Gemalto, ein Konzern, der unter anderem Bankkarten oder elektronische Ausweise entwickelt, übernimmt die aargauische Trüb AG. Letztere gehört zwar zu den weltweit führenden Anbietern von staatlichen Ausweisdokumenten, verglichen mit dem holländischen Konzern ist sie aber ein Zwerg. Mit rund 350 Mitarbeitern am Hauptsitz in Aarau und am Produktionsstandort in Unterentfelden sowie 50 bei Tochtergesellschaften im Ausland generiert sie einen jährlichen Umsatz von 120 Millionen Franken – in etwa gleich viel wie Gemalto jährlich alleine in die Forschung und Entwicklung steckt.

Die Trüb AG, 1859 als klassische Druckerei gegründet und in den 1990er-Jahren zum Hersteller von Reisepässen, Führerausweisen sowie Kredit- und Debitkarten mutiert, erhofft sich vom Zusammenschluss denn auch eine Steigerung der Innovationskraft. «Die Digitalisierung hat überall Einzug gehalten», sagt Firmensprecher Stephan Lips. Und wer diese Entwicklung künftig mitprägen will, braucht eine gewisse Grösse. Selber auf Einkaufstour zu gehen, sei keine Option gewesen, erklärt Lips: «Als das Aktionariat entschied, einen Partner zu suchen, war schnell klar, dass dieser eine weltweite Präsenz haben muss.»

Eine Firma wie die Gemalto also, die sich selber als Weltführer im Bereich der «digitalen Sicherheit» bezeichnet und mit 12 000 Mitarbeitern aus 44 Ländern heraus operiert. Der in Amsterdam beheimatete Konzern übernimmt 100 Prozent der Trüb-Aktien. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die Transaktion soll im zweiten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden.

Garantien, dass Gemalto im Aargau alle Stellen erhalten wird, gibt es laut Lips zwar keine. Zu erwarten sei aber sogar ein Stellenausbau: «Die Trüb AG verfügt über anerkannte und geschätzte Kompetenzen, welche der holländische Konzern entwickeln will.» Zum Beispiel bei der Herstellung von Polykarbonat-Karten. Auf diesem Gebiet hat die Trüb AG 1995 Pionierarbeit geleistet, als sie mit der Schweizer ID die weltweit erste Identitätskarte aus Polykarbonat unter die Leute brachte.