Im Aargau läuft die Debatte über den drohenden gekröpften Nordanflug heiss. Ob ihn das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) dereinst genehmigt, hängt von der technologischen Entwicklung ab. In Zürich-Kloten ist man überzeugt, bis 2020 so weit zu sein, dass man ihn – jedenfalls für die wochentäglichen Ankünfte zwischen 6 und 6.30 Uhr – sicher fliegen kann.

Ungricht: «Das ist die Zukunft»

Doch wie beurteilen unabhängige Beobachter die Situation? Wir sprachen mit Max Ungricht, Chefredaktor des Aviatikmagazins «Cockpit», bis 2011 Kunstflieger. Er war unter anderem mehrere Jahre Coach der Schweizer Kunstflug-Nationalmannschaft. Seit zwei Jahren ist er Chef des Swiss Air Racing Team (Sart).

Ungricht kennt Anflüge mit dem Satelliten-Navigationssystem (GPS) vom Ausland her. In der Schweiz gibt es sie auch schon vereinzelt. So in Zürich-Kloten, in Altenrhein, in La Chaux-de-Fonds oder für die Rega zum Inselspital Bern. Allerdings braucht es für diese Anflüge eine minimale Sicht.

«Da wird Problem vorgeschoben»

Ungricht ist aber überzeugt: «Satellitengestützte Anflüge sind die Zukunft. Die klassischen geraden ILS-Anflüge werden nach einer Übergangszeit, in denen beide Systeme parallel laufen, verschwinden.» Ihn irritiert die Aargauer Fluglärmdiskussion: «Da wird ein Problem vorgeschoben, das keins ist.» Wie bitte? – fragen wir. Die Flugzeuge seien heute markant weniger laut, so Ungricht. Zudem fliegen sie – anders als beim Start – beim Anflug nur noch mit 60 bis 70 Prozent der Leistung. Ungricht: «Den Lärm sieht man mehr, als dass man ihn hört. Flugzeuge im Landeanflug sind nicht laut.»

Ein Airbus 380 möge von unten von seiner schieren Grösse durchaus als bedrohlich empfunden werden, ein Lärmproblem sei er nicht. Der in Urdorf aufgewachsene Aviatikjournalist schätzt den Lärm rund um den Flugplatz Birrfeld als grösser ein, als das was die Menschen im Surbtal erwarten würde. Wobei er auch diesen nicht wirklich als Lärmbelästigung qualifizieren mag. Jetzt wohnt er in Bern. Da fliegen viele Maschinen über die Stadt. Ungricht: «Da schaut nicht mal mehr jemand hoch.»

«Braucht noch Entwicklungsarbeit»

Wie stellt sich die Sachlage für das Bazl dar? Mediensprecher Daniel Göring verweist auf die bereits erwähnten Flughäfen, auf denen Satellitennavigation beim Anflug schon zum Einsatz kommt – in Kloten bei bereits ausgerüsteten Flugzeugen auf der Nordpiste. Hier verläuft der Anflug indes auf dem genau gleichen Flugweg wie mit der altbewährten Technologie. Sollte die Satellitennavigation einmal ausfallen, stünde diese so quasi per Knopfdruck sofort zur Verfügung. Wenn man von diesen Flugwegen abweichen will, dafür «braucht es noch Entwicklungsarbeit». Das braucht auch Zeit.

Zur Förderung der Satellitennavigation läuft in der Schweiz ein Programm. Göring: «Wir sehen generell eine Zukunft für diese Technologie und möchten sie nutzbar machen.» Wann ein konkretes Projekt für den gekröpften Nordanflug vorliegt, kann Göring nicht sagen. Es ist Sache des Flughafens, ein solches mit der Flugsicherung Skyguide zu erarbeiten. Eins kann Göring zum gekröpften Nordanflug aber heute schon sagen: er müsste punkto Sicherheit auf jeden Fall genau die gleichen Anforderungen erfüllen wie das bestehende Instrumentenlandesystem (ILS).