Wahlen 2019

Debatte um Frauenförderung – SVP-Kandidatin: «Habe enorm Mühe, wenn ich auf mein Äusseres reduziert werde»

SVP-Politikerin Michaela Huser will in den Nationalrat.

SVP-Politikerin Michaela Huser will in den Nationalrat.

Für SVP-Kandidatin Michaela Huser ist es selbstverständlich, sich politisch zu engagieren. Doch es gibt eine Hemmschwelle. «Helvetia-Ruft» will erreichen, dass mehr Frauen bei den nationalen Wahlen im Oktober kandidieren. Förderung ja, aber nicht so, sagt die Aargauer CVP-Präsidentin Marianne Binder.

Grossrätin Michaela Huser kandidiert für die SVP dieses Jahr zum ersten Mal für den Nationalrat. Sie belegt, als Neue, keine der vordereren Positionen, sondern muss sich mit Platz 14 zufrieden geben. Sie sei aber hoch motiviert, diesen Nachteil mit einem engagierten Wahlkampf auszugleichen, sagt die 31-jährige Wettingerin. Huser wurde von ihrer Ortspartei Wettingen angefragt, ob sie kandidieren wolle.

Ob die Findungskommission der SVP bewusst der jungen Frau den Vortritt vor Luzi Stamm gegeben hat, der seit 1991 im Nationalrat sitzt und nicht mehr nominiert wurde, ist Spekulation. Bei einem Altersunterschied von 35 Jahren könne ihr Leistungsausweis nicht mit dem von Stamm verglichen werden, sagt Huser. Dass sie eine Frau ist, sieht sie nicht als Vorteil für die Wahlen: «In der Politik geht es um Inhalte. Jung, weiblich und blond kann im Wahlkampf auch ein Nachteil sein», sagt die Ökonomin. Und sie ergänzt: «Ich habe enorm Mühe damit, wenn ich nur auf mein Äusseres reduziert werde und meine Leistung in den Hintergrund rückt.» Dabei stecke viel Arbeit hinter ihrem Erfolg, welche sie zum Beispiel seit 2014 im Einwohnerrat Wettingen als Fraktionspräsidentin leiste.

Maya Graf

     

Die Scheu, sich in der Öffentlichkeit behaupten zu müssen, wenn sie in die Politik einsteigen möchten, sei eine gewisse Hemmschwelle für junge Frauen, sagt Maya Graf, Baselbieter Grünen-Nationalrätin und Co-Präsidentin des Schweizerischen Frauendachverbands Alliance F. Der Verband setzt sich dafür ein, dass mehr Frauen in die Politik gehen und in den Parlamenten gleich stark wie die Männer vertreten sind. «Es geht uns um die Stärkung der Demokratie und darum, das Potenzial beider Geschlechter voll auszuschöpfen», sagt Graf. Von bewusster Frauenförderung redet sie deswegen nicht.

Die Schweiz könne es sich schlicht nicht mehr leisten, die Kompetenzen eines grossen Teils der Bevölkerung brachliegen zu lassen – das betreffe alle Bereiche. Alliance F hat deshalb die überparteiliche Kampagne «Helvetia-Ruft» gestartet, um mehr Frauen dazu zu bringen, an den nationalen Wahlen vom Oktober teilzunehmen.

Frauen zuerst bekannt machen

Das löst auch Kritik aus. Die Präsidentin der Aargauer CVP, Marianne Binder, ist mit einem offenen Brief an die Organisation gelangt. Für sie sei es der falsche Weg, Wettbewerbe zu veranstalten, wer mehr Frauen auf der Liste habe oder sie gar verdienten Männern vor die Nase zu setzen, sagt Binder. «Es gehört zu meinen wichtigen Themen, Frauen für die Politik zu motivieren. Doch das muss auf der Gemeinde- und Kantonsebene beginnen.»

Marianne Binder.

Marianne Binder.

Frauen müssten erst öffentlich bekannt gemacht werden, etwa auf Podien und in den Medien. «Wenn die ‹Arena› und der ‹Club› dreimal mehr Männer als Frauen einladen, liegt es auf der Hand, wo die Arbeit von Alliance F. beginnen muss. Mit einer Kandidatur allein ist niemand gewählt.»

Maya Graf kann die Kritik nachvollziehen: «Es ist uns klar, dass die jetzige Kampagne nur ein Teil dessen ist, was getan werden muss, um mehr Frauen in die Politik zu bringen. Doch die Mobilisierung wird überall helfen», sagt sie.

Für Michaela Huser ist es selbstverständlich, sich politisch zu engagieren. «Unser politisches System ist einmalig. Wenn ich die Möglichkeit habe, etwas zu bewegen, nehme ich diese wahr», sagt sie. Die Erfahrungen aus der politischen Arbeit seien nicht nur für sie wertvoll, ihre dadurch erlangten Kompetenzen seien auch in der Wirtschaft, bei ihrem Arbeitgeber, gefragt.

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