Thomas Graber, seine Mutter Marianne und Grabers Freundin Annelis von Bergen produzieren Glaces. Und die sind beliebt. So beliebt, dass sie nicht nur direkt ab Hof verkauft werden, sondern noch an 17 weiteren Verkaufsstellen wie Bäckereien oder Cafés in der Region.

Das ist dem Aargauer Gewerbeverband ein Dorn im Auge. In einer Medienmitteilung kritisiert er den Glaceprouzenten aus Schlossrued. Hofläden wie seiner würden Produkte aus einem rechtlich geschützten Bereich anbieten, sagte Gewerbeverbands-Geschäftsführer Herbert Scholl.

«Dadurch entsteht gegenüber anderen Gewerbetreibenden ein erheblicher Preis- und Kostenvorteil.» Die Glaces aus Schlossrued seien im Verkauf günstiger als die Gestehungskosten von Glaces, die beispielsweise ein Bäcker produziere.

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich Thomas Graber. Er selbst sei gar kein Bauer, profitiere also von keinen Direktzahlungen. Er produziere die Glaces auf dem Hof seines Bruders, kaufe ihm die Milch zu einem regulären Preis ab und bezahle Miete.

Keine marktübliche Miete?

Damit wiederum gibt sich Herbert Scholl nicht zufrieden. Er behauptet, dass Graber trotzdem indirekt profitiere von Direktzahlungen, beispielsweise indem er keine marktübliche Miete bezahle.

Der FDP-Grossrat Scholl sagt von sich, dass ihm Hofläden sympathisch seien. «Es stört mich aber, wenn Bauern über den Zaun fressen.» Die kleinen Gewerbebetriebe seien schon genug unter Druck vonseiten der Grossanbieter, da brauche es nicht noch Konkurrenz von Bauern, die Wettbewerbsvorteile hätten.

Mit Blick auf die Erarbeitung der Richtlinien für die Agrarpolitik 2014 bis 2017 des Bundes fordert Scholl, dass solche Ungerechtigkeiten beseitigt werden. Besenbeizen und touristische Angebote wie Schlafen im Stroh solle man sogar ganz verbieten, sagt er.

Der Bauernverband hat sich zur Kritik des Gewerbeverbands bereits geäussert. Lächerlich seien die Vorwürfe, schreibt er in einer Medienmitteilung.

Der Gewerbeverband schiesse übers Ziel hinaus und verhalte sich unprofessionell. Der Bauernverband schreibt, dass die Spiesse sehr wohl gleich lang seien und dass es wenig Sinn mache, wenn sich heimisches Gewerbe und Bauernverband bekämpfen würden.

Kaum Besenbeizen im Aargau

Wie es rechtlich um die Hofläden steht, weiss Matthias Müller, Abteilungsleiter von Landwirtschaft Aargau: Ein Hofladen ist grundsätzlich zonenkonform. Mindestens 50 Prozent der verkauften Produkte müssen allerdings vom Landwirtschaftsbetrieb selber stammen.

«Es ist darum zonenkonform, aus Rahm Glaces zu machen, wenn die Milch vom Hof stammt, wo der Hofladen steht.»

Dass diese Glaces nicht nur direkt ab Hof verkauft würden, sei unproblematisch, schliesslich könne jeder Bürger im öffentlichen Raum Produkte verkaufen, wenn er eine Bewilligung habe oder einen Abnehmer finde. Besenbeizen und Agrotourismus gebe es ganz wenig im Aargau. Ausserdem brauchen die Landwirte dafür eine Ausnahmebewilligung.

Matthias Müller hat dem Gewerbeverband und dem Bauernverband angeboten, an einen Tisch zu sitzen, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. «Ich bin überzeugt wir finden eine Lösung», sagt er.

Und was sagt Thomas Graber, auf dessen Rücken der ganze Disput ausgetragen wird? «Es gibt immer Neider, wenn jemand Erfolg hat.»