Ortschaftsnamen

«Der Fall Linn darf sich nicht wiederholen»

Die Linner Linde steht heute offiziell in Bözberg. (Archiv)

Die Linner Linde steht heute offiziell in Bözberg. (Archiv)

Ortschaftsnamen sollen bei Fusionen immer erhalten bleiben. Dies fordert Grossrätin Gertrud Häseli in einem Postulat.

Auch Grossrätin Gertrud Häseli (Grüne) aus Wittnau ist Leserin des Magazins «Fokus Linn» und hat aus nächster Nähe mitbekommen, wie der Ortschaftsname «Linn» durch die Fusion eliminiert worden ist. «Der Fall Linn, darf sich im Aargau nicht wiederholen», sagt sie. Wenn eine Fusion von Gemeinden gelingen solle, müsse man die Menschen auch emotional abholen. «Sobald die Einwohnerinnen und Einwohner einen Identitätsverlust befürchten, hat es jede Fusion schwer.»

Deshalb hat Gertrud Häseli ein Postulat eingereicht, das verlangt, dass Ortschaftsnamen bei Gemeindezusammenschlüssen erhalten werden müssen. Dazu soll der Regierungsrat verbindliche Richtlinien schaffen.

Linner Linde steht in Bözberg

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird zwar häufig kein Unterschied gemacht; Gemeindename, Ortschaftsname oder Ortsname werden häufig synonym verwendet. So bezeichnet der Name «Linn» ein kleines Dorf, das aber keine Gemeinde ist – und es ist nicht einmal mehr eine Ortschaft. Offiziell ist «Linn» aber nur noch ein Ort. Und das hat Konsequenzen: Linn hat keine eigene Postleitzahl – und die Linner Linde steht jetzt in Bözberg.

Die verbindlichen Richtlinien sollen sicherstellen dass die Namen der Aargauer Ortschaften bei Gemeindefusionen erhalten bleiben, egal, wie die neue Gemeinde heisst. So, wie es etwa für die neue Gemeinde Böztal vorgesehen ist, die aus den heutigen Gemeinden Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen entstehen soll.

Häseli verlangt weiter, dass auch geprüft wird, unter welchen Umständen bereits gelöschte Ortschaftsnamen wieder hergestellt werden können.

Auch Ortstafeln, Strassenbezeichnungen und Wappen sollen in den jeweiligen Ortschaften einer fusionierten Gemeinde beibehalten und weiterverwendet werden. «Es soll und darf nicht eine von oben verordnete neue Identität ohne Einverständnis der Fusionspartner geschaffen werden», sagt Häseli. Das Löschen von Ortschaftsnamen und Strassennamen führe zudem dazu, dass die Liegenschaften für Ortsunkundige schwieriger zu finden seien; zudem seien die unnötigen Adressänderungen teuer, erklärt Häseli in ihrem Vorstoss.

«Die Erfahrung zeigt, dass diese Themen in Fusionsgesprächen häufig heftig und kontrovers diskutiert werden», sagt Häseli. Dabei hätten sie für die eigentlichen Ziele eines Zusammenschlusses von Gemeinden wenig Bedeutung.

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Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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