An der Axpo-Generalversammlung wurde mit dem neuen Präsidenten des Verwaltungsrates, dem 53-jährigen Glarner Thomas Sieber, auch ein neuer Vizepräsident gewählt. Und zwar der Aargauer Unternehmer Rudolf Hug. Er ist seit 13 Jahren im Verwaltungsrat und seit sechs Jahren Präsident des gewichtigen Prüfungs- und Finanzausschusses.

Da mit Präsident Robert Lombardini und Vizepräsident Jakob Brunnschweiler gleich zwei Leute mit viel Erfahrung nicht mehr zur Wahl antreten, übernimmt der 65-jährige Hug zusätzlich noch das Amt des Vizepräsidenten. In dieser Funktion wird er den aus der Telekombranche kommenden neuen VR-Präsidenten in der Anfangszeit begleiten.

Um in dieser für Energieriesen wie die Axpo generell äusserst schwierigen Phase genug Zeit für das Mandat zu haben, gab Hug das Vizepräsidium bei der AEW Energie AG auf und trat auch als Verwaltungsrat zurück.

«Katastrophale Marktverzerrung»

Hug steht kritisch zur nach Fukushima ausgelösten «Hektik», wie er sagt. Die Welt wolle zu Recht weg von fossilen Energien und weniger CO2, um das Klima zu schonen. Anstelle von Anschubfinanzierungen für erneuerbare Energien werden aber, insbesondere in Deutschland, gigantische Subventionen gezahlt. Hug: «Das bewirkt eine katastrophale Marktverzerrung. Die mit 23 Milliarden Euro pro Jahr geförderte Energie hat am Markt nur einen Wert von 2 Milliarden!»

Der Grosshandelspreis ist in wenigen Jahren von 60 auf rund 20 Euro pro Megawattstunde gesunken. Hug führt dies auf eine Mischung aus den erwähnten Subventionen, einer schwächelnden Wirtschaft in Europa und auf zu billige CO2-Zertifikate zurück. Um genügend Strom zu haben, wenn die Sonne nicht scheine und der Wind nicht blase, habe Deutschland alte Kohlekraftwerke wieder entmottet und neue gebaut, weil Kohle so billig ist.

Riesige Abschreibungen

Als Folge des massiven Preiszerfalls mussten Stromkonzerne in der Schweiz und auch in Deutschland auf ihren Produktionsanlagen riesige Abschreibungen tätigen und die Stromproduktion ist nicht mehr rentabel.

Hug: «Aus dem Klimaschutzziel ist ein Atomausstiegsprogramm geworden, obwohl gerade die Kernenergie CO2-frei ist. Die Stromversorgung ist dadurch unsicherer geworden, der CO2-Ausstoss ist gestiegen und wird weiter steigen.» Aufgrund der desolaten Marktsituation könnten die Stromkonzerne nur noch notwendigste Investitionen tätigen. Hug bitter: «Der Nationalrat unterstützt zwar die Nahrungsmittelsicherheitsinitiative, die Stromversorgungssicherheit war leider bis jetzt kein Thema. Sein Credo lautet: «Strom ist zwar nicht alles, aber ohne Strom ist alles fast nichts.»

Wasserkraft: Für fundierte Debatte

Gestern waren die Zeitungen voll von Vorschlägen für das weitere Vorgehen bei der Wasserkraft. Bürgerliche fordern laut «SonntagsZeitung» einen schweizerischen Fonds für Wasserkraft, Christoph Blocher forderte gar Subventionen auch für AKW. Blocher laut «SonntagsZeitung»: «Es kann doch nicht sein, dass wir aufgrund der Marktverzerrungen die günstigsten Energiequellen aufgeben.»

Laut der «Schweiz am Sonntag» gibt es eine breite Allianz, die einen Verkauf von Alpiq-Wasserkraftwerken ins Ausland verhindern will. Dabei sollen sich auch die Grossbanken UBS und CS engagieren, wird etwa gefordert. Im Fokus steht Alpiq, doch auch die Axpo hat grosse Wasserkraft-Produktionsanlagen und AKW. Was sagt Rudolf Hug von der Axpo dazu? Er sei froh, sagt Hug, dass diese Diskussion über ein sehr ernsthaftes Problem jetzt aufgenommen wird.

Er hofft, «dass sie fundiert und wohlüberlegt stattfindet, dass die Politik auch mit den betroffenen Firmen redet, und dass nicht wieder eine unkoordinierte Hektik wie nach Fukushima ausbricht». Hug: «Es braucht jetzt wieder Rahmenbedingungen, die der Axpo die Fortsetzung ihrer hervorragenden Arbeit der letzten 100 Jahre ermöglichen.»