Wetter
Der Herbst legt Aargauer Bäche trocken und Kraftwerke lahm

Der Herbst ist aussergewöhnlich trocken. Niederschläge sind keine in Sicht. Das hat Konsequenzen: An den ersten Bächen dürfen Bauern kein Wasser mehr entnehmen. Einige Kleinwasserkraftwerke produzieren auf dem letzten Zacken oder stellen ab.

Drucken
Teilen
Trockener Herbst: Aare mit niedrigem Pegelstand
6 Bilder

Trockener Herbst: Aare mit niedrigem Pegelstand

Jedermann sieht mit einem Blick den tiefen Wasserstand der Flüsse. Die Aare bei Brugg etwa legt grosse Kiesbänke offen. Noch deutlicher erkennbar ist der tiefe Wasserstand bei Bächen. Im Wissenbach in Merenschwand in der Sissle sowie den Seitenbächen in ihrem ganzen Einzugsgebiet im Fricktal musste der Kanton laut Sabin Nater von der Abteilung Landschaft und Gewässer des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) letzte Woche die Wasserentnahme verbieten.

Das betrifft vorab Landwirte, aber auch Gartenbesitzer. Das Verbot gilt, bis der Wasserabfluss in diesen Bächen wieder im normalen Bereich ist. Dieser ist allerdings nicht absehbar. Denn laut Wetterprognose bleibt es trocken. Ein Glück für die betroffenen Landwirte ist, dass viele Kulturen schon abgeerntet sind, sie also ohnehin weniger Wasser brauchen.

Unter besonderer Beobachtung sind deswegen auch die Wyna, die Suhre, die Bünz und die Surb im Zurzibiet. Nater: «Aktuell gibt es keine Einschränkungen. Wenn es aber noch mehrere Wochen so trocken bleibt, könnte ein vorübergehendes Verbot von Wasserentnahmen nötig werden, allen voran in der Bünz und in der Wyna.» Sollte es in den nächsten Wochen ein bisschen regnen, könnte dies die Situation allerdings nicht wirklich entschärfen. Nater: «Nötig wäre schon ein ausgiebiger, mehrtägiger Landregen.»

Tiefe Flusswasserstände

Eine Niedrigwasserphase stellt auch Simon Werne von der Abteilung Landschaft und Gewässer im BVU fest. In der Folge sei die Stromproduktion in den Kraftwerken bei den Flüssen im Jahresverlauf unterdurchschnittlich, selbst für den Herbst». In der Aare bei Brugg beispielsweise flossen gestern Nachmittag nur 130 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Damit unterschreitet die Aare dort gegenwärtig den sogenannten Q-347-Wert für Niedrigwasser. Dieser ist erreicht, wenn weniger als 140 Kubikmeter pro Sekunde durchfliessen. Nach aller Erfahrung ist dies an höchstens 20 Tagen pro Jahr der Fall. Bei Rheinfelden führt der Rhein derzeit 520 Kubimeter Wasser, normal wären rund 1000 Kubikmeter.

Am Aabach geht fast nichts mehr

Während Flusskraftwerke einfach weniger Strom produzieren, stellt sich für manche Kleinkraftwerke an Bächen bereits die Frage, ob sie abgestellt werden müssen. Aufgrund des sehr niedrigen Wasserstandes des Hallwilersees und ausbleibender Niederschläge fliessen beispielsweise derzeit in Seengen nur rund 800 Liter Wasser pro Sekunde durch den Aabach. 500 davon sind als Restwasser definiert.

Es bleiben also maximal 200 bis 300 Liter Wasser für die Stromproduktion in Kleinwasserkraftwerken entlang dieses Baches. Das lohne sich kaum, so Werne. Bei so tiefem Durchfluss stellen manche Kraftwerke den Betrieb ein.
Noch nicht so weit ist es beim Kleinkraftwerk Sigismühle am Aabach in Seon. Dort ist Roland Gloor für den technischen Unterhalt zuständig.

Laut seiner Auskunft läuft das Kraftwerk «auf dem untersten Level. Noch etwas weniger Wasser, dann müssen wir abstellen». Unter Berücksichtigung des Restwassers für die Fische bleibt gerade noch so viel, um stündlich 12 kWh Strom zu produzieren. Zum Vergleich: Durchschnittlich produziert das Kraftwerk stündlich 100 bis 150 kWh. Von einer Rendite könne man da natürlich nicht mehr reden. Das Kraftwerk läuft eigentlich nur noch, um Standschäden zu vermeiden.

Auch das Kleinkraftwerk Hämmerli in Lenzburg läuft noch, «allerdings auf dem letzten Zacken», so Norman Gadient von der Betreiberfirma Entegra. Wenn es trocken bleibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es stillsteht.

Das grösste Kleinkraftwerk am Aabach hingegen, das auf dem Hetex Areal in Niederlenz, steht bereits still. Laut Turbinenwart Arnold Egger war dies schon letztes Jahr von Oktober bis Dezember der Fall, und auch jetzt geht gar nichts mehr: «Das Kraftwerk ist seit einer Woche nicht mehr in Betrieb. Der Wasserdurchfluss ist bei uns zu gering, um noch Strom zu produzieren.»

Bei normaler Niederschlagssituation produziert das Kraftwerk sonst rund 100 000 kWh im Monat. Egger hofft, dass es bald wieder regnet: «Ein kurzer heftiger Regen brächte aber nichts. Dieses Wasser würde sofort abfliessen. Nur ein mehrtägiger Regen, der auch den Hallwilersee wieder auffüllt, lässt den Aabach wieder für längere Zeit stärker fliessen.» Falls der Regen noch länger ausbleibt, behält sich Egger vor, zwischendurch kurz die Turbine laufen zu lassen: «Nicht um zu produzieren, sondern um Standschäden zu verhindern».

herbst im freiamt: Pilze
3 Bilder
… ein Reizker versteckt sich im Moos…
… nur der Fliegenpilz strahlt von weitem.

herbst im freiamt: Pilze

Andrea Weibel