Zofingen
Der einzigartige Schatz in der Zofinger Bibliothek

Die Zofinger Stadtbibliothek macht ihre einzigartigen historischen Bestände künftig im Internet zugänglich.

Beat Kirchhofer
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Stadtbibliothek Zofingen

Stadtbibliothek Zofingen

BKR
Stadtbuch.

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So modern sich die Zofinger Stadtbibliothek mit ihrem Angebot den Medienkonsumentinnen und -konsumenten präsentiert – so einzigartig ist der historische Buchbestand der 1693 gegründeten Institution. Unter den Sammlungsobjekten befinden sich Perlen, wie der «Isidorus» – eine Handschrift des Kloster St. Gallen, die aus dem 9. Jahrhundert stammt.
Auch die Sammlung von 400 Briefen humanistischer Gelehrter ist an Einmaligkeit nicht zu überbieten. Die handschriftlichen Originalbriefe mit den Schriftzügen von Luther, Zwingli, Bullinger, Erasmus, Melanchton und gar von Elisabeth I., Königin von England, haben einen auch wissenschaftlich unschätzbaren Wert. Man muss sich das vorstellen: Die Dokumente sind rund 500 Jahre alt – Kolumbus hatte soeben Amerika entdeckt, die Eidgenossenschaft in Marignano einen herben Dämpfer erhalten.

Hinzu kommen 16 Bände Stadtbücher, welche ab 1623 aufzeigen, was in den Mauern Zofingens Recht war, was in der Politik lief, wie Wahlen durchgeführt und deren Ergebnisse ausgewertet wurden.

Lokales Kompetenzzentrum

«Einzigartig, so eine Gesetzessammlung und Chronik», sagt der pensionierte St. Galler Handschriftenexperte Rudolf Gamper. Er ist einer der «guten Kontakte», welche Stadtbibliothekarin Cécile Vilas in der «Welt des alten Buches» pflegt und er hilft, den Zofinger Schatz zu heben: die Werke in einem elektronisch zugänglichen Katalog zu verzeichnen und sie teilweise zu digitalisieren.

«Für die wissenschaftliche Arbeit mit dem historischen Bestand muss heute auf einen gedruckten Katalog aus den 1930er-Jahren zurückgegriffen werden – punktuell gar auf alte Karteikarten», stellt Vilas fest. Ein Ziel eines kürzlich verabschiedeten Bibliotheksplans 2015–2020 sei, Zofingen als lokales Kompetenzzentrum für das Historische Buch zu positionieren. «Unser Bestand ist in der Bibliothekenlandschaft einzigartig», so Vilas.

Freundschaftspreis

Schriften katalogisieren und digitalisieren ist eine Arbeit für erfahrene Fachleute. Gute Kenntnisse der lateinischen Sprache und der alten Schriften sind eine Grundvoraussetzung.
Bei der Antwort auf die obligate Journalistenfrage, was das Projekt in Franken kostet, schmunzelt Vilas: «Das Team, welches sich im Mandatsverhältnis zur Verfügung stellt, arbeitet zu einem Freundschaftspreis – die Kosten haben im normalen Budget der Bibliothek Platz».
Erfasst werden die Manuskripte des historischen Bestands mit einer Software, welche den grossen Bibliotheksverbünden der Deutschen Schweiz zur Verfügung steht. Die parallel digitalisierten Humanistenbriefe werden ebenfalls für einen per Internet zugänglichen Verbund aufbereitet.

«Wer dann beispielsweise den Luther-Brief sucht, wird auf eine physische Beschreibung, eine kurze Zusammenfassung des lateinischen Inhalts und einen Hinweis auf bereits erfolgte Publikationen stossen», sagt Vilas.

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