Am Dienstag haben Vertreterinnen des Frauenstreikkomitees um die Grünen-Grossrätin Gertrud Häseli an Staatsschreiberin Vincenza Trivigno die Unterschriften für eine Petition überreicht, mit der sie sich gegen den laufenden Auslagerungsprozess der Reinigungsarbeiten in der kantonalen Verwaltung stellen. Die von 400 Personen unterschriebene Petition ist das erste konkrete Ergebnis aus den Forderungen des Frauenstreiks vom 14. Juni im Aargau. «Dass die Petition nicht von mehr Menschen unterschrieben wurde, liegt daran, dass das Thema nicht besonders spannend ist. Wichtig ist es aber, denn es geht um bessere Anstellungsbedingungen, insbesondere für Frauen», sagt Häseli. Im Rahmen der Budget-Debatte soll das Anliegen auch als politischer Vorstoss eingebracht werden.

Geld für Frauenhaus

Der Aufmarsch hallt knapp zwei Wochen nach dem Streik nach. Ein erstes Treffen des Komitees, um die Umsetzung der Anliegen zu besprechen, hat bereits stattgefunden, ein weiteres ist für den 14. August geplant. Viele der Forderungen betreffen die nationale Gesetzgebung, doch es gibt auch Probleme, die auf kantonaler Ebene gelöst werden können. Als eines der drängendsten nennt Gertrud Häseli die Finanzierung des Frauenhauses Aargau-Solothurn. Mit einem Sockelbeitrag des Kantons, unabhängig von der Belegung des Hauses, wären dessen Finanzprobleme gelöst. Per Vorstoss im Grossen Rat soll der Regierungsrat dazu aufgefordert werden, den Betrag zu sprechen. Ein weiteres Anliegen, das für die Frauen ganz oben auf der Liste steht, ist die Wiedereinführung der Fachstelle Gleichstellung. Diese wurde vor zwei Jahren abgeschafft. Das soll in kleinen Schritten geschehen, erklärt Häseli, noch sei der Wille in der Politik nicht vorhanden. Die Frauen gründen zuerst ein Kompetenzzentrum für Gleichstellung, das durch Projektgelder und Fonds finanziert wird. Nach einer Pilotphase soll die Stelle wieder definitiv zu einer Aufgabe des Staates werden, wie es im Gleichstellungsgesetz vorgesehen sei. Weiter setzt sich das Komitee für die Anliegen der LGBTQI-Bewegung ein. Auf kantonaler Ebene wird verlangt, dass ein drittes Geschlecht auf Formularen zum Standard wird.

Noch viel zu tun bei Landfrauen

Die Anliegen des Frauenstreikkomitees waren bereits vor dem 14. Juni da, der Wille, etwas zu verändern, ebenso. Alleine dafür hätte es den Streik nicht gebraucht, findet Gertrud Häseli. Aber: «Schweizweit waren eine halbe Million Frauen und Männer für mehr Gleichberechtigung auf der Strasse. Sie haben gezeigt, dass sie da sind und etwas verändern wollen. Das hallt in der Politik und in der Gesellschaft nach, die Schleusen sind jetzt offen», ist die Grossrätin überzeugt. Das zeige sich aktuell in den Diskussionen über die Nachfolge der abtretenden Regierungsrätin Franziska Roth. «Viele sagen, man könne gar nicht anders, als eine Frau zu wählen. Dieser Druck wurde mit dem 14. Juni sehr verstärkt.»

Neben dem Klimawandel und dem Alter sei die Gleichberechtigung eines der drei Hauptthemen im Wahljahr. Deswegen reiche es nicht, wenn die Anliegen in den linken Parteien formuliert und unter Frauen diskutiert werden. «Wichtig ist, dass wir auch die skeptischen Männer und Frauen abholen und ihnen aufzeigen, wie berechtigt unsere Forderungen sind. Ansonsten erreichen wir nichts», so Häseli.

Es mache also Sinn, dass das Frauenstreikkomitee apolitisch und aus Vertreterinnen verschiedener Organisationen zusammengesetzt ist. So dringe der Wunsch nach Veränderungen in weite Teile der Gesellschaft durch. Beispielsweise zur Landbevölkerung, wo es allerdings noch nicht ganz angekommen ist. Die Aargauer Landfrauen hätten am 14. Juni und bei den Vorbereitungen auf den Streik vor allem festgestellt, dass sie noch viel Arbeit damit haben, die Frauen für mehr Forderungen nach Gleichberechtigung zu motivieren und auch auszubilden, sagt Präsidentin Lotti Baumann. Der von den Landfrauen organisierte Sitzstreik sei von Mitgliedern eher schlecht besucht gewesen, bedauert die Präsidentin. Dabei leisteten viele von ihnen schlecht bezahlte oder gar Gratis-Arbeit, stellten das aber nicht infrage. «Diese Frauen müssen wir abholen. Wir wollen ihnen mitgeben, dass sie ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen dürfen.» Lotti Baumann ist dennoch von der Wirkung des Streiks überzeugt: «Es ist immer gut, wenn man weiss, wo man ansetzen muss.» Baumann lässt nicht locker, als eine der Referentinnen bei der Abschlussfeier der Berufsprüfung der Bäuerinnen wird sie ihre Rede diesem Thema widmen.

Auch die Kirchenfrauen waren als Teil des Frauenstreikkomitees am 14. Juni aktiv. Konkrete Forderungen an den Kanton haben sie nicht, schliesslich gehe es um die Gleichberechtigung auf allen Ebenen in der Kirche. Die kantonalen Kirchenfrauen schliessen sich den Forderungen des Schweizerischen Verbunds an. «Wir haben demnächst eine Sitzung, um das zu diskutieren», sagt die Präsidentin des Aargauischen Katholischen Frauenbunds, Pia Viel. Sicher ist: «Wir sind auf der gleichen Linie mit den Anliegen aus dem Frauenstreik. Auch jenen, die Gleichberechtigung für Menschen der LGBTQI-Bewegung verlangen.»