Die historisch gewachsene, dezentrale Pavillonstruktur des Kantonsspitals in Aarau macht einen effizienten Klinikbetrieb nicht einfach. Die Optimierung der Prozesse und somit auch der Kosten bleibt das Ziel, hingegen ist die Idee eines kompletten Klinik-Neubaus Geschichte. Vielmehr soll das Kantonsspital nun in den kommenden Jahren «sanft modernisiert» werden, wie es in der Mitteilung zum gestern präsentierten Masterplan heisst.

Dieser sieht wohl verschiedene Erweiterungs- und Neubauten vor, der Campus-Charakter des Spitalareals soll aber erhalten bleiben. Er sei froh, dass die Zentralspital-Diskussion abgeschlossen ist, meinte Verwaltungsratspräsident Philip Funk. Wohl sind (wie in Baden auch) Erneuerungen und Ausbauten mit einem Investitionsbedarf von Hunderten Millionen unumgänglich, damit das Kantonsspital Aarau den Anforderungen an ein modernes Zentrumsspital weiter genügen kann.

Hingegen seien mindestens 40 Prozent der Infrastruktur in einem guten Zustand, so Funk: «Mit dem Neubau eines Kantonsspitals auf der grünen Wiese wäre Volksvermögen vernichtet worden.»

«Verantwortbarer Rahmen»

Billig wird es auch mit dem neuen Plan in zwei Etappen nicht. Die bis 2017 vorgesehenen Bauten werden mit rund 230 Millionen veranschlagt. Für die zweite Etappe bis 2023 lässt man sich noch nicht zu weit auf die Äste hinaus, CEO Hans Leuenberger schätzt die Kosten aber auf eine Grössenordnung von 500 Millionen. Insgesamt dürfte die Erneuerung also auf 700 bis 800 Millionen zu stehen kommen.

Mit dem modulhaften Vorgehen blieben die Kosten, die das Kantonsspital mit der neuen Spitalfinanzierung und der Übertragung der Liegenschaften an die Spital-Aktiengesellschaften selber aufzubringen hat, über die Jahre aber in einem verantwortbaren Rahmen, so Philip Funk. Zur Finanzierung gibt es noch keine konkreten Angaben. Aus dem Darlehenstopf von einer Milliarde, den der Kanton für alle Spitäler bereithält, scheint man sich aber eher zurückhaltend bedienen zu wollen.

Die geforderte Rückzahlung innert 12 Jahren stellt das Kantonsspital Aarau, das gerade mal so schwarze Zahlen schreibt, vor eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Auf der anderen Seite habe man «fast wöchentlich Angebote von Banken, die uns Geld geben wollen», so Hans Leuenberger.

Der Bau an der Spital-Zukunft in Aarau läuft an –  für 800 Millionen Franken

Der Bau an der Spital-Zukunft in Aarau läuft an – für 800 Millionen Franken

Die Bauvorhaben

Und dafür soll es ausgegeben werden (vgl. Grafik):

Die Bauvorhaben (Nr. 5 ist unten, Nr. 2 oben links)

Die Bauvorhaben (Nr. 5 ist unten, Nr. 2 oben links)

n  1: Umbauten Haus 1 Schon seit 2013 werden verschiedene Kliniken im Hauptgebäude umgebaut, etwa die Kardiologie, Gastroenterologie oder die plastische Chirurgie. Weiter stehen Sanierungen von (Ab-)wasserkanälen und der Haustechnik an.

n  2: Neue Eingangspforte Das Kantonsspital mietet sich in einem Neubau an der Herzogstrasse ein. Das Haus 60 wird die Augen- und HNO-Klinik beheimaten und soll mit einem Bistro auch zu einem Treffpunkt im Quartier und zur neuen Eingangspforte im Westen werden. Es wird durch einen unterirdischen Logistik-Kanal ans Spital-Areal angebunden.

n  3: Neurozentrum Die neurologischen Disziplinen sind heute auf vier Standorte verteilt. In einem Anbau an das bestehende Haus 4 werden sie unter einem Dach vereint. Wegen der Bauvorhaben für das Neurozentrum und an der Herzogstrasse muss der Fussgängerweg zum Bahnhof ab September bis nach den Sommerferien 2015 geschlossen werden. Der Zugang zum Spitalareal wird über andere Wege gewährleistet und signalisiert.

n  4: Wohnhaus Das älteste Hochhaus Aaraus bietet seit fast 60 Jahren Auszubildenden, Studierenden und Praktikanten des Spitals Wohnmöglichkeiten und ist stark renovationsbedürftig. Die Gebäudehülle wird saniert und die Zimmer werden modernisiert.

n  5: Parkhaus Hier entstehen zusätzliche Parkplätze für Mitarbeitende und Spitalbesucher.

n  6: Spitalapotheke Die Spitalapotheke hat die Räumlichkeiten im Haus 17 vor über 30 Jahren bezogen. In dieser Zeit haben sich die Anforderungen an die Spitalpharmazie wesentlich verändert. Die Spitalapotheke wird bis Ende 2016 grundlegend saniert.

n  7: Labordisziplinen In einem Neubau auf dem Grundstück um das ehemalige Restaurant Bavaria werden die heute dezentral gelegenen Institute für Labormedizin, Pathologie und Rechtsmedizin unter einem Dach untergebracht.

In die zweite Etappe ab 2018 fallen folgende Neubauten:

n  8: Onkologiezentrum Mit einem Erweiterungsbau zum Haus 40 erhalten die Themenbereiche Blut und Krebs mehr Platz. In das Gebäude werden die Räume für das Onkologiezentrum Mittelland integriert. Die Krebsliga Aargau plant, sich hier mit ihrer Geschäftsstelle und einem Begegnungszentrum anzusiedeln.

n  9: Frauenklinik In den letzten Jahren war ein Zuwachs an Geburten im Kantonsspital Aarau zu verzeichnen. Dem trägt man mit einer Ergänzung des Hauses 8 um einen modernen Zwischenbau Rechnung.

n  10: Stärkung des Zentrums Das Hauptgebäude soll durch zwei Anbauten an das Haus 1 im Westen und Osten erweitert werden. Darin soll das neue Notfallzentrum mit integrierter Intensivstation entstehen. Weiter ist geplant, alle Operationssäle zu konzentrieren.