Seon/Dietwil
Der Bauboom lässt Berge von Aushub entstehen - aber wohin damit?

Weil Deponien für den beim Bau anfallenden Aushub fehlen, werden tausende Kubikmeter quer durch den Kanton gekarrt. Der Regierungsrat will mit zwei neuen Grossdeponien Abhilfe schaffen.

Hans Lüthi
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Sie haben Freude an den Deponien: Dieter Greber (links) von der Deponie Feld AG und BaudirektorStephan Attiger beim Start der Deponie Weid-Banacker in Beinwil im Freiamt. Eddy Schambron

Sie haben Freude an den Deponien: Dieter Greber (links) von der Deponie Feld AG und BaudirektorStephan Attiger beim Start der Deponie Weid-Banacker in Beinwil im Freiamt. Eddy Schambron

Kritik Warum die SP Aargau keine neuen Deponien will

Von den grossen Parteien im Grossen Rat lehnt einzig die SP Aargau die Festsetzung der neuen Deponiestandorte Turbemoos in Seon und Babilon in Dietwil kategorisch ab. Bei der Begründung in der Botschaft sind sämtliche Punkte für das Nein der SP aufgeführt: Natur- und Landschaftsschutz, Qualität der Fruchtfolgeflächen, ökologische Aufwertung und Deponiegut aus anderen Kantonen. Für den Standort in Seon kommt auch noch der Wildtierkorridor dazu. Was sieht die SP für Alternativen, um Hunderttausende von Kubikmetern Aushub pro Jahr deponieren zu können? «Vor allem zum Schutz der Landschaft müssen wir andere Lösungen suchen», sagt Martin Christen (Spreitenbach). Der SP-Grossrat ist stellvertretendes Mitglied in der Kommission UBV und betont, es gehe im Freiamt und im Seetal um schöne Landschaften.
Das Rezept seiner Partei: «Den Aushub dort verwenden, wo er anfällt.» Durch eine solche Wiederverwertung lasse sich ein grosser Teil des geltend gemachten Deponieraumes einsparen, glaubt Christen.
Fazit des Kantons: Die politischen Parteien stimmen mehrheitlich zu, die Verbände (WWF, BirdLife) sind dagegen. (Lü.)

Gigantische Mengen Material

Um kleine Gruben geht es nicht, wie die Ausmasse zeigen. In Seon rechnet der Plan mit 1,2 Millionen Festkubikmetern, ab 2015 zu füllen in den nächsten 15 bis 20 Jahren. Daraus ergeben sich 48 Lastwagenfahrten pro Tag oder 11 500 im Jahr (bei 240 Arbeitstagen). In Dietwil soll die Deponie Babilon eine Geländesenke westlich der Kantonsstrasse nach Oberrüti bis 22 Meter hoch auffüllen. Weil das Volumen von 1,4 Millionen Kubikmetern in nur acht Jahren aufgefüllt werden soll, kommt es hier zu 120 Lastwagenfahrten pro Tag oder 28 800 pro Jahr.

Die jährlich 40 000 Lastwagenfahrten werden in der Botschaft an den Grossen Rat stark relativiert: Erstens fallen sie nur regional an, was insgesamt den Verkehr und die Umwelt entlastet. Zweitens nimmt der Verkehr in Seon nur um 0,3 Prozent und in Dietwil um 2,0 Prozent zu.

Zustimmung breit abgestützt

Befürworter und Gegner sind in beiden Fällen fast identisch. Eine starke bürgerliche Mehrheit mit SVP, FDP, CVP und BDP stimmt in Seon vollumfänglich zu. Weitere Parteien neigen ebenfalls zu einem Ja, wenn gewisse Bedingungen und Anträge erfüllt sind – die Grünen und die Grünliberalen inbegriffen. Kategorisch dagegen ist die SP Aargau (siehe separaten Artikel) im Verbund mit BirdLife und WWF Aargau sowie zwei Privatpersonen. Beim Standort Babilon in Dietwil kommt zur bürgerlichen Phalanx aus SVP, FDP, CVP auch die EVP vollumfänglich zustimmend dazu. Auch hier liegen zahlreiche Bedingungen und Anträge vor.

Die Themen betreffen die Verkehrssicherheit, Umweltbelastung, Schutz der Landschaft, ökologische Aufwertung und das Deponiematerial selber. Gemäss Vorlage geht es in beiden Fällen um unverschmutztes Aushubmaterial. Definiert werden die sogenannten Inertstoffe so: «Gesteinsähnliche, schwach mit Schadstoffen belastete Abfälle, die nicht wiederverwertet werden können.» Chemisch und biologisch seien diese Stoffe stabil und müssten zu über 95 Prozent gesteinsähnlich sein, wie Bauabfälle, Beton, Ziegel, Glas.

Langfristige Planung sichern

Mit dem Kanton Zug wird eine Vereinbarung angestrebt, um mit Gegenrecht Aushub ablagern zu können. In Dietwil kreuzt die Erschliessung den kantonalen Radweg, während des Betriebs wird eine kreuzungsfreie Lösung angestrebt, damit sich Velofahrer und Lastwagen nicht in die Quere kommen.

Beim Rönnfeld in Egliswil/Seengen geht es um eine langfristige Deponiesicherung. «Die Leute sollten auch unsere langfristige Planung kennen, um nicht das Gefühl zu haben, die Katze im Sack zu kaufen», erklärte dazu Raumplaner Jörg Hartmann von der Abteilung Raumentwicklung im Baudepartement. Auch beim Rönnfeld sind Befürworter und Gegner in den gleichen politischen Lagern zu finden.