Herr Bühlmann, Sie treten ja Ende September als CEO der Neuen Aargauer Bank (NAB) zurück. Tun Sie dies völlig freiwillig?

Peter Bühlmann: Selbstverständlich. Mir war stets wichtig, den Zeitpunkt des Rücktritts selbst zu bestimmen. Er soll überraschend sein und nicht erst dann stattfinden, wenn alle finden, es sei Zeit aufzuhören. Obendrein haben wir nun eine ausgezeichnete NAB-interne Nachfolgeregelung. Für mich war die Förderung von Nachwuchskräften für alle Managementstufen bis hinauf zum CEO immer eine wichtige Führungsaufgabe. Darauf sind wir stolz.

Nach 9 Jahren: NAB-CEO geht

Nach 9 Jahren: NAB-CEO geht

Peter Bühlmann wechselt in den Verwaltungsrat der Neuen Aargauer Bank. Für ihn übernimmt Roland Herrmann und muss gleich Stellen abbauen.

Herr Herrmann, warum sind Sie der richtige neue CEO der NAB?

Roland Herrmann: Ich bin seit über 20 Jahre im Banking tätig – im Investmentbanking, der Vermögensverwaltung und im Privat-und Firmenkundengeschäft. Ich kenne also alle Facetten des Geschäfts. Im Banking stehen wir vor grossen Veränderungen. Mein Ziel ist, die NAB erfolgreich durch diesen Wandel zu führen. Solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und sich darauf vorzubereiten, ist eine meiner Stärken.

So glamourös feiert die NAB in ihrer Award-Nacht:

Die ist gefordert. Ihr Eigentümer, die Credit Suisse (CS), hat für Ihr Schweizer Geschäft extrem ehrgeizige Ziele. Gelten die an dessen Chef, Thomas Gottstein, gestellten Anforderungen auch für Sie?

Herrmann: Thomas Gottstein ist klar, dass unsere Ausgangslage eine andere ist als die der CS. Sie hat ein anderes Geschäftsmodell und eine entsprechend andere Kundschaft. Wir haben in der Vergangenheit stets geliefert, was wir versprochen haben, sowohl was das Kostenmanagement anbelangt wie die Erträge. Das gibt uns den Spielraum, eigenständig zu handeln.

Dennoch müssen Sie Ihre Kosten senken. Dabei haben Sie den Nachteil, dass Ihnen die CS für die Benutzung der IT und der Logistik happige Verrechnungspreise stellt. Gibt es hier Spielraum?

Herrmann: Die Schweizer Einheit hat angekündigt, den Personal- und Sachaufwand jährlich um drei Prozent zu senken. Das ist bei der produzierenden Industrie längst gang und gäbe. Diese drei Prozent schlagen selbstverständlich in Form tieferer Verrechnungspreise für bezogene Dienstleistungen auf unsere Kosten durch. Sie sinken linear zu den Effizienzgewinnen der Muttergesellschaft.

In der Schweiz werden in der CS 1600 oder gegen zehn Prozent aller Stellen abgebaut. Bedeutet das, dass auch bei Ihnen rund 60 Arbeitsplätze wegfallen?

Bühlmann: Wir werden unsere Personal- und Sachkosten bis 2018 um zehn Prozent senken. Daher werden wir 2018 sicher weniger Stellen haben als heute.

Reicht es, nach Abgängen Vakanzen nicht zu ersetzen, oder rechnen Sie auch mit Entlassungen?

Bühlmann: Das funktioniert vor allem über Fluktuation und über vorzeitige Pensionierungen. Vereinzelt wird es auch zu beruflichen Neuorientierungen kommen. Wie viele Stellen betroffen sind, lässt sich noch nicht abschätzen.

Die Erträge zu steigern, wird auch kein Spaziergang. In kaum einem Kanton gibt es so viel Konkurrenz wie im Aargau. Wie schaffen Sie es, den anderen Kunden abzujagen?

Peter Bühlmann, tritt als CEO der NAB ab. Chris Iseli

Peter Bühlmann, tritt als CEO der NAB ab. Chris Iseli

Bühlmann: Der Markt ist so kompetitiv, weil es in keinem anderen Kanton eine Regionalbank gibt, die gleich gross ist wie die Kantonalbank. Von dieser Vielfalt profitieren die Kunden. Uns hält sie fit. 

Damit haben Sie aber noch nicht gesagt, wie Sie höhere Erträge generieren. Gebührenerhöhungen liegen angesichts der Konkurrenzsituation wohl kaum drin?

Bühlmann: Das kann nicht die Lösung sein. Wir wollen die andere Hälfte der Kunden im Kanton ja auch noch gewinnen. Wir konnten mit unseren erfolgreichen MyNAB-Paketen viele Kunden dazu bewegen, mit uns mehr Geschäfte zu machen. Wir wurden so von der Neben- zu seiner Hauptbank.

Sie dürften aber auch Geschäfte verloren haben. Bündelangebote, die von der Kreditkarte bis zum Sparkonto alles beinhalten, machen heute alle Geldhäuser.

Bühlmann: Wir haben die transparenteren und strafferen Pakete. In diesem Bereich sind wir klar Leader.

Sie haben 2015 rund 500 Millionen Franken an neuen Kundengeldern angezogen. Aufgrund Ihrer Vorgaben müssen es in Zukunft wohl wieder mehr sein?

Bühlmann: 500 Millionen Franken von Aargauer Privatkunden sind sehr viel. Wir sind auch in diesem Jahr extrem gut unterwegs. Wenn das so weitergeht, sind wir Ende Jahr sehr zufrieden. Aber wegen der Negativzinsen haben wir Ertragsausfälle. Dennoch bleiben wir dabei, unseren Kunden keine Negativzinsen zu verrechnen.

Wie kommen Sie denn zu höheren Erträgen? Mit der Ausweitung des Hypothekargeschäfts?

Bühlmann: Nein, hier wachsen wir seit 2012 ganz gezielt. Wir befürchten zwar nicht, dass im Immobilienmarkt eine Blase platzen wird. Aber unser Risikoappetit ist beschränkt. Daher bieten wir keine Kampfzinsen an. Wir forcieren das Anlagegeschäft für vermögende Privatkunden, das Private Banking.

Inwieweit richten Sie Ihr Vermögensverwaltungsgeschäft als Bank für Unternehmer insbesondere auch auf Firmenkunden aus, die mindestens 500 000 Franken bis mehrere Millionen Franken bei Ihnen parkieren?

Bühlmann: Wir sind und bleiben eine Bank für alle KMUs. Bei uns ist das Firmenkundengeschäft traditionell der Wachstumsmotor unseres Private Bankings. Das ist unser Kerngeschäft. Hier sind wir signifikant weiter als die vielen Banken, die sich auch in diese Richtung bewegen wollen.

Roland Herrmann: «Unsere Saläre liegen im Durchschnitt oder eher tiefer als bei vergleichbaren anderen Finanzinstituten.»

Roland Herrmann: «Unsere Saläre liegen im Durchschnitt oder eher tiefer als bei vergleichbaren anderen Finanzinstituten.»

Im Private Banking sind aber auch die Löhne hoch, höher als im Privat- und Firmenkundengeschäft. Drücken Sie auch die Saläre?

Herrmann: Das Lohngefüge in unserem Private Banking ist klar nicht vergleichbar mit denjenigen von Privatbanken in Zürich oder Genf. Unsere Saläre liegen im Durchschnitt oder eher tiefer als bei vergleichbaren anderen Finanzinstituten.

Die Geschäftsleitung (GL) verdiente im vergangenen Jahr vier Millionen Franken. Diese Entschädigung wird wegen der Verkleinerung des obersten Führungsgremiums um drei Personen wohl kaum spürbar sinken?

Herrmann: Selbstverständlich kommt die Gesamtvergütung herunter. Die Saläre der GL-Mitglieder steigen nicht, weil es weniger sind. So funktioniert das nicht.

Wenn Sie nun CEO werden, Herr Herrmann: Auf was werden Sie nach Ihrer Beförderung verzichten müssen?

Herrmann: Auf Freizeit. Ich bin gerne mit dem Töff unterwegs, beispielsweise auf meiner Harley Davidson. Zudem komme ich wohl weniger zum Segeln auf dem Meer. Aber das kann ich auch noch, wenn ich 60 oder älter bin.

Und Sie Herr Bühlmann verreisen am 1. Oktober in die Berge, wenn Sie Ihr Amt abgegeben haben?

Bühlmann: Ich werde erst im Januar 2017 Vizepräsident des Verwaltungsrats. In Zukunft werde ich mehr auf Reisen sein. Ziele sind sicher Asien und Australien. Zudem will ich noch ein Mal nach Botswana im südlichen Afrika. Und ich werde mehr zum Joggen kommen als heute.