Alfred Schmid, ist die Staatsanwaltschaft beim FC Aarau in den vergangenen Tagen auch schon mal vorbei gekommen?

Alfred Schmid: Nein, nein. Der FC Aarau hat nichts zu verbergen.

Im Fussball geht es momentan drunter und drüber: Wohlens Präsident Andy Wyder verbringt eine Nacht im Gefängnis, der frühere GC-Manager Erich Vogel und ein Spielerberater sitzen während 19 Tagen in Untersuchungshaft: Ist der Fussball verseucht?

Ich kenne diese Fälle zu wenig und möchte sie nicht kommentieren. Für den FC Aarau habe ich keine Angst. Wir führen den Klub seriös und werden deshalb hie und da als zu wenig aufmüpfig wahrgenommen. Wir sind die stillen Arbeiter im Hintergrund. So rechnen wir auch die AHV-Beiträge regelmässig ab.

Eine bedenkliche Geschichte ist die Sache mit den Morddrohungen gegen Davide Callà: Was sagen Sie dazu?

Das ist unterste Schublade. Wenn ein Grossklub den FC Zürich schlägt, dann wird das von den Fans akzeptiert. Wenn aber ein Kleinklub wie Aarau den FCZ schlägt, dann rasten einzelne Anhänger aus. Das ist inakzeptabel.

Nehmen Sie diese Morddrohungen ernst?

Aus Sicht des FC Aarau muss man Strafanzeige einreichen. Ich will in jedem Fall die Spieler und die Führung schützen. Schliesslich gibt es eine Drohung in schriftlicher Form. Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann und darf ich dazu nichts sagen.

Aber die Drohung kommt aus der Fan-Ecke des FC Zürich.

Kein Kommentar.

Spielt Callà heute Mittag gegen den FCZ?

Davon gehe ich aus.

Ist es nicht verrückt, dass man momentan statt über Fussball vor allem über Morddrohungen und Erpressungen spricht?

Für mich sind das Einzelfälle. Man muss auch die andere, die positive Seite sehen. Eine Studie des FC Luzern hat gezeigt, dass sich 99 Prozent aller Matchbesucher sicher fühlen. Zudem erfreut sich der Fussball immer grösserer Beliebtheit. Die Zahl der Anhänger steigt. Die Fernseh-Quoten auch. Fussball ist nun mal die Sportart Nummer eins. Dass diese Popularität Probleme mit sich bringt, ist normal und wird natürlich auch medial ausgeschlachtet.

Kommen wir auf den FC Aarau zu sprechen: Der Verein setzt seit Ihrem Amtsantritt 2007 auf Vernunft, ja er hat sogar das Image einer grauen Maus: Stört Sie das?

Graue Maus? Das stört mich nicht. Damit kann ich leben. Es ist gut, wenn wir von den Gegnern unterschätzt werden. Die graue Maus ist in der Lage, einem Grossen das Bein zu stellen. Exakt das wollen wir.

Nun ist Fussball nicht nur Kopfsache sondern auch mit Emotionen verbunden: Wie reagiert man im Umfeld des FC Aarau auf Ihre Politik der Vernunft?

Die Reaktionen sind grösstenteils positiv. Wir sind mit 10 Punkten aus 10 Spielen auch im Fahrplan. Um den Ligaerhalt mit Sicherheit zu erreichen, brauchen wir 18 Punkte in der Vor- und 18 Punkte in der Rückrunde. Mein Ziel ist und bleibt Rang neun.

Würde man sogar den Abstieg in Kauf nehmen, um den Weg der Vernunft weiter zu gehen?

Grundsätzlich nicht. Der Abstieg darf für uns kein Thema sein. Läuft es bis zur Winterpause schlecht, werden wir uns im Rahmen des Budgets verstärken müssen.

Kommen wir auf das Stadion im Torfeld Süd zu sprechen: Ist die Baubewilligung endlich eingetroffen?

Nein. Ich warte, warte und warte und werde immer ungeduldiger.

Nehmen wir an, sie hätten die Baubewilligung für das Stadion: Wären Sie als Präsident bereit, vermehrt auf die Karte Risiko zu setzen und auch mal einen Toptransfer à la Goran Karanovic zu finanzieren?

Natürlich. Blicken wir zurück: Nach dem Abstieg 2010 haben wir einen Dreijahresplan gemacht. Mit dem Aufstieg 2013 konnten wir das sportliche Ziel erreichen. Vor drei Jahren ging ich allerdings auch davon aus, dass wir spätestens 2013 die Baubewilligung haben. Jetzt sind wir in der Super League - und haben keine Baubewilligung. Das ist frustrierend, mühsam und zehrt an den Kräften. Vielleicht bin ich aber auch schon zu lange Präsident.

Wie meinen Sie das?

Vielleicht hätte ein anderer Präsident mehr Einfluss auf die Realisierung des Stadions oder auch mehr Mittel als ich. Für eine solche Persönlichkeit bin ich jederzeit bereit, das Feld zu räumen. Mir ist es wichtig, das Amt einmal in gute Hände zu übergeben. Schliesslich soll der FC Aarau eine gute Zukunft haben.