Wettingen

Der erste öffentliche Schräglift des Aargaus fährt – aber gingen die letzten Meter vergessen?

Einmal runter und einmal rauf mit dem neuen Schräglift.

Einmal runter und einmal rauf mit dem neuen Schräglift.

Endlich: Der Kanton Aargau hat seine erste öffentliche Standseilbahn. Doch wurde wirklich an alles gedacht? Zum Uferweg geht es nämlich nicht hindernisfrei, sondern via Treppe.

Fährt er denn jetzt oder nicht? Einige Bewohner der Webermühle-Siedlung waren Anfang Woche noch verunsichert, als sie sahen, dass da jemand tatsächlich den Schrägaufzug benutzte. Dabei nahm die erste öffentliche Standseilbahn im Kanton Aargau bereits am Samstag offiziell die Fahrt auf.

Wer nach 40-sekündiger Fahrt von der «Berg»-Station bei der Alberich-Zwyssig-Strasse an der «Tal»-Station beim Webermühlesteg aussteigt, reibt sich aber womöglich erst mal die Augen. Eltern, die mit Kinderwagen auf dem Weg an der Limmat entlang spazieren möchten, müssen den Kinderwagen noch die Treppe mit den über 20 Stufen hinabtragen.

Doch wenn schon ein moderner Lift gebaut wird, um die 20 Höhenmeter von der Strasse hinunter zum Steg leichter zu überwinden, warum gibt es dann für die letzten paar Meter hinunter zum Uferweg keine Rampe, damit Familien mit Kinderwagen hindernisfrei auf den Weg, der unter dem Steg durchführt, gelangen? «Die Situation wirkt tatsächlich im ersten Moment etwas widersprüchlich, wenn man den Lift verlässt», räumt der Wettinger Gemeindeschreiber Urs Blickenstorfer ein.

Weg wird nicht hindernisfrei begehbar sein

Wettingen ist wie Baden und Neuenhof Träger der Stiftung «Kulturweg». Dieser führt unter anderem auch über den Webermühlesteg und auf Wettinger Seite via Treppe am Ufer entlang zur Holzbrücke zwischen Neuenhof und Wettingen. «Es war nie geplant, den Zugang zum Kulturweg behindertengerecht, also hindernisfrei, begehbar zu machen», sagt Blickenstorfer.

So sei beispielsweise auch die «Gwagglibrugg» nur über eine Treppe zugänglich. Zudem sei der Weg, bevor der Lift gebaut wurde, ebenso nur über diese Treppe erreichbar gewesen. Der Weg wird auch künftig nicht hindernisfrei erreichbar sein. «Dies bräuchte starke Eingriffe an mehreren Orten», sagt Blickenstorfer.

Auch sei mit dem Eigentümer der Webermühle, der das Land beim Lift im Baurecht besitzt, nichts in diese Richtung geplant. Und: Der Lift ist zwar öffentlich und für jedermann nutzbar, doch sein Zweck ist die Verbindung zum Steg und der Neuenhofer Webermühle-Siedlung mit ihren 370 Wohnungen.

Serpentinenweg wird saniert

Momentan hat die Immobilienbewirtschafterin Wincasa, welche im Auftrag des Eigentümers, dem «Credit Suisse Real Estate Fund LivingPlus», die Siedlung betreut und den Schräglift betreibt, ohnehin eine ganz andere Baustelle: den Serpentinenweg. Er war im Mai nach andauernden, heftigen Regenfällen auf einer Länge von rund 5 Metern gefährlich abgerutscht – teilweise bis zu 70 Zentimeter.

Die Webermühle-Bewohner mussten deshalb vorübergehend den Umweg über die Klosterhalbinsel in Kauf nehmen, wenn sie zum Bahnhof Wettingen wollten. Wenige Tage später wurde die Stelle mit einer Stegkonstruktion gesichert, sodass Passanten seither den Weg wieder nutzen können.

Weil die Wincasa im Rahmen des Bewirtschaftungsvertrags auch für den Unterhalt des Serpentinenwegs zuständig ist, muss sie ihn sanieren. Anfang August sagte Massimo Blangiardi, Projektleiter Bauherrentreuhand bei der Wincasa, ein Landschaftsarchitekt arbeite derzeit ein Projekt zur Sanierung aus. Laut aktuellem Stand soll der Weg «voraussichtlich diesen Herbst/Winter saniert werden», sagt Blangiardi.

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