Gastkanton

Der Aargau an der Olma: «Du, die haben nicht nur Autobahnen!»

Den Aargau in einen Raum packen: Das ist keine leichte Aufgabe. Ist es den Gestaltern, welche auch den Expo-Auftritt der Schweiz konzipierten, gelungen? So kommt die Aargauer Sonderschau bei den Olma-Besuchern an – und warum viele überrascht sind.

Den Aargau in einen Raum packen: Das ist keine leichte Aufgabe. Zugegeben: Der Raum, also die Halle 9.1.2, ist nicht gerade klein.

Und doch: Was will man präsentieren? Wo will man einen Schwerpunkt setzen? Wie zeigt man alles Schöne und Gute, ohne langweilig zu wirken? Dass hier Profis am Werk waren – von der gleichen Agentur, die auch den Auftritt der Schweiz an der Expo Milano konzipiert hatte – sieht man: Das Konzept kommt aus einem Guss, die Besucher werden mit Pfeilen geführt.

Sie sehen riesige Bilderbücher mit Luftaufnahmen. Viel Grün, viel Wasser, viel Altstadt. Dann führt ein Tunnel aus Holz ins Dunkle, bald wird man aber erhellt: Von Lichtbildern bekannter Aargauerinnen und Aargauer, die zu sprechen beginnen, wenn man vor sie tritt.

Sängerin Sina erzählt, wie sie immer, wenn sie von irgendwo nach Hause kommt, zuerst in einen Aargauer See steigen muss, um anzukommen. Schriftsteller Merz erklärt, wie er schon in Paris und London gewohnt hat, aber immer wieder zurückkam, weil es nirgends besser als im Aargau sei.

«Ihr kommt so freundlich rüber»

Ja, es sind die Menschen, die einen Kanton ausmachen: Und die Menschen auf den Lichtbildern sind sympathisch. «Sensationell!», zeigt sich Pius Federer, Grossratspräsident Appenzell Innerrhoden, überrascht. «Ihr kommt so freundlich rüber!» Kurt Schmid, der Aargauer Gewerbepräsident, ist auch überrascht. Weil er eine Agrarmesse erwartet hatte – und lauter Beispiele aus Gewerbe und Hightech findet.

Auch das fällt auf: Die meisten Aargauer, die an die Olma kommen, waren noch nie oder schon lange nicht mehr hier. Anders die Ostschweizer, für sie ist die zehntätige Herbstmesse Pflichttermin. So etwa für den Stadt-Sankt Galler Roland Heiniger. Er kann deshalb einen Vergleich ziehen zwischen dem Aargau und den Gastkantonen der letzten Jahre: «Ihr könnt euch also sehen lassen.»

Mit vielen Bildern habe sich der Aargau «plakativ aufgemacht», dies aber so, dass man stehen bleiben wolle und sich Zeit nehme. Er vermisst einzig «etwas Bewegung» – gibt aber zu, dass man davon beim weitläufigen Messerundgang eigentlich genug erhält. Auch Josef Hess aus Küssnacht an der Rigi kommt jedes Jahr an die Olma. «Viele Thermalquellen habt ihr», stellt er fest. Ihm gefällt, dass in der Sonderschau «nicht viel geschrieben, sondern viel gezeigt wird». Man komme nach, was der Gastkanton einem erklären wolle – und das sei dann also nicht jedes Jahr so.

Vögel zwitschern aus der Wand

Ganz alles vom Aargau hat dann aber doch nicht Platz in der Halle 9.1.2. Im Olma-Stall zeigen die Gäste ihre schönsten Kühe, von Höfen aus dem Aargau, und im Gatter neben der Arena schlummert das «Argovia-Säuli», das beim legendären Säulirennen (täglich 16 Uhr) am Donnerstag bereits erstmals gewann.

Daneben steht ein neuer Infocontainer über den Aargauer Auenschutzpark, der an der Olma Premiere feiert. Eine Besucherin betrachtet auf dem Bildschirm Luftaufnahmen vom Wasserschloss und den Auen, Vögel zwitschern aus der Wand, ein Biber huscht durch die Nacht. Sie sagt zu ihrem Man einen Satz, den man in Variationen in den letzten zwei Tagen in St. Gallen oft gehört hat: «Du, die haben nicht nur Autobahnen!» Und Olma-Sprecher Marco Kleger sagt: «Ich bin sehr begeistert, und ich hoffe, dass es vielen Ostschweizern so gehen wird.»

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