Personalmangel beim Osterhasen – so lautet die Überschrift einer Medienmitteilung des WWF. Weiter hält die Umweltorganisation fest: «Millionen von Schoggihasen versüssen uns das Fest. Beim Original aber, dem Feldhasen, herrscht Krisenstimmung: Seine Zahl nimmt seit Jahrzehnten ab.» Dies trifft auch für den Aargau zu: Gab es 2001 noch gut 3000 Feldhasen im Kanton, zählten die Jagdgesellschaften im letzten Jahr in ihren Revieren nur noch etwas über 1100 (siehe nachfolgende Grafik). Noch trister sah die Situation im Jahr 2014 aus: Nur gerade 976 Exemplare bekamen die Jäger damals zu Gesicht.

Noch kein Aufwärtstrend

Deutet die leichte Erholung in den letzten zwei Jahren auch eine Trendwende beim Feldhasenbestand hin? Reto Fischer, Spezialist bei der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei, relativiert: «Die Zählmethode ist nicht so effizient, dass das bessere Ergebnis von 2016 auch auf einen höheren Feldhasenbestand schliessen lässt.» Einerseits sei der Frühling 2016 für die Aufzucht der Junghasen mit einer langen Trockenperiode und hohen Temperaturen förderlich gewesen. Andererseits hätten 2014 noch 33 Jagdgesellschaften keine Hasenzählung durchgeführt, 2016 hingegen nur deren sieben.

Juxtapose: Feldhasenzählung 2003 (links) und 2016 (rechts) im direkten Vergleich

Einer, der bei der Feldhasenzählung dabei war, ist Werner Werder. «Es ist frustrierend, in vielen Gebieten haben wir in den letzten Jahren kaum noch einen Hasen gesehen», sagt der Jäger aus Boniswil und Leiter eines Projekts zur Hasenförderung im Seetal. Nur gerade acht Tiere wurden 2014 im Bezirk Lenzburg gezählt, 2001 hoppelten hingegen noch 264 Hasen über die Felder.

Sie setzen sich dafür ein, dass der Feldhase im Seetal wieder heimisch wird.

Werner Werder, (mit Hut) und Gebietsbetreuer Werner Kleiner

Sie setzen sich dafür ein, dass der Feldhase im Seetal wieder heimisch wird. 

Getreide weniger dicht säen

Nach einem Vorstoss im Einwohnerrat Lenzburg befasste sich der Regionalplanungsverband mit dem Thema. Die Organisation, die heute Lebensraum Lenzburg-Seetal heisst, erarbeitete zusammen mit der Stiftung Wildtiere Aargau und der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei ein Feldhasen-Förderprogramm. «Wir setzen auf die Zusammenarbeit mit den Bauern in der Region, wollen Verständnis für die Bedürfnisse des Feldhasen wecken und Anreize bieten, um dessen Lebensraum zu verbessern», sagt Projektleiter Werner Werder. Konkret geht es darum, dass die Landwirte ihre Getreidefelder weniger dicht ansäen als normal, zwischen den einzelnen Reihen also mehr Platz bleibt.

«In einem Versuch der Organisation Hopp Hase in Aristau hat sich gezeigt, dass dies für den Feldhasen vorteilhaft ist», sagt Reto Fischer. Der kantonale Hasen-Spezialist erklärt, dass für Junghasen das Innere eines Getreidefeldes der sicherste Ort sei. «Dort sind sie vor natürlichen Feinden wie dem Fuchs, Raubvögeln und Krähen besser geschützt.» Wenn die Bauern weniger dicht ansäen, bringt dies weniger Ertrag, der Ausfall muss entschädigt werden. Dies tut der Kanton mit Mitteln aus den Jagdpachtzinsen, die für Lebensraumaufwertungen zweckgebunden zur Verfügung stehen.

Im Seetal soll der Feldhase Seetal wieder angesiedelt werden.

Ein Acker bei Egliswil im Seetal

Im Seetal soll der Feldhase Seetal wieder angesiedelt werden.

Tafeln für Hundehalter

Ziel von «Hopp Hase» sei es, dass solche Massnahmen der Bauern künftig mit Direktzahlungen vom Bund entschädigt würden, sagt Reto Fischer. Im Seetal funktioniert das Projekt vorerst auch ohne Geld aus Bern. 2015 verpflichteten sich drei Bauern, auf einer Fläche von sechs Hektaren dünner anzusäen. Heute machen mehr als ein Dutzend Landwirte mit, das hasenfreundliche Gebiet wurde auf 30 Hektaren erweitert, wie Werder sagt. «Zudem sensibilisieren wir die Hundehalter mit Tafeln, damit sie die Leinenpflicht einhalten.» Gerade im Frühling, wenn die Hasen ihre Jungen setzen, wie die Geburt in der Jägersprache heisst, sei der Nachwuchs durch Hunde gefährdet.

Für eine Bilanz des Projekts ist es noch zu früh, ähnliche Massnahmen in Zeihen im Fricktal und im Kanton Baselland wecken aber Hoffnung. Dort hat sich das weniger dichte Säen bewährt – Werner Werder hofft, dass sich dies auch im Seetal bestätigt. «Es würde mich sehr freuen, künftig wieder mehr Feldhasen in unserer Region zu sehen», sagt er.