Hotellerie
Der Aargau profitiert, wenn sich Touristen kurzfristig entscheiden

Im Aargau blieben die Übernachtungszahlen im Juli fast stabil, während traditionelle Tourismuskantone grosse Einbussen erlitten.

Matthias Küng
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Das Hotel «Aarauerhof» in Aarau. (Symbolbild)

Das Hotel «Aarauerhof» in Aarau. (Symbolbild)

Toni Widmer

Das erste Halbjahr war für die Aargauer Hotellerie schlecht. Die Übernachtungszahlen gingen um über 4 Prozent zurück, gesamtschweizerisch blieben sie fast stabil. Jetzt liegen die Juli-Zahlen vor. Da ist das Bild genau umgekehrt. Gesamtschweizerisch klafft ein Minus von 2,7 Prozent, der Aargau ist mit –0,4 Prozent nahezu stabil. Wieso?

In den Aargauer Hotels spielen übernachtende Geschäftsleute eine bedeutende Rolle. Für sie ist das Wetter kein Faktor. Laut Dominik Wyss, Präsident des Aargauer Hoteliervereins, profitiert der Aargau aber in wettermässig unsicheren Zeiten auch von seiner Lage: «Wir profitieren, wenn sich die Leute eher kurzfristig entscheiden.» Dazu kommen Sonderfaktoren wie im Juli die Junior-Trophy in Oberentfelden, das grösste internationale Tennis-Juniorenturnier der Schweiz.

Hotellerie spürt Coop-Baustelle

Positiv spürt man auch die riesige Coop-Baustelle in Schafisheim. In der jetzigen Ausbauphase arbeiten dort viele Spezialisten, die man nicht alle in der Region findet. Wyss freut sich auf kommende grosse Events 2015 im Aargau wie den Gigathlon oder das Eidgenössische Volksmusikfest. Und es würde ihn enorm freuen, wenn es gelänge, die nächste Landesausstellung in den Aargau zu holen. Klar würde die Übernachtungsbranche profitieren. Wyss glaubt aber auch, dass so ein Anlass langfristig positiv wirken würde, weil die Besucherinnen und Besucher «die Schönheit und Vielseitigkeit des Aargaus sehen und schätzen lernen könnten». Wyss ist sicher: Sie kämen wieder.

«Es kann nur besser werden»

Sehr schlecht in Erinnerung hat den Juli Andrea Lehner, Geschäftsführerin von Aargau Tourismus. Die Veloangebote mit Übernachtung, die letztes Jahr sehr gut angelaufen waren, sind im Juli eingebrochen. Lehner: «Im Juni haben die Leute naheliegenderweise Fussball geschaut, im Juli stand ihnen das Wetter im Weg. Es kann nur noch besser werden.» Dass die Angebote gern angenommen werden, wenn das Wetter mitspielt, zeigt ihr der jüngste Slow-up in Brugg. Da schnellte die Teilnehmerzahl von 15 000 auf 25 000 hoch.

Daran, dass sich die Leute für den Aargau nicht interessieren würden, kann es nicht liegen. «Im Gegenteil», so Lehner, «das grundsätzliche Interesse am Aargau ist nochmals markant gestiegen.» Ablesen kann sie dies an den Klickzahlen der Website von Aargau Tourismus. Im Dezember 2013 erreichte man erstmals die Millionengrenze. Per Ende August 2014 waren es sogar bereits 1,22 Millionen. Die Interessenten stammen je zur Hälfte aus dem Aargau und der Restschweiz. Die grösste Gruppe an ausserkantonalen Interessenten stellt Zürich.

Die Hoffnung ist natürlich gross, dass aus diesen virtuellen physische Nutzer der touristischen Infrastruktur im Aargau werden. Lehner ist sicher, dass sich die meisten Website-Besucher wirklich für die touristische, die Freizeitseite des Aargaus, interessieren, denn «die Klickzahlen schnellen jeweils an Freitagen, Samstagen und Sonntagen hoch».