Aargau
Der Auenschutzpark des Wasserschlosses wird verspätet fertig

Das Aargauer Stimmvolk beschloss 1993, auf mindestens einem Prozent der Kantonsfläche einen Auenpark zu schaffen. 2014 läuft die Frist dafür ab. Dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt läuft die Zeit davon, den Verfassungsauftrag umzusetzen.

Elia Diehl
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Das grösste Auenrenaturierungsprojekt wurde 2012 für 10 Millionen Franken in Rupperswil realisiert.

Das grösste Auenrenaturierungsprojekt wurde 2012 für 10 Millionen Franken in Rupperswil realisiert.

Annika Bütschi

Einst prägten wilde Flusslandschaften den Wasserkanton Aargau, durch den zwei Drittel der gesamten Wassermenge der Schweiz fliessen. Grosse Auen begleiteten Aare, Rhein, Reuss und Limmat. Ortsnamen wie Aarau, Auenstein, Klingnau erinnern noch heute daran. In den letzten 150 Jahren wurden jedoch die meisten Flüsse verbaut, begradigt und gezähmt – für die Wasserkraft, Landwirtschaft, Siedlungen oder der gefürchteten Hochwasser wegen. Über 90 Prozent der Auen sind seither verschwunden und mit ihnen viele einheimische Tier- und Pflanzenarten.

Der Aargau bewies schon in den 90er-Jahren Weitsicht und nimmt seither seine Verantwortung als Wasserschloss der Schweiz wahr: Als einziger Kanton baut er einen Auenschutzpark. Mit grosser Mehrheit hatte das Stimmvolk am 6. Juni 1993 die kantonale Volksinitiative «Auenschutzpark» angenommen. Der entsprechende Verfassungsartikel verpflichtet, mindestens ein Prozent der Kantonsfläche als Auenlandschaften zu erhalten oder in solche zurückzuverwandeln – innert 20 Jahren. Diese Frist läuft Ende 2014 ab.

Zeitlich reicht es dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) nicht mehr, den Verfassungsauftrag umzusetzen. Dennoch ist bis heute auf 1326 Hektaren oder 0,94 Prozent der Kantonsfläche ein Auenpark entstanden (siehe Karte). In 165 neuen Stillgewässern und gut 25 Kilometern neu gebauten oder renaturierten Fliessgewässern finden ganze 40 Prozent der einheimischen Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensgrundlage. «Wir sind eigentlich nicht in Verzug, sondern auf der Zielgeraden», sagt Bruno Schelbert, seit 2001 Auenpark-Projektleiter in der Abteilung Landschaft und Wasser. «Die Natur kümmert es nicht, ob ein Zeitplan eingehalten wird.»

Eine der ersten Auen wurde nach dem Volksentscheid im Brugger Geissenschachen renaturiert, die bisher letzte und grösste Renaturierung wurde 2012 in Rupperswil abgeschlossen. Die fehlenden 308 Hektaren sind bereits geplant, mit den Projekten sind es letztlich genau 1,022 Prozent. Aus verfahrenstechnischen Gründen verzögern sich die Auenprojekte in Villnachern, Mellikon und Sins jedoch. «In einer der dichtest besiedelten Regionen der Schweiz ist die Renaturierung von Auen eine hoch komplexe Angelegenheit», sagte Thomas Urfer, Präsident von Pro Natura, am Donnerstag in Rietheim. Hier – an der letzten kraftwerksfreien Fliessstrecke zwischen Bodensee und Basel – fand nach mehrjährigem Bewilligungsverfahren endlich der Spatenstich für das grösste Auengebiet am Hochrhein statt.

«Es ist schwierig zu sagen, wann wir fertig sind», sagt Bruno Schelbert, ein paar Jahre dauere es schon noch, denn es sei auch eine Frage des Geldes. So ist auch der Auenschutzpark von der Leistungsanalyse, mit welcher der Kanton 180 Millionen Franken sparen will, betroffen. «Die restlichen Projekte werden wohl rausgeschoben», erklärt Schelbert, gestrichen werde das Auenschutzprogramm aber sicherlich nicht. In den letzten 20 Jahren habe der Kanton ziemlich genau 50 Millionen Franken brutto für Auenrenaturierungen ausgegeben, sagt Bruno Schelbert. Wobei der Aargau gut die Hälfte letztlich via Bundessubvention zurück bekommt. Mit der Hochrhein-Renaturierung in Rietheim kommen nochmals gut fünf Millionen dazu.

Einen Abschluss des Auenpark-Projekts gibt es für Schelbert trotz des Jubiläumsjahres aber sowieso nicht. So habe Thomas Pfisterer, Aargauer Umweltdirektor in den 90ern, ihm einst gesagt: «Diese zwanzig Jahre sind quasi erst die Geburt. Jetzt muss der Auenschutzpark richtig aufleben.» Und er muss gepflegt, unterhalten und kontrolliert werden. Denn es wurde nicht das ganze Flusssystem renaturiert, sondern nur Flussabschnitte, welche an überbaute Abschnitte grenzen. Anders als natürliche Flüsse bräuchten diese künftig – allein zur Werterhaltung – einen Unterhalt, erklärt Schelbert, denn: «In den umgestalteten Abschnitten gibt es eine kontrollierte Wildheit, aber auch hier darf der Fluss nicht alles tun, was er will.»

Die eingeschränkte, aber zurückgewonnene Wildheit der Aargauer Gewässer feiert das BVU im Jubiläumsjahr mit Führungen und Infoveranstaltungen im Auenschutzpark. Den Auftakt macht ab dem 22. Mai die Sonderausstellung «Auen – Die wilden Seiten des Aargaus» im Naturama Aarau.

Karte des Auenparks Aargau

Karte des Auenparks Aargau

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