Über 600 Hinweise aus der Bevölkerung haben die Behörden zum Fall Rupperswil erhalten. Zur Aufklärung führte jedoch keiner davon. Stattdessen waren es die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft, die Thomas N. schliesslich als Vierfachmörder entlarvten. Die Belohnung von 100'000 Franken werde daher nicht ausbezahlt, hiess es zunächst.

Nun hat der Regierungsrat seine Meinung geändert und will das Geld als Zeichen der Anerkennung der Polizei und Staatsanwaltschaft zukommen lassen, wie Polizeidirektor Urs Hofmann in einem Interview mit der «Schweizer Illustrierten» verriet. «In welcher Art dies geschieht, werden wir mit den Vorgesetzten gemeinsam anschauen», erklärt Hofmann gegenüber Tele M1. Auch der Kreis der Mitarbeitenden, welche in den Genuss einer Prämie kommt, müsse erst noch bestimmt werden.

Beim Verband Kantonspolizei Aargau (VKA) ist man erfreut über diese Wertschätzung. Das sei eine grosse Anerkennung für die immense Leistung der Aargauer Polizei, findet Verbandspräsident Markus Leimbacher. «Ich kenne keinen Fall im Kanton Aargau, bei dem in so kurzer Zeit ein solcher Aufwand betrieben wurde.»

RAWR: 100'000 Franken Belohnung für die Polizei

Anerkennung vs. Sparkurs

Der Kanton Aargau spart derzeit an allen Ecken und Enden, auch bei der Polizei wird der Rotstift angesetzt. Die Politik ist entsprechend geteilter Meinung über diesen grosszügigen Bonus. Obwohl er sonst eher Polizei-kritisch sei, stört sich Grossrat Daniel Hölzle aber nicht daran. «Sie haben einen guten Job gemacht, da kann man ausnahmsweise zustimmen», so der Präsident der Aargauer Grünen.

Der Aargauer SVP-Präsident Thomas Burgherr kann diese Begeisterung nicht teilen: «Dass Herr Hofmann die 100'000 Franken den Polizisten gibt, finde ich schlecht», sagt Burgherr. Schliesslich sei ständig von Steuererhöhungen und Sparen beim Kanton die Rede.

Lobeshymnen für Kapo Aargau

Lobeshymnen für Kapo Aargau

Noch nie gab es eine so starke Anerkennung der Bevölkerung wie nach der Aufklärung des Vierfachmordes von Rupperswil. (Tele M1, 14.5.2016)

Aussergewöhnliche Umstände

Burgherr steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Die Polizei habe nur ihren Job gemacht, mit dem Geld liesse sich Sinnvolleres anstellen, heisst es in Leser-Kommentaren und auf den sozialen Medien vereinzelt. Die kritischen Stimmen sind jedoch deutlich in der Unterzahl. Die meisten Kommentarschreiber freuen sich für und mit der Polizei.

«Logisch machen sie ihren Job», sagt auch Polizeidirektor Hofmann. Manchmal seien die Umstände dafür jedoch aussergewöhnlich. Für solche Fälle sehe das Personalgesetz Prämien vor. «Deshalb möchten wir diese jetzt auch ausrichten.»

Realisation: Elia Diehl