Vorstoss

Der Bundesrat will die Ärztelöhne bis Ende Jahr untersuchen

Die Rechnung für den Arztbesuch ist in der Schweiz vielen Menschen zu hoch. Foto: Keystone

Der Bundesrat will die Ärztelöhne untersuchen. Foto: Keystone

Die Rechnung für den Arztbesuch ist in der Schweiz vielen Menschen zu hoch. Foto: Keystone

Hausärzte verdienen deutlich weniger als Spezialärtze. Gesundheitsminister Alain Berset antwortete, dass es nicht die Aufgabe des Bundesrats sei, das Referenzeinkommen festzulegen. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel sieht das anders.

Die az thematisierte kürzlich, dass Hausärzte deutlich weniger verdienen als diverse Spezialärzte. Nun basiert die Tarmed-Tarifstruktur der Ärzte wesentlich auf Datengrundlagen der Neunzigerjahre. Deshalb wollte Nationalrätin Ruth Humbel (CVP) vom Bundesrat wissen, welches bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit ein angemessenes ärztliches Referenzeinkommen ist, und wie gross die Unterschiede sind.

In der Fragestunde antwortete Gesundheitsminister Alain Berset, das von den Tarifpartnern bei der Erstellung der Tarifstruktur Tarmed hinterlegte Referenzeinkommen belaufe sich auf 207 000 Franken. Der Bundesrat erachte es nicht als seine Aufgabe, das Referenzeinkommen festzulegen. Gemäss der Studie der FMH, «Einkommensverhältnisse der freipraktizierenden Ärztinnen und Ärzte», welche zuletzt mit den Zahlen aus dem Jahr 2009 durchgeführt wurde, betrug das durchschnittliche AHV-pflichtige Einkommen aus der freien Praxistätigkeit 2009 im Mittel 234 700 Franken. Das sei ein Mittelwert, so Berset, und weiter: «Unter diesem Wert lagen insbesondere die Grundversorger. Am oberen Ende des Spektrums befanden sich gewisse chirurgische Hauptfachgebiete, sowie auch die Hauptfachgebiete Gastroenterologie, Ophthalmologie oder Radiologie.»

Das Bundesamt für Gesundheit hat laut Berset eine Studie zum Ärzte-Einkommen in Auftrag gegeben. Erste Resultate sollten Ende 2017 vorliegen.

Humbel gespannt auf Studie

Zur bundesrätlichen Antwort sagt Ruth Humbel, 234 700 Franken seien ein stolzes Durchschnittseinkommen, das voll aus einer obligatorischen Sozialversicherung finanziert wird. Zudem seien die Arztkosten pro Versicherte und Jahr zwischen 2011 und 2015 um gut 20 Prozent angestiegen.

Nicht einverstanden ist Humbel mit dem Bundesrat, wenn er sagt, dass er es nicht als seine Aufgabe erachte, das Referenzeinkommen der Ärzte festzulegen. Humbel: «Letztlich geht es primär um das Einkommen der Ärzte und wenn der Bundesrat einen Tarif festlegen muss, dann ist die grundsätzliche Frage die des Referenzeinkommens bei einer ordentlichen Arbeitszeit.»

Ihres Erachtens müsse bei einer Weiterentwicklung von Tarmed entweder ein Pauschalsystem eingeführt werden oder wo das nicht möglich ist, zu einem Zeittarif gewechselt werden. Ein Zeittarif wäre transparent und klar. Dafür müsse aber definiert werden, was ein Arzt bei einer Normalarbeitszeit verdienen soll. Jetzt wartet sie gespannt auf die Resultate der vom Bundesrat in Aussicht gestellten Studie. (MKU)

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