Entwarnung

Der Aargau wird nicht fortgeschwemmt – auf den Regen folgt die Sonne

Die Wasserpegel in den Flüssen haben sich nach den starken Regenfällen stabilisiert. (Archivbild von 2013)

Die Wasserpegel in den Flüssen haben sich nach den starken Regenfällen stabilisiert. (Archivbild von 2013)

Eine Woche mit Sturm und viel Niederschlag geht zu Ende. Den meisten machte der Regen zu schaffen, die Bauern jedoch waren dankbar. Für die Aargauer Flüsse gibts nun Entwarnung.

Die Wasserpegel in den Flüssen haben sich nach den starken Regenfällen stabilisiert, sagt Christophe Lienert von der Abteilung Landschaft und Gewässer. In den nächsten Tagen senken sich die Wasserstände weiter. «Wir liegen an der Aare um eine erste Warnschwelle, das heisst knapp darunter.»

Am Freitagnachmittag wurden an der Aare in Brugg noch knapp 700 Kubikmeter pro Sekunde, bei der Limmat gut 200 Kubikmeter gemessen. Die Reuss in Mellingen wies einen Abfluss von rund 300 Kubikmetern auf, und der Rhein in Rheinfelden zeigte 1750 Kubikmeter an.

Eine erste Warnschwelle ist an der Aare in Murgenthal bei einem Abfluss von 715 Kubikmetern pro Sekunde erreicht – ein Wert, der statistisch alle zwei Jahre einmal vorkommt.

«Am Dienstag haben wir die Warnschwelle in der Aare kurz erreicht», so Christophe Lienert. Weil der Kanton Bern den Bielersee absenkt um Volumen für die in den letzten Tagen gefallenen Niederschläge zu schaffen, weist die Aare derzeit mehr Wasser auf.

Ein kleines Hochwasser

Durch die starken Regenfälle in dieser Woche spricht Lienert von einem kleinen Hochwasser. «Es mag nach mehr ausgesehen haben, als es tatsächlich war. Auch weil sich die Flüsse durch viel Geschiebe verfärbten.» Die Führungsorgane im Kanton beobachten die Situation an den Flüssen noch bis mindestens Sonntag genau.

Der hohe Wasserstand hat den Bootsbetrieb auf den Flüssen beinträchtig: Der Fährbetrieb auf der Aare bei Murgenthal ist bis auf Weiteres eingestellt. «Die Aare zieht zu fest und trägt viel Schwemmholz», sagt Betreiberin Nicole Ackermann. Sie entscheidet nicht nach Wasserstand, sondern nach ihrem Bauchgefühl, wann sie Passagiere in der Fähre übersetzen kann.

Paul Brünisholz von den Flussfahrten Aargau hat den Betrieb zwischenzeitlich wieder aufgenommen. Am Freitagnachmittag fuhr er mit seinen Gästen im Gummiboot gemütlich auf der Reuss. Gefahr bestehe keine mehr», sagt er.

Auf der Reuss musste er diese Woche jedoch zwei Fahrten absagen, nicht wegen des hohen Wasserstandes, sondern wegen des starken Regens. Auf die Aare hätte er sich aber nicht gewagt, «das wäre zu gefährlich gewesen». Das sagte auch Ruedi Sommerhalder von der Bootsunternehmung Aargauerwasser.

«Wir gehen kein Risiko ein. Bei Hochwasser ist die Aare gefährlich. Es gibt Wellen- und Wirbelbildungen. Zudem kann das Boot mit angeschwemmten Bäumen und anderem Unrat kollidieren.»

Extrafahrt während Sturm

Ohne Unterbruch fuhr die Rheinschifffahrt Kaiserstuhl. Sie stellt den Betrieb erst bei einem Wasserstand von 1000 Kubikmetern pro Sekunde ein. Auch auf dem Hallwilersee sind Schiffe gefahren. Am Montag, als es im Seetal derart wütete, hatte die Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee per Zufall eine Extrafahrt. Während des Sturms wartete das Schiff am Steg in Meisterschwanden, sagt Geschäftsführer Ueli Haller. In dieser Woche sei der Hallwilersee um acht Zentimer auf 446,6 Meter angestiegen. Der letzte Hochstand, 449 Meter über Meer, war beim Hochwasser 2006.

Die starken Regenfälle von vergangener Woche haben Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Seit Montag konnte in den meisten Regionen kein Getreide geerntet werden. Stark zu spüren bekommt dies die Mühle Leibstadt AG von SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht, die von rund 400 Bauern beliefert wird. «Wir haben momentan sehr wenig Arbeit in der Getreideannahme», sagt Knecht. «Sobald das Wetter besser wird, rechnen wir jedoch mit einem Ansturm.» Sein Team werde wohl Überstunden leisten müssen.

Die Bauern selbst leiden noch nicht allzu stark unter den Regenfällen. «Mehrere Tage Regen am Stück sind im Sommer nicht ungewöhnlich», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer vom Bauernverband Aargau. «Wir hatten schon Sommer, als wir an nur wenigen Tagen die ganze Weizenernte einfahren mussten.» Die Bauern seien zudem dankbar, dass es nach mehreren trockenen Wochen nun endlich geregnet habe. «Jetzt wären wir aber froh, wenn es bald wieder aufhören würde. Die Böden sind gesättigt.»

Auf die Ernte von Weizen, der mit Abstand wichtigsten Kultur, hat die verregnete Woche zudem wenig Einfluss. Denn der Weizen wird erst ab der zweiten Juli-Hälfte geerntet. «Wenn der Sommer jetzt wie angekündigt zurückkehrt, kann das noch eine schöne Ernte geben», hofft Ralf Bucher

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