Aarburg

Der ältesten Badi im Kanton droht das endgültige Aus

Die Badi in Aarburg

Die Badi in Aarburg

Das älteste Freibad im Kanton ist ein teurer Sanierungsfall – die Frage: zumachen oder retten?

1931 eröffnete mit der «Badeanstalt des Fluss- und Sonnen-Bades Aarburg» das allererste Freibad im Kanton Aargau. Nostalgisch, schön, heimelig, gemütlich – viele positive Attribute verbinden die Einheimischen mit ihrer einzigartigen Badi. Der Schweizer Heimatschutz zählt die Anlage im Stil des «Neuen Bauens» zu den offiziell «51 schönsten Bädern der Schweiz». Doch die Fassade dieser Preziose bröckelt im wortwörtlichen Sinn: Die Anlage ist veraltet, fällt allmählich auseinander und schluckt Jahr für Jahr Zehntausende Franken für den Unterhalt. Eine umfassende Sanierung ist überfällig, wurde aber immer wieder hinausgeschoben. Weil Aarburg verstärkt sparen muss, ist die Zukunft der Badi nun jedoch infrage gestellt. Die Aarburgerinnen und Aarburger stehen vor der grossen Frage: Soll die Badi saniert und weiterbetrieben werden, oder soll sie aufgegeben und geschlossen werden?

Grundsatzentscheid im November

Regelmässige Badibesucher wissen es: Das Becken verliert in der Saison täglich mehrere Zentimeter Wasser. Die Bauten haben Risse, die sanitären und elektrischen Einrichtungen sind nicht mehr zeitgemäss, manchmal bilden sich durch die ungenügende Umwälzung im Becken Algen, obwohl die Wasserqualität an sich unbedenklich ist. Lars Bolliger, Leiter Bau Planung Umwelt bei der Gemeinde, bestätigt, es sei zuletzt nur noch der notwendige Unterhalt gemacht worden, ab und zu blieb noch Platz für kleinere Investitionen in Annehmlichkeiten für die Besucher. Jährlich 160 000 Franken Verlust resultieren aus dem Betrieb – ebenso viel könnte das 8000-Seelen-Städtchen ohne sie sparen. Der zuständige Gemeinderat Rolf Walser erklärt dazu: «Im Zuge der selbst verordneten Sparbemühungen hat der Gemeinderat verschiedene fakultative Angebote hinterfragt. Mit dem Ziel, substanzielle Entlastungen und Einsparungen zu prüfen. So auch das Schwimmbad.»

Es geht um Geld. Um viel Geld. Wurde das Nostalgie-Bad einst für rund 195 000 Franken gebaut, würde eine Sanierung heute nach ersten Schätzungen um die 3,5 Millionen Franken kosten. «Damit würden wir das Schwimmbad den heutigen Bedürfnissen und dem Stand der Technik anpassen», sagt Lars Bolliger, «Luxusvarianten und Erweiterungen wären aber kaum berücksichtigt.» Für die nächste Gemeindeversammlung von Ende November ist aber zuerst ein Planungs- und Projektierungskredit von 150 000 Franken traktandiert. Stimmt die Gmeind dem Kredit zu, würde ein konkretes Projekt ausgearbeitet. Sagt die Gmeind hingegen nein, dann ist die Zukunft der Badi besiegelt. Sie würde entweder sofort geschlossen oder bliebe einfach noch so lange geöffnet, bis ein Weiterbetrieb aufgrund des Sanierungsbedarfs unmöglich ist. Dem Entscheid der Gmeind vorbehalten bliebe wohl das fakultative Referendum.

Mitten im Spannungsfeld

Bauvorsteher Rolf Walser erklärt, der Gemeinderat befinde sich «in einem Spannungsfeld zwischen notwendigen Sparbemühungen und dem berechtigten Anspruch auf Lebensqualität in einer attraktiven Kleinstadt». Ein Wunschszenario ist das Badi-Aus keineswegs. Walser sagt mit Blick auf die Gemeindeversammlung: «Ich erwarte den Entscheid mit Spannung. Eine Schliessung der Badi würde ich persönlich sehr bedauern.» Dennoch: Eine umfassende Sanierung sei unumgänglich geworden.

Ohne Frage: Die «Aarbiger» würden ihre Badi vermissen. Geist und Sinn des Schwimmbads sind seit der Eröffnung vor 86 Jahren dieselben geblieben, als das Zofinger Tagblatt voller Vorfreude schrieb: «Mögen Tausende kommen und Erquickung finden von der Hast des Lebens, vom Staub der Städte. Sonne und Licht warten dort allen, sie verscheuchen alle Dunkelheit und Krankheitskeime. Gesundheit und Kraft sollen gedeihen, denn sie schenken uns das, was die heutigen Zeiten fordern: ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.»

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