Mikrozensus Mobilität und Verkehr
Der durchschnittliche Aargauer legt pro Jahr 22'000 Kilometer zurück

Die Aargauer halten mehrheitlich nichts von Gebühren für den Parkplatz im Einkaufszentrum. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die auch zeigt, dass die Aargauer im Durchschnitt knapp 22'000 Kilometer pro Jahr zurücklegen.

Mathias Küng
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Die Aargauerinnen und Aargauer legen im Durchschnitt knapp 22'000 Kilometer pro Jahr zurück.

Die Aargauerinnen und Aargauer legen im Durchschnitt knapp 22'000 Kilometer pro Jahr zurück.

Keystone

Die tägliche durchschnittliche Unterwegszeit pro Person im Kanton Aargau sank zwischen 2005 und 2010 um 13 Minuten. Auch die täglich zurückgelegte Wegstrecke hat laut Mitteilung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) pro Kopf um 3,4 Kilometer abgenommen.

Diese und weitere Ergebnisse liefern der Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2010. Aufs Jahr gerechnet legt jeder Aargauer und jede Aargauerin zusammengezählt im Durchschnitt knapp 22'000 Kilometer zurück. Dies sind laut Studie 7 Prozent mehr als der schweizerische Durchschnitt.

Wir sind heute schneller unterwegs

Dieses Ergebnis erstaunt angesichts von Meldungen über zunehmende Stausituationen und zunehmende Stehplätze in Zügen. Thomas Graf von der Abteilung Verkehr des BVU kann diesen offenbaren Widerspruch, abgesehen davon, dass die Bevölkerung und mit ihr der Verkehr zunimmt, nicht auflösen.

Und, so Graf: "Wir sind heute schneller unterwegs als früher, auch zu Fuss und mit dem Velo, legen also in kürzerer Zeit eine grössere Distanz zurück."

Graf verweist auf die Bemühungen von Bund und Kanton, mit der Standortförderung des Kanton Aargau und den Agglomerationsprogrammen darauf hinzuarbeiten, dass die Menschen wieder verstärkt dort arbeiten können, wo sie wohnen.

Und der Bund lege viel Wert darauf, in den Agglomerationen den Langsamverkehr zu fördern.

Grosse Skepsis zu Gebühren

Gebühren im Verkehr werden unter Fachleuten als mögliche Massnahmen diskutiert, mit denen die Auslastung der Verkehrsinfrastrukturen optimiert und der wesensgerechte Einsatz der Verkehrsmittel gefördert werden.

Die aargauische Bevölkerung steht solchen Massnahmen allerdings eher ablehnend gegenüber, wie die Studie weiter aufzeigt. Fast zwei Drittel der über 18-jährigen sprechen sich gegen die Einführung von Parkplatzgebühren bei Einkaufszentren aus.

Gebühren in den Spitzenzeiten für die Zufahrt in die Stadtzentren (das sogenannte Road Pricing) werden ebenfalls noch mehrheitlich abgelehnt; aber insgesamt 29% der Bevölkerung ist voll oder unter Umständen für diese Massnahme.

Benzinpreiserhöhung ist nicht gern gesehen

Eine Erhöhung des Benzinpreises wird von 76% der Kantonsbevölkerung abgelehnt (Zustimmung nur 21%). Ähnlich klar Nein sagt sie auch mit 72 % zur Erhöhung der Parkplatzgebühren in Stadtzentren. Dafür wären immerhin 36 % (bei 40 % Nein) für Tunnelgebühren zum Beispiel am Gotthard oder am San Bernardino zu haben.

Diese verkehrspolitischen Daten werden gesamtschweizerisch schon lange erhoben, erstmals wurden jetzt die Daten für den Aargau herausgefiltert. Sie weichen laut Thomas Graf nur wenig von den schweizerischen Zahlen ab.

Interessant sei, dass sich die Bevölkerung anstelle von einschränkenden Gebühren für Fördermassnahmen ausspricht. Deutlich befürwortet wird nämlich von 79% die finanzielle Förderung von besonders energiesparenden und umweltfreundlichen Neuwagen.

Ein solcher Vorschlag ist im Grossen Rat unlängst abgelehnt worden. Vielleicht kommt er in einer nächsten Gesetzesrevision wieder?

13 Minuten weniger unterwegs

Zwischen 2005 und 2010 reduzierte sich die täglich im Verkehr verbrachte Zeit um knapp 13 Minuten auf 82,9 Minuten (Vergleich Schweiz: minus 5 Minuten). Damit liegt der Zeitaufwand für den Verkehr im Aargau laut BVU praktisch gleich hoch wie der Schweizer Durchschnitt (83,4 Minuten).

Nicht nur die durchschnittliche Unterwegszeit ist seit der letzten Erhebung zurückgegangen, auch die täglich zurückgelegte Wegstrecke im Verkehr ist im Aargau pro Person um 3,4 Kilometer kürzer geworden. Sie beträgt noch 40,7 Kilometer.

Das sind 7,7 Prozent weniger als 2005, dem Jahr der letzten Erhebung. Die 2010 zurückgelegte Tagesdistanz liegt noch knapp 4 Kilometer über dem Schweizer Durchschnitt, der 36,7 Kilometer beträgt.

Noch 2005 betrug der Unterschied zwischen dem Aargauer Wert und der durchschnittlichen Tagesdistanz der Schweiz 8,9 Kilometer.

71 Prozent Individualverkehr

Gemessen an der zurückgelegten Tagesdistanz verteilt sich der Verkehr im Jahr 2010 mit grosser Dominanz auf den motorisierten Verkehr. Dies ist sowohl im Aargau als auch in der übrigen Schweiz so.

Im Aargau beträgt der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) an den täglich zurückgelegten Distanzen 70,8 Prozent. Dies sind gut 4 Prozentpunkte mehr als im nationalen Durchschnitt.

Der Anteil des öffentlichen Verkehrs (öV) an der Tagesdistanz beträgt 19,8 Prozent und derjenige des Langsamverkehrs 6,5 Prozent. Im Vergleich zur Erhebung von 2005 ist der öV-Anteil um 1,4 Prozent gewachsen. leicht über der Zunahme des MIV-Anteils von 1,3 Prozent.

Freizeit wichtigster Verkehrszweck

Gemessen an der Distanz ist die Freizeit der mit Abstand stärkste Verkehrstreiber. Im Durchschnitt stehen 38 Prozent der absolvierten Tagesdistanzen im Aargau im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten (Schweiz: 40%) gefolgt von 24 Prozent für die Arbeit und 14 Prozent für den Einkauf.

Auch beim Zeitaufwand entfallen mit 42 Minuten nicht weniger als 46 Prozent der täglichen Wegzeit auf Freizeitzwecke.

Das Auto ist das am weitesten verbreitete Verkehrsmittel im Kanton Aargau. 86 Prozent der Haushalte besitzen mindestens ein Auto (Durchschnitt Schweiz: 79%), 38 Prozent zwei Autos oder mehr.

Über mindestens ein Velo verfügen 76 Prozent der Haushalte. Je urbaner eine Gemeinde, desto weniger verbreitet sind Auto- und Velobesitz und desto höher liegt dafür der Anteil der Personen mit einem öV-Abonnement.

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