Béa Bieber

Debut im Grossen Rat mit 60: «Im politischen Betrieb wird man als Frau sehr genau beobachtet»

Béa Bieber setzt auf politisch mehrheitsfähige Lösungen.

Béa Bieber setzt auf politisch mehrheitsfähige Lösungen.

Béa Bieber (GLP) aus Rheinfelden hat erst drei Grossratssitzungen miterlebt – an politischer Erfahrung fehlt es der Fricktalerin jedoch nicht.

Béa Bieber ist mit 60 zwar drei Jahre älter als Thomas Leitch, im Grossen Rat ist sie dennoch ein Neuling. Bieber sitzt erst seit der Sitzung vom 30. Juni im Kantonsparlament. «Einmal war es ein bisschen laut in der Umwelt-Arena, weil die bilateralen Gespräche leicht überhandgenommen haben. Aber dann hat die Ratspräsidentin um Ruhe gebeten und es war wieder gut», berichtet sie von ihren ersten Eindrücken im Grossen Rat.

Béa Bieber rutschte für GLP-Grossrat Roland Agustoni nach, der frühzeitig zurücktrat. Trotzdem wirkt sie nicht so, als müsste sie zuerst ankommen. Eher erscheint die Rheinfelderin, als wäre sie schon seit langem im Parlament – und als wäre das Grossratsmandat für sie ziemlich selbstverständlich. Vielleicht kommt diese Ausstrahlung daher, dass Béa Bieber keineswegs ein Küken ist im politischen Betrieb. 1994 begann ihre Karriere mit einer Kandidatur für die Schulpflege Rheinfelden. «Der gewöhnliche Einstieg», meint die 60-Jährige. Weniger gewöhnlich war danach ihr Start im Stadtrat.

«Ich war eine Herausforderung für meine Ratskollegen»

Bieber wurde 1997 als erste Frau ins sechsköpfige Gremium gewählt. Sie fiel gleich mehrfach aus dem Rahmen: «Ich war nicht nur eine Frau, ich war auch die Jüngste im Rat, war frisch getrennt, hatte zwei Kinder», zählt sie auf. Als Schwierigkeit für sich möchte Bieber – die sowieso lieber «Herausforderung» statt «Schwierigkeit» sagt – diese Konstellation nicht bezeichnen. Vielmehr sei sie als Stadträtin für ihre Ratskollegen eine Herausforderung gewesen, weil sie Themen ganz anders angeschaut habe als gesetztere Herren.

Die einzige Herausforderung, die sie als Frau im politischen Betrieb ausgemacht hat, ist «die Tatsache, dass man einfach immer in der Öffentlichkeit steht», sagt Bieber. «Als Frau wird man sehr genau beobachtet. Es wird wahrgenommen, was man macht, wie man es macht, sogar welche Kleider man dabei trägt», sagt die Grossrätin. Aber das bringt sie nicht aus der Ruhe: «Man lernt, damit umzugehen.»

Dass es in der Politik mehr Frauen braucht, davon ist Bieber überzeugt: «Frauen betrachten gewisse Themen einfach anders als Männer. Geht es beispielsweise darum, wie eine Ampel eingestellt wird, denken wir daran, dass die Zeit reichen muss, um mit einem Kind am Arm über die Strasse zu kommen. Männer vergessen das eher.»

Béa Bieber erzählt nüchtern, nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen. Auch nicht die Wahlen im Oktober – und das, obwohl sie neben ihrer eigenen Kampagne noch jene der GLP Fricktal leitet. Bieber setzt darauf, dass man sie kennt, in Rheinfelden und der Umgebung. Abgesehen davon wirkt es, als würde sie fast lieber auf den Wahlkampf verzichten, wenn sie von ihren Plänen erzählt. Themenmässig tanzt Bieber denn auch nicht aus der grünliberalen Reihe: Sie möchte vor allem die Wirtschaft nach Corona nachhaltig und ökologisch wieder aufbauen.

Zu den Abstimmungen im September sagt sie: «Jede Vorlage ist wichtig, hier priorisiere ich nicht», sagt sie. Zum Energiegesetz sagt sie: «Ja.» Genauer: «Ja, aber.» Sie unterstützt das Gesetz, findet aber, dass es nicht weit genug geht. Ablehnen möchte sie die Vorlage nicht. Zum «Nein» der GLP-Grossratsfraktion zum Energiegesetz meint sie nur: «Ja, das war ein Ausscheren der Fraktion. Da haben sich die Ratsmitglieder schwergetan, weil sie fanden, dass die Vorlage zu wenig weit geht».

Die Grossrätin hält nicht viel von grossen Sprüchen und lauten Tönen. Sie setze lieber auf nachhaltige Aktionen statt auf unzählige Plakate und Auftritte, meint Bieber. Zu diesen nachhaltigen Aktionen gehört beispielsweise ein Kühlschrank, den sie am Bahnhof Rheinfelden installiert hat. Dort kann man Lebensmittel platzieren, die man nicht mehr braucht, die aber noch essbar sind. Wenn sie davon erzählt, wird sie fast schon euphorisch. «Dieser Kühlschrank ist jeden Tag wie eine Wundertüte», freut sich Bieber.

Die Interessen ihrer Heimatregion, des Fricktals, will sie auch kantonal einbringen – am besten mit vielen anderen Fricktaler Grossräten zusammen, egal aus welcher Partei. Zu diesen Themen gehört der Mittelschulstandort, oder Naturareale, die im Fricktal geschützt werden sollen. «Ich möchte intensiv und bewusst mit anderen zusammenarbeiten, das ist mein Ziel. Lösungen finden, die breite Akzeptanz haben.»

Meistgesehen

Artboard 1