Siegfried AG
Der Baumeister wird Architekt: Rudolf Hanko tritt als CEO zurück

Rudolf Hanko tritt als CEO der Siegfried Gruppe zurück und wechselt in den Verwaltungsrat. Wolfgang Wienand, der als ein Spezialist für Firmenübernahmen gilt, wird seinen Platz einnehmen.

Beat Kirchhofer
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Rudolf Hanko (links) und Verwaltungsratspräsident Andreas Casutt im Jahr 2015 an der Einweihung und Besichtigung des neuen Verwaltungsgebäudes.

Rudolf Hanko (links) und Verwaltungsratspräsident Andreas Casutt im Jahr 2015 an der Einweihung und Besichtigung des neuen Verwaltungsgebäudes.

Rudolf Hanko – Baumeister der Siegfried-Erfolgsstrategie – tritt auf Ende Jahr als CEO zurück. Dies in einem Zeitpunkt, in welchem der Kurs der Siegfried-Aktie förmlich explodiert. 36,8 Prozent beträgt der Börsengewinn in den letzten 12 Monaten.

Rücktrittsgrund ist Hankos Alter (er ist 63) und der Umstand, dass mit Wolfgang Wienand – er ist seit 2010 Leiter der globalen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Siegfried Gruppe – ein Nachfolger zur Verfügung steht, der fachlich kompetent die Strategie des Unternehmens verinnerlicht hat – sozusagen ein in der «Wolle gefärbter» Siegfried-Mann ist.

Raumfahrt und Cappuccino

Der promovierte Chemiker Rudolf Hanko, der zum Frühstück am liebsten einen Cappuccino trinkt und sich sehr für die Raumfahrt interessiert, soll dem Unternehmen erhalten bleiben. Stimmt nächstes Jahr die Generalversammlung zu, wechselt der Baumeister ins «Architekturbüro»: Er wird Mitglied des Siegfried-Verwaltungsrats.

Rudolf Hanko übernahm 2009 die operative Leitung von Siegfried. Andreas Casutt, Präsident des Verwaltungsrats, würdigt die Arbeit von Hanko: «Er hat unsere Firma in den vergangenen neun Jahren stark geprägt und hat entscheidenden Anteil am anhaltenden Erfolg von Siegfried. In seine Amtszeit fällt nicht nur die Entwicklung des Umsatzes von 260 auf nun über 700 Millionen Franken, sondern vor allem der gezielte globale Ausbau unserer Produktionsstätten und die konsequente Ausrichtung des Unternehmens auf die sich rasch wandelnden Bedürfnisse der international tätigen Pharmafirmen.» Der Verwaltungsrat danke Rudolf Hanko für seine grosse Leistung und «freut sich, dass er mit Siegfried eng verbunden bleiben wird.»

Was meint die Wirtschaftspresse in ihren ersten Online-Stellungnahmen zur Rochade? «Cash» titelt: «Folgt bei Siegfried der nächste grosse Wurf?» In Anlegerkreisen sei der zurücktretende Hanko sehr beliebt. «Dass mit Wienand ein Spezialist für Firmenübernahmen das Ruder übernimmt», kommt Beobachtern zufolge nicht von ungefähr. Wienand war massgeblich in die Planungen für den Aufkauf von Teilen der BASF und der Pharma Hameln involviert.

Bei der Bank Vontobel geht man von einem reibungslosen Wechsel an der Unternehmensspitze aus. Angesichts der internen Nachfolgeregelung für den Konzernchef rechnet die Zürcher Kantonalbank mit keinem grösseren Strategiewechsel.

Die Aktie wird deshalb wie bis anhin als attraktiv eingestuft. Gestern allerdings verlor die Siegfried-Aktie leicht um 0,5 Prozent. Eine Folge der Rochade oder eines auf Kleinanleger und -spekulanten ausgerichteten Ratgebers der «Nordwestschweiz», der auch in dieser Zeitung erscheint? Am Samstag stand dort: «Time to say goodbye» – man solle den bei Siegfried erzielten Gewinn «mitnehmen» und dem «Hammerwert die Freundschaft kündigen».

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