Auf der Terrasse des Restaurants Warteck sitzt eine Runde beim Znüni-Kafi, ein Arbeiter pflegt nebenan das Grün im Park rund um den Erwin-Rehmann-Brunnen, vom Rhein hinauf weht ein angenehmer Septemberwind. Auf dem Laufenplatz stehen Reto Nussbaumer, kantonaler Denkmalpfleger, und Franziska Schmid-Schärer, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin Denkmaltage, und halten einen Stadtplan in der Hand. Nicht, dass sie sich nicht auskennen würden. Im Gegenteil: Die Aargauer Denkmalpflege hat sich in den letzten Jahren mit der idyllischen Altstadt von Laufenburg und den umliegenden Gemeinden befasst. Der nächste Band des Standardwerks «Die Kunstdenkmäler der Schweiz» ist dem Bezirk Laufenburg gewidmet. Die Autorinnen Edith Hunziker und Susanne Ritter-Lutz haben die Kunstdenkmäler der Region erstmals überhaupt inventarisiert. Das Manuskript ist fertig, erscheinen soll das Buch 2019.

Geschützt heisst nicht tot

Ihre Arbeit ist einer der Gründe, warum man für die Denkmaltage 2017 Laufenburg als Austragungsort gewählt hat: Bei den Recherchen wurde nicht nur viel Altes neu beschrieben, sondern es wurden auch neue Schätze gefunden oder besser sichtbar gemacht, die jetzt die Bevölkerung entdecken soll.

Grund Nummer zwei: Aufspüren, Nachforschen und Dokumentieren – das ist eine Aufgabe der Kantonalen Denkmalpflege, aber eben nur eine von vielen. Das könne man an diesem Städtchen im Umbruch exemplarisch aufzeigen, sagt Nussbaumer. Etwa im alten Grundbuchamt, das gerade renoviert wird und mit einem Neubau ergänzt wurde.

Nussbaumer erklärt begeistert, warum man diese Fassadenstruktur, diese Kubatur, diese Ziegel gewählt habe. Der Ergänzungsbau sei «ein sehr raffiniertes Projekt», weil er sich so gut eingliedere und doch erkennbar von heute sei. Die Baustelle steht am Sonntag offen – auch das ein bewusster Entscheid: «Wir wollen zeigen, dass geschützt nicht bedeutet, dass man baulich nicht eingreifen darf. Nur ein zeitgemäss belebtes Gebäude hat eine Zukunft.» Die Stadt Laufenburg sei ein Musterbeispiel, das zeige, wie viel man bewegen könne, wenn Wille und Motivation vorhanden seien.

Profis erklären alte Schätze

Drinnen ist ein Gipser an der Arbeit. Eine freigelegte Wandmalerei zeigt Kinder, die springen, im Handwagen gezogen werden, Sommervögel fangen. Sie stammen aus der Zeit, als hier ein Kindergarten untergebracht war. Draussen am Gerüst hängt eine Blache: «Fachliche Beratung – Finanzielle Unterstützung – seit 1943, Kantonale Denkmalpflege». Auch darum gehts: Aufzeigen, dass man nicht verhindern, sondern ermöglichen, die beste Lösung für alle Interessen finden will.

Und Grund Nummer drei, warum die Wahl für die Denkmaltage 2017 auf Laufenburg fiel: Es hat viel zu bieten. Auf dem Stadtplan zeigt Projektleiterin Schmid rote Punkte: Das Museum Schiff (Führung zur Salmfischerei, inklusive frischem Salm vom Feuer), das Gerichtsgebäude (wertvolle Stuckaturen), die Stadtkirche (wer schenkte ihr einst wertvolle liturgische Gefässe, wieso findet man im Schiff so oft das Stadtwappen?). Oder das Alte Zeughaus, wo die Inventarisatorin aus dem Alltag erzählt und zeigt, wie sie sich das Alter der Holzbalken auf das Jahr genau bestimmen lässt.

Auf Löwen-Safari im Städtli

Nussbaumer und Schmid stehen vor dem Gerichtsgebäude, blicken auf die Mauern mit viel Geschichte. Die Denkmaltage böten die Chance, «reinzukommen, wo man sonst nicht reinkommt». Herzstück ist der Laufenplatz, wo Besucher den Plan erhalten und sich für Führungen einschreiben können. «Die ganze Familie soll kommen», betont Schmid. Für Kinder gibts eine «Safari»: Sie können mit einem Fotoblatt durch die Gassen wirbeln und möglichst viele Löwen suchen – das Wappentier. Oder die Altstadt mit Bastelbögen gleich selber bauen.

Erstmals konzentriert die Denkmalpflege ihr Programm an einem Ort. Das Team sei bisher jeweils im Kanton «herumgerannt», doch die Wahrnehmung sei beschränkt gewesen. Das neue Konzept ist laut Nussbaumer «ein Versuchsballon, den wir jetzt mal steigen lassen.» Weitere Schätze, die ihre Türen auf eigene Initiative öffnen, gibt es etwa in Zofingen, Kaiseraugst oder den Klöstern Fahr und Gnadenthal.

Denkmaltage: 9./10. September, alle Orte und Programmdetails unter hereinspaziert.ch