Übernachtungen
Der Aargau ist unter Touristen zwar beliebt, aber nicht für alle bezahlbar

Die Zahl der Logiernächte wächst konstant. Tourismus-Aargau-Chefin Andrea Portmann erklärt, warum

Mario Fuchs
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Schlösser Aargau
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Schloss Böttstein mit Kapelle
Schloss Wildegg

Schlösser Aargau

Zur Verfügung gestellt

Am Dienstag präsentierte der Bund die jüngsten Übernachtungszahlen. Landesweit gingen die Logiernächte 2016 um 0,3 Prozent zurück. Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus, sprach nach Jahren des Einbruchs von einer «sanften Erholung» (az von gestern). Der Blick in die Statistik zeigt, dass es dem Aargau besser als dem nationalen Durchschnitt erging: Die Logiernächte nehmen konstant zu, von 686 425 im Jahr 2014 über 701 991 im Jahr 2015 auf 702 784 im vergangenen Jahr. Die az fragte bei Andrea Portmann, Direktorin Aargau Tourismus, nach, wie das einzuordnen ist.

Frau Portmann, ist der leichte, aber konstante Anstieg ein Grund zur Freude?

Andrea Portmann: Darüber können wir uns durchaus freuen. Es zeigt, dass etwa neue Betriebe in der Region Baden gut gestartet sind und sich auch andernorts neue Angebote gut behaupten.

Andrea Portmann, Direktorin Aargau Tourismus

Andrea Portmann, Direktorin Aargau Tourismus

Chris Iseli

Gleichzeitig ging die Auslastung der 165 Betriebe von 47,3 Prozent im Jahr 2015 auf 44,8 Prozent im 2016 zurück. Können Sie das erklären?

Diese Zahl diskutieren wir regelmässig mit den Hoteliers. Meistens kann man diese Effekte tatsächlich nicht erklären, weil sie so minim sind. Das kann ein wegfallender Grossanlass oder ein Betrieb sein, der schliesst und dessen Gäste sich auf diverse Betriebe verteilen.

Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid zeigt sich verhalten optimistisch. Gilt das auch für den Aargau?

Durchaus. Zwar spüren wir den Franken, vor allem an der Grenze. Aber der Aargau hat sich über längere Zeit relativ stabil gezeigt bei den Logiernächten. Entwicklungen wie Airbnb beobachten wir genau, weil die ganze Branche betroffen ist und nicht eine einzelne Region.

Der Aargau ist kein klassisches Touristenziel, er lebt vor allem von Geschäftsreisenden. Hat das geholfen?

Das stimmt. Wir haben nicht die grossen Schwankungen wie in Regionen, wo die ausländischen Gäste wegblieben. Ein grosser Vorteil ist das aber nicht, langfristig gleicht sich das aus.

Anders gefragt: Merken es unsere Hotels, wenn beispielsweise ein Atomkraftwerk in Revision geht?

Absolut. Im Zurzibiet sind etwa Spezialisten untergebracht, die vorübergehend in den Kraftwerken Beznau oder Leibstadt arbeiten. Das verbessert die Auslastung in den dortigen Hotels deutlich. Die Effekte sind aber nur regional und zeitlich begrenzt.

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Einer der 111 Orte, die man im Aargau gesehen haben muss: In dieser Säulengrotte in Stafflelbach können Sie wunderbar Cervelat braten.

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Die Schweiz buhlt verstärkt um Individualtouristen aus China. Für den Aargau auch ein Thema?

Nein. Einerseits sind wir eine junge Tourismusregion, die 2015 gegründet wurde. Wir arbeiten noch an unserer Positionierung. Anderseits muss, wer in solche Märkte geht, über grosse finanzielle Mittel verfügen. Die haben wir nicht. Wir werden von Schweiz Tourismus gut vertreten. Vor allem sehen wir aber viel Potenzial in nahen Märkten.

Was heisst das konkret?

Wir müssen den Zürcher, Bündner oder Deutschen in den Aargau locken.

Gerade bei Gästen aus Deutschland gibt es landesweit einen Rückgang.

Das ist dem starken Franken geschuldet. Wir sehen, wie Deutsche zu uns ins Thermalbad kommen und zum Übernachten zurück über die Grenze fahren. Das tut weh. Es gibt aber auch Liebhaber, wie bei Bädern oder Schlössern, die den Aargau schätzen, weil sie auf engstem Raum sehr viel erleben. Beliebt sind wir schon, aber nicht mehr für alle bezahlbar.

Wo setzt Aargau Tourismus im Jahr 2017 seine Schwerpunkte?

Wir richten den Fokus, wie auch in der nationalen Kampagne, 2017 auf den Naturliebhaber. Gleichzeitig erhalten wir immer mehr Anfragen von Gruppen und Unternehmen, die Seminare und ein passendes Freizeitprogramm wollen. Dafür haben wir eine spezifische Online-Plattform eingerichtet, die wir weiter verfeinern werden.