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50 Jahre Beznau – oder wie der Aargau zum Atomkanton wurde

50 Jahre Kernkraftwerk Beznau: Wie der Aargau zum Atomkanton wurde

Wie kam es zu dieser Ballung an nuklearen Anlagen im Unteren Aaretal, wie ist der Aargau zum Atomkanton worden? Zeitzeugen berichten, wie sie die Entwicklungen zwischen 1955 und 1985 erlebt haben, Experten ordnen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation damals ein.

Im Aargau finden in den 1950er-Jahre die ersten Experimente zur Nukleartechnik statt, später werden hier drei von fünf Schweizer Kernkraftwerken gebaut. Woher kam diese Begeisterung, wieso endete sie mit dem Bau von Leibstadt 1984 und warum wehte bereits zehn Jahre davor in Kaiseraugst ein ganz anderer Wind? Zeitzeugen und Experten liefern in diesem Film Antworten.

Stolz, Begeisterung, Applaus. Von Risiken sprach in den 1950er- und 60er-Jahren noch niemand im Zusammenhang mit der Atomenergie. Vielmehr wurde sie als Lösung für den gestiegenen Energiebedarf angesehen, und erst noch als umweltfreundliche. 

Am 9. Dezember 1969, vor 50 Jahren, ging das erste Schweizer Kernkraftwerk ans Netz: Beznau I. Auf der gleichnamigen Aareinsel bei Döttingen im Kanton Aargau.

Dies Jahre, nachdem die Geschichte der Atomkraft ihre Anfänge nahm – ebenfalls im Unteren Aaretal im Aargau. In Würenlingen gab es 1957 den ersten Schweizer Versuchsreaktor, 1960 den zweiten. Man forschte an der Energiegewinnung, aber auch an Atomwaffen. Aus dem damaligen EIR, dem Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung, ist das heutige Forschungszentrum Paul Scherrer Institut, kurz PSI, hervorgegangen.

Auch das letzte Schweizer Atomkraftwerk ist im Aargau gebaut worden, 1984 in Leibstadt. Wie kam es zu dieser Ballung an nuklearen Anlagen, wie ist der Aargau zum Atomkanton worden? Dieser Frage ging das Projekt «Zeitgeschichte Aargau» mit diesem Film nach. Zeitzeugen berichten, wie sie die Entwicklungen zwischen 1955 und 1985 erlebt haben, Experten ordnen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation damals ein.

In der Geschichte der Atomenergie im Aargau fällt nur eine Episode aus dem Rahmen: Kaiseraugst. Dort hätten im April 1975 die Bauarbeiten für ein weiteres Kernkraftwerk beginnen sollen. Stattdessen verhinderte ein breiter Widerstand dieses Projekt. Mit einer elf Wochen dauernden Besetzung. Wir trafen Vertreter der damaligen «Gewaltfreien Aktion» auf dem noch immer brachliegenden Gebiet und schauten mit ihnen nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft.

Beznau: Eine der ältesten Anlagen der Welt

Beznau I ist einer der ältesten von weltweit 449 Reaktoren, die derzeit gemäss der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) in Betrieb stehen. Wie Block I sind fünf weitere momentan aktive Reaktoren dieses Jahr 50 Jahre alt geworden.

Nur die beiden Blöcke in Tarapur in Indien sowie die beiden Werke Oyster Creek und Nine-Mile-Point-1 in den USA sind einige wenige Monate, beziehungsweise Tage, länger am Netz.

Zusammen mit dem baugleichen, 1972 in Betrieb genommenen Block II produzierte das AKW Beznau mit seinen zweimal 365 Megawatt Leistung rund 6000 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Dies entspricht ungefähr dem doppelten Stromverbrauch der Stadt Zürich.

Wie lange Beznau I und II noch weiterlaufen, ist ungewiss. Auch wenn weltweit momentan fast 50 neue AKW in Bau sind, ist der Bau neuer Kernanlagen in der Schweiz derzeit tabu. Mit der Verabschiedung der Energiestrategie 2050 wurde auch der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen.

(pze/smo/sda)

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