fischer, der ihn gesehen hat, eine Jungente gefressen. Dabei dürfte es sich um eine einheimische Art gehandelt haben, auf dem See werden aber auch Mandarinenten gesichtet. Diese stammen ursprünglich aus Nordostchina, bislang stellen sie keine Bedrohung für einheimische Vögel dar, hält Fürst fest. Osterwalder vermutet, dass die Mandarinenten nicht ausgesetzt werden, sondern ausbüxt: «Sie können gut fliegen und hauen immer wieder ab», sagt er.

Invasive fremde Tiere können problematisch sein

Bei zahlreichen invasiven Tieren, sogenannten Neozoen, in den Aargauer Gewässern handelt es sich um ausgesetzte Haustiere. Wie es scheint, halten es überforderte Besitzer für eine gute Idee, ihre exotischen Haustiere heimischen Gewässern zu übergeben. Das ist es aber nicht. Osterwalder weiss: «Es kann einem Tier zusetzen, wenn es aus einem sicheren Terrarium, wo es jeden Tag gefüttert wird, in ein unbekanntes Umfeld ausgesetzt wird, wo es um Nahrung und seinen Lebensraum konkurrieren muss.» Er bestätigt die Aussagen des Rangers: Überleben die Exoten doch in der Natur, ergeben sich Probleme für die heimischen Arten.

Probleme mit Exoten in Aargauer Gewässern halten sich laut Osterwalder in Grenzen. «Dies aber nur solange, bis das falsche Tier ausgesetzt wird und sich aggressiv durchsetzt.» Das würde für Schwierigkeiten sorgen. Für den Hallwilersee-Ranger ist die Bedrohung bereits akut. Bruno Fürst ist der Meinung, dass die heimischen Arten bereits überstrapaziert werden. Die Auswirkungen würde man erst in ein paar Jahren sehen: «Bei Neozoen ist es immer sehr schwierig, Prognosen für die Zukunft zu stellen.»

Grundel, Muschel und Krebs als Problemtiere

Nicht im Hallwilersee, aber in anderen Gewässern im Aargau, tauchten in den letzten Jahren verschiedene invasive Tierarten auf. Beispiele sind die Schwarzmeergrundel, die sich rheinaufwärts ausbreitete oder die Körbchenmuschel, die heimische Arten verdrängt. Gravierend war die Verschleppung des Kamberkrebses in den Aspiweiher in Muri: Das kleine Gewässer musste ausgepumpt werden, um den invasiven Krebs zu bekämpfen.