Wochenkommentar

Der Aargauer ist des Aargauers Wolf

In Aarau (Luftaufnahme) dürfte an sich über das neeu Steuerranking gar nicht freuen. Chur und Basel-Stadt dagegen haben kräftig zugelegt.

Aarau aus der Vogelperspektive

In Aarau (Luftaufnahme) dürfte an sich über das neeu Steuerranking gar nicht freuen. Chur und Basel-Stadt dagegen haben kräftig zugelegt.

Der Aargau ist ein Kanton der Regionen. Die Badener interessieren sich nicht für Aarau und umgekehrt. Das az-Leserwandern indes hat den Aargauerinnen und Aargauern gezeigt, wie schön ihr Kanton ist. Wochenkommentar zum Image des Aargaus.

Lassen Sie mich zwei Episoden aus den letzten Tagen erzählen. Erste Episode: Eine Umfrage des «Sonntagsblicks» ergibt, dass Aarau bei den Schweizern die unbeliebteste von zwanzig Städten ist. Und wie reagiert die az-Marketingchefin aus Baden? Sie ist voller Schadenfreude über das schlechte Abschneiden der Hauptstadt.

Zweite Episode: Nächste Woche gehe ich mit der Familie für ein paar Tage an den Hallwilersee. Und wie reagieren die Aargauer Redaktionskollegen, denen ich diese Woche davon erzählte? «Schliefts?», fragt die Aarau-Redaktorin. Was etwa so viel bedeutet wie: «Spinnst Du?» Der Polizeireporter lacht nur fassungslos über unsere Ferienpläne.

Natürlich: Aarau hat im Gegensatz zum allseits beliebten Bern keine offizielle Aarebadi. Und der Hallwilersee ist als Feriendestination weniger mondän als die Côte d’Azur. Dennoch fällt auf: Wenn es um den Aargau geht, sind die Aargauer am allerkritischsten. Und sie wachen eifersüchtig darüber, dass ja kein Teil des Kantons bevorzugt wird.

Das Beginnt bei den Jugendfesten. Und geht bis zur Aufteilung der Spitzenmedizin zwischen den Kantonsspitälern Aarau und Baden. Diese bekämpfen sich lieber gegenseitig, als gemeinsam zu schauen, dass sie gegen die Konkurrenz in Zürich, Bern und Basel bestehen können. In Abwandlung von Hobbes’ berühmtem Satz «Homo homini lupus» ist man versucht zu sagen: Der Aargauer ist des Aargauers Wolf.

Aber es gibt Hoffnung. Die letzten fünf Wochen wanderten über 3000 az-Leserinnen und Leser durch den Aargau. Der Satz, der dabei am häufigsten zu hören war: «Hier war ich noch nie – ich wusste gar nicht, dass der Aargau so schön ist.» Das az-Leserwandern wird so zum konstituierenden Element des Aargaus. Nur wer die eigenen Stärken kennt, kann den anderen davon erzählen. Und wie sollen die übrigen Schweizerinnen und Schweizer merken, wie schön der Aargau ist, wenn es nicht einmal die Aargauer wissen?

Diese Woche habe ich eine Freundin in Zürich besucht. Sie erzählte mir, dass sie mit ihren Kindern unbedingt den Legionärspfad Windisch besuchen will. Herzlich willkommen im Aargau!

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