Analyse
Departement Roth wird für 90'000 Franken durchleuchtet – Bericht soll im Sommer erscheinen

Der Regierungsrat hat eine Zürcher Firma mit der Analyse beauftragt. Der Bericht wird bis zu den Sommerferien vorliegen und rund 90'000 Franken kosten. Die SVP möchte sich vorläufig nicht äussern.

Noemi Lea Landolt
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In den nächsten Wochen wird die Firma mehrere Dutzend Einzelinterviews mit Führungspersonen in Roths Departement führen.

In den nächsten Wochen wird die Firma mehrere Dutzend Einzelinterviews mit Führungspersonen in Roths Departement führen.

Alex Spichale

Nach der nicht abreissenden Kritik an Regierungsrätin Franziska Roth hat der Gesamtregierungsrat beschlossen, ihr Departement Gesundheit und Soziales durch eine unabhängige externe Firma untersuchen zu lassen. Im Fokus der Analyse stehen die Bereiche Organisation, Führung und Betriebsklima im Departement.

Inzwischen hat der Regierungsrat entschieden, dass das Zürcher Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung die Analyse durchführen wird. Die Kosten für die Untersuchung belaufen sich auf rund 90'000 Franken. Die Finanzierung der erfolge über die ordentliche Rechnung, schreibt die Staatskanzlei in ihrer Mitteilung.

«Wir werden uns bis vor den Sommerferien nicht mehr äussern.» Thomas Burgherr, Präsident SVP Aargau

«Wir werden uns bis vor den Sommerferien nicht mehr äussern.» Thomas Burgherr, Präsident SVP Aargau

URS FLUEELER

Interviews und Online-Umfrage

In den nächsten Wochen wird die Firma mehrere Dutzend Einzelinterviews mit Führungspersonen in Roths Departement führen. Zudem sollen einzelne Personen ausserhalb der kantonalen Verwaltung befragt werden. Die Mitarbeitenden des Departements werden mit einer Onlineumfrage in die Untersuchung einbezogen. Parallel zur Befragung führt die Firma auch eine «systematische Dokumentenanalyse durch, bei der Richtlinien, Weisungen, Prozess- und Ablaufdokumentation gesichtet werden», schreibt die Staatskanzlei. Um die Unabhängigkeit der externen Analyse zu gewährleisten, würden alle Erhebungen – insbesondere auch aus den Einzelinterviews – in anonymisierter Form in den Bericht einfliessen.

Der Bericht werde bis zu den Sommerferien vorliegen, heisst es in der Mitteilung. Im Anschluss werde sich der Regierungsrat mit den Erkenntnissen und Empfehlungen befassen. Erst danach soll die Öffentlichkeit über den Inhalt des Berichts informiert werden.

Juli 2016: Da war die Welt noch in Ordnung: Thomas Burgherr, Präsident der SVP Aargau, stellt Regierungsratskandidation Franziska Roth im Jahr 2016 vor. Rechts daneben ist SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler. Es folgen die Bilder zum Thema: "Regierungsrätin Franziska Roth – von der Nomination bis heute".
22 Bilder
November 2016: Franziska Roth (SVP) wird im zweiten Wahlgang zur Regierungsrätin gewählt. Applaus von SVP-Parteikollegen: Franziska Roth setzte sich gegen Maya Bally (BDP) und Yvonne Feri (SP) durch.
Franziska Roth nimmt Gratulationen des Aargauer SVP-Präsidenten Thomas Burgherr entgegen.
Die SVP feiert ihre neue Regierungsrätin und den zweiten Sitz im Hotel Restaurant Gotthard in Brugg. Im Bild nimmt sie Gratulationen von SVP-AG-Präsident Thomas Burgherr entgegen.
Roth in ihrem Büro als Regierungsrätin: Sie übernahm das Departement Gesundheit und Soziales und wurde damit Nachfolgerin von Susanne Hochuli (Grüne).
Franziska Roth mit Ehemann Rolf André Siegenthaler, Berufsmilitär.
100 Tage im Amt: Roth lädt zu einer Medienkonferenz und bemängelt vor allem eine fehlende Departementsstrategie ihrer Vorgängerin Susanne Hochuli. Hier auch im "TalkTäglich".
Franziska Roth im Grossen Rat. Sie trat ihr Amt Anfang 2017 an.
23. Juni 2017: Roth an der Trauerfeier für alt Regierungsrat Roland Brogli in Zeinigen.
1. August 2017: Roths erste 1.-August-Ansprache als Regierungsrätin in Holziken.
15. September 2018: Regierungsrätin Franziska Roth. 150-Jahrfeier der Offiziersgesellschaft Aarau, KuK, Aarau.
Oktober 2018: Roth stellt das revidierte Spitalgesetz vor. Mit mehr ambulanten und weniger stationären Behandlungen sollen in den nächsten Jahren rund 10 Millionen Franken gespart werden.
Eskalation im Februar 2019: FDP, CVP und Grüne protestieren in einer Erklärung im Grossen Rat gegen Roth. Sie sei respektlos, ihr Umgang zeuge von Geringschätzung. SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati äussert Verständnis für die Kritik der anderen Parteien.
Es kommt noch dicker: In Roths Departement mehren sich die Abgänge. Schon die dritte Kommunikationschefin unter der SVP-Regierungsrätin wirft das Handtuch. Auch die Assistentin geht, der Generalsekretär steht vor dem Absprung.
Entmachtung: Am 13. März zieht der Gesamtregierungsrat die Konsequenzen aus der Krise im Departement Gesundheit und Soziales (DGS): Er entzieht Franziska Roth das wichtigste Dossier zum Kantonsspital Aarau. Der Regierungsrat mit Franziska Roth, Alex Hürzeler, Urs Hofmann, Markus Dieth, Stephan Attiger und Staatsschreiberin Vincenza Trivigno (von rechts) vor der Linde von Linn.
Die Verantwortung dafür wird vorläufig Finanzdirektor Markus Dieth übertragen. Zudem beschliesst der Aargauer Regierungsrat, das DGS von einer externen Firma untersuchen zu lassen. Der Generalsekretär verlässt per sofort das Departement. Im Bild: Markus Dieth, Franziska Roth und Landammann Urs Hofmann.
18.März 2019: An einer Medienkonferenz informiert Parteipräsident Thomas Burgherr über die Causa Roth. Das Steuer müsse jetzt herumgerissen werden. Gelinge dies nicht, müsse Roth die Konsequenzen ziehen, sagt Burgherr - und meint damit den Rücktritt.
18. März 2019: Im "Talk Täglich" kontert Franziska Roth und sagt, ein Rücktritt auch im Sommer stehe nicht zur Debatte.
23. April 2019: Franziska Roth gibt an einer Medienkonferenz ihren Austritt aus der kantonalen SVP bekannt. Die SVP Aargau war nicht über Roths Schritt informiert.
Die SVP habe sie mit diversen diffusen Vorwürfen eingedeckt und sie quasi zum Rücktritt gezwungen, sagte Roth.
Sie werde weiterhin dezidiert bürgerlich politisieren und schliesse eine Rückkehr in die SVP nicht aus, sobald dort andere Leute ans Ruder kommen.
Die SVP Aargau reagiert schnell mit einer scharfen Medienmitteilung. Es mangle ihr an "Willen, Interesse und Talent", schreibt die Partei. Präsident Thomas Burgherr: «Unser guter Wille war immer da.»

Juli 2016: Da war die Welt noch in Ordnung: Thomas Burgherr, Präsident der SVP Aargau, stellt Regierungsratskandidation Franziska Roth im Jahr 2016 vor. Rechts daneben ist SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler. Es folgen die Bilder zum Thema: "Regierungsrätin Franziska Roth – von der Nomination bis heute".

Alex Spichale

Was heisst das für die SVP?

Auch ihre Partei, die SVP Aargau, hat Franziska Roth letzte Woche ein Ultimatum gestellt. Wenn sich die Situation nicht verbessere, wird die Partei ihre Regierungsrätin «noch vor den Sommerferien zum Ziehen der entsprechenden Konsequenzen» auffordern. Das heisst im Klartext: «Wenn die Verbesserungen nicht eintreten, müssen wir darüber nachdenken, ob wir Franziska Roth bei den nächsten Wahlen noch unterstützen wollen», sagte Parteipräsident Thomas Burgherr damals.

Wie geht die SVP mit der externen Untersuchung um – will die Parteileitung den Bericht abwarten, bevor sie entscheidet? Burgherr beantwortet die Frage nicht. «Wir haben letzte Woche gesagt, dass wir uns bis vor den Sommerferien nicht mehr äussern.» Die SVP Aargau werde informieren, sobald sie über das weitere Vorgehen entschieden habe. Ob die Resultate der externen Untersuchung dabei eine Rolle spielen, wird also vorerst offenbleiben. Fest steht: Die SVP Aargau begrüsst die externe Analyse, die der Regierungsrat initiierte, wie Parteipräsident Burgherr an der Medienkonferenz sagte.

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