Fluglärmstreit
Der gekröpfte Nordanflug wäre für den Aargau inakzeptabel

Der «gekröpfte Nordanflug» spielt im Staatsvertrag mit Deutschland plötzlich wieder eine Rolle. Am Montag wird Verkehrsministerin Doris Leuthard eine Lösung im Dauerstreit verkündet - der gekröpfte Nordanflug ist wieder auf dem Tisch.

Matthias Küng
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Ein Flugzeug beim Nordanflug

Ein Flugzeug beim Nordanflug

Walter Schwager

Die Begleitgruppe zu den Staatsvertragsverhandlungen wurde letzte Woche informiert, dass der Vorschlag des gekröpften Nordanflugs von schweizerischer Seite wieder eingebracht worden ist. Dies bestätigt Hans-Martin Plüss, Projektleiter im zuständigen Departament von Peter C. Beyeler.

Plüss, der an dieser Sitzung den Aargau vertrat, protestierte umgehend. Danach bekräftigte der Aargau seine ablehnende Haltung zum «gekröpften Nordanflug» schriftlich ans zuständige Departement von Bundesrätin Doris Leuthard. Plüss: «Ob unsere Argumente überzeugt haben, wissen wir nicht.»

Letzten Donnerstag fand eine weitere Verhandlungsrunde statt, über deren Ergebnis das Departement beim federführenden Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) in Bern bisher nichts in Erfahrung bringen konnte.

Medienkonferenz zum Staatsvertrag

Verkehrsministerin Doris Leuthard informiert am späteren Nachmittag um 16.45 Uhr in Bern an einer Medienkonferenz über den Stand der Dinge zum angepeilten Staatsvertrag mit Deutschland. Die jüngste Verhandlungsrunde hat am vergangenen Donnerstag stattgefunden.

Der gekröpfte Nordanflug auf Aargauer Seite entlang dem Rhein ist vor rund zehn Jahren ins Gespräch gekommen. Bisher glaubte man ihn aber als abgetischt. Das Bazl hat nämlich das Gesuch des Zürcher Flughafens für den gekröpften Nordanflug auf Sicht 2008 auch aufgrund der ablehnenden Aargauer Stellungnahme abgelehnt.

Diese Variante galt bisher klar als zu gefährlich, auch weil die Anflüge über die Aargauer AKWs erfolgen müssten. Das Bundesverwaltungsgericht hat dies 2009 in einem Urteil bestätigt. Zudem brächte dies dem Surbtal eine doppelte Belastung.

Sicher dank Satellitennavigation?

Im Rahmen des SIL-Prozesses erlebte der gekröpfte Nordanflug aber als Teil einer Variante ein Revival. Jetzt allerdings nicht mehr auf Sicht sondern geführt mit Satellitennavigation. Diese kommt allerdings erst 2014/15.

Plüss: «Wir setzen ein Fragezeichen, ob die Sicherheitsmängel dadurch beseitigt werden. Auch mit Satellitennavigation hat so ein Anflug wesentlich weniger Kapazität, weniger Sicherheit und weniger Zuverlässigkeit als der bekannte gerade Anflug mit dem Instrumentenlandesystem.»

Aargau hat ein Angebot gemacht

Nun bedeutet die Ablehnung des gekröpften Nordanflugs ja nicht, dass der Aargau jegliche Übernahme von Fluglärm ablehnt. Plüss: «Alle 105 000 geraden Nordanflüge im Jahr erfolgen via Kaiserstuhl über den Aargau. Auch 60 Prozent der Starts gehen über den Aargau. Unser Kanton trägt also seinen Anteil mit.»

Zudem hat die Aargauer Regierung seinerzeit - sehr zum Leidwesen der betroffenen Region - Hand geboten, beim Nordstart eine neue Startroute über Surbtal, Würenlingen und Bözberg zu führen, sodass die Maschinen nicht gleich nach Süden abdrehen müssen und über den Mutschellen fliegen.

Diese Route ist im Sachplan bereits fest eingeplant. Die Regierung habe dafür aber nur Hand geboten mit der Auflage, dass dafür der gekröpfte Nordanflug nicht kommt. «Wenn er jetzt trotzdem käme», so Plüss, «beginge der Bund Wortbruch». Denn wenn beides käme, würde nachts um halb zwölf der letzte Start und am Morgen gegen sechs Uhr die ersten Landungen über das Surbtal erfolgen. Plüss: «Das wäre für die Aargauer Regierung inakzeptabel.»

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