Kommentar

Der Ärztemangel ist keine Mär

Eine Praxisassistentin fotografiert in einer Mini Clinic das Muttermal einer Patientin. (Symbolbild

Eine Praxisassistentin fotografiert in einer Mini Clinic das Muttermal einer Patientin. (Symbolbild

Leidet der Aargau an einem Ärztemangel oder nicht? Vordergründig ist die Antwort klar: Laut Statistik gibt es klar mehr Ärztinnen und Ärzte als vor zehn Jahren.

Ist der Ärztemangel also eine Mär, zumal es laut einer Versorgungsumfrage regionale Überversorgungen mit Spezialärzten gibt, etwa mit Radiologen in Baden?

Nein, er ist keine Mär. Denn die Statistik zeigt nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich herrscht in allen Aargauer Bezirken bereits eine spürbare bis schon schmerzhafte Unterversorgung mit Haus- und Kinderärzten. Da bis 2020 jeder zweite Arzt aufhören will und viele keine Nachfolge finden, wird es in Bälde sogar noch schwieriger.

Die Gründe sind vielfältig. Dazu zählen etwa starke zeitliche Belastung, zunehmende Administration, immer mehr komplexe Fälle, immer mehr Patienten mit Mehrfacherkrankungen. Immer mehr Patienten, die keinen Hausarzt mehr finden, bleibt dann halt oft nur noch der Spitalnotfall. Dabei erbringen Hausärzte ihre qualitativ hochstehenden Leistungen viel günstiger!

Was tun? Lösungsansätze gibt es. Das Lohnniveau der Hausärzte muss angehoben werden. Auf den ersten Blick wird das System dadurch teurer. Wenn man aber weiss, dass ein Patient im Spitalambulatorium viel teurer ist als in der privatärztlichen Praxis, bleibt der Hausarzt die günstigste und effizienteste Lösung. Das Wichtigste aber, damit das System nicht kollabiert: Gesundheitsreformen aus Bern dürfen nicht mehr auf Kosten der Hausärzte gehen, sondern müssen sie zwingend stärken.

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