Tag der Frau
Demonstration für Gleichstellung: Der Kanton soll als Vorbild vorangehen

Am Tag der Frau ist in Aarau eine Demo angesagt. Ausserdem fordern Grossrätinnen die Regierung auf, die Charta der Lohngleichheit zu unterzeichnen.

Noemi Lea Landolt
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Für den Erhalt der kantonalen Fachstelle für Gleichstellung im Aargau wurden bereits Unterschriften gesammelt.

Für den Erhalt der kantonalen Fachstelle für Gleichstellung im Aargau wurden bereits Unterschriften gesammelt.

Die Gleichstellung steht seit 1981 in der Verfassung. Trotzdem haben Frauen, etwa was den Lohn betrifft, immer noch das Nachsehen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gibt es noch nicht überall. Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sind zwar kleiner geworden.

Aber gemäss Bundesamt für Statistik verdienen Männer in der Schweiz im Schnitt immer noch 7,4 Prozent mehr als Frauen – ohne dass sich dieser Unterschied objektiv erklären liesse.

Das Unverständnis über diese Ungleichheit wird am Donnerstag wieder zahlreiche Frauen (und Männer) auf die Strassen treiben. In Aarau wird am internationalen Tag der Frau gegen die Abschaffung der Fachstelle für Gleichstellung demonstriert.

Die Demonstrierenden fordern, die Gleichstellung im Aargau endlich gemäss Bundesverfassung umzusetzen, die kantonale Fachstelle Gleichstellung zu erhalten und Gleichstellungs- und Frauenanliegen wieder auf die politische Traktandenliste zu setzen.

Feri und Kälin halten Reden

Die Demonstrierenden treffen sich um 17.30 Uhr auf dem Bahnhofplatz in Aarau und ziehen dann durch die Stadt. Die Kundgebung findet auf dem Holzmarkt statt. Als Rednerinnen werden die beiden Aargauer Nationalrätinnen Yvonne Feri (SP) und Irène Kälin (Grüne) erwartet. Ausserdem wird die Band Knuth und Tucek auftreten.

Das Thema Gleichstellung wird im Aargau aber nicht erst am Donnerstag aktuell. Heute reicht SP-Grossrätin Gabriela Suter ein Postulat ein. Darin fordert sie die Regierung auf, die «Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor» zu unterzeichnen.

Bundespräsident Alain Berset hatte die Charta vor rund zwei Jahren lanciert, mit dem Ziel, Bund, Kantone und Gemeinden in die Pflicht zu nehmen. Bis jetzt haben neben dem Bund 13 Kantone und 26 Städte unterzeichnet. Unter ihnen die Kantone Bern, Basel-Stadt, Zürich und Wallis. Der Aargau ist nicht darunter.

Das wollen Gabriela Suter und ihre sechs Ratskolleginnen, die das Postulat mitunterzeichnet haben, ändern. Neben den beiden Städten Aarau und Baden soll auch der Aargau die Charta der Lohngleichheit unterzeichnen. «Damit zeigen die Behörden ihren Willen, Lohngleichheit in ihrem Einflussbereich umzusetzen und nehmen ihre Vorbildfunktion wahr», schreiben die Politikerinnen.

Aargau steht im Vergleich gut da

Einen Grund, sich für den Status quo in der Verwaltung zu schämen, gibt es im Aargau nicht. Im Jahr 2012 hatte der Kanton die erste und bisher einzige geschlechterspezifische Lohngleichheitsanalyse beim Verwaltungspersonal durchgeführt. Es resultierte eine durchschnittliche Lohndifferenz von 3,5 Prozent, davon 0,9 Prozent unerklärt. «Das Ergebnis zeigt, dass sich der Aargau innerhalb der Verwaltung für Lohngleichheit einsetzt», heisst es im Vorstoss.

Mit der Unterzeichnung der Charta könne der Aargau seinen Willen kundtun, auch in Zukunft für Lohngleichheit in der Verwaltung zu sorgen. Und weil die Charta keine verbindliche Rechtswirkung und keine Fristen beinhalte, könne bei der Umsetzung stufenweise und im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten vorgegangen werden, schreiben die Grossrätinnen.