Interview

«Dass die kleineren, tiefer gelegenen Ski-Gebiete immer mehr kämpfen müssen, besorgt uns»

Christian Gut, Marketingleiter von  Stöckli, sagt: «Wir bauen unser Angebot für Frauen massiv aus.»

Christian Gut, Marketingleiter von Stöckli, sagt: «Wir bauen unser Angebot für Frauen massiv aus.»

Christian Gut ist Marketingleiter bei Stöckli. Er weiss, was die Schweiz auf den Pisten bewegt.

Warum werden Ski immer öfter gemietet und nicht mehr gekauft?

Christian Gut: Weil es sich für zahlreiche Wintersportler rechnet, zu mieten, statt zu kaufen. Die Helvetia hat unlängst einen Bericht veröffentlicht, in dem sie zum Schluss kommt, dass sich ein Kauf schon nach zwei Jahren rechnet, wenn man jeweils zehn Tage Ski fährt. Umgekehrt heisst das aber auch, dass es sich kaum lohnt, wenn man ganz wenige Tage im Jahr auf der Piste ist. Aber der Trend zur Miete ist nicht in allen Segmenten gleich ausgeprägt.

Wie meinen Sie das?

Im Premiumsegment, in dem sich auch Stöckli bewegt, hat sich der Trend langsamer entwickelt. Wir gehen davon aus, dass unsere Kunden ein bisschen angefressener sind als andere. Schliesslich sind sie auch bereit, für die Qualität unserer Schweizer Ski auch mal 1000 Franken zu bezahlen. Der Kaufanteil dürfte bei uns sicherlich grösser sein als im Durchschnitt.

Trotzdem lanciert Stöckli eine eigene Mietplattform.

Ja, auch wir spüren den Trend zur Miete, auch wenn er sich langsamer entwickelt hat. Stöckli ist ja nicht nur Skihersteller, sondern auch -händler. Wir haben, nebst unseren Filialen im Flachland, auch sechs eigene Geschäfte in vier Skigebieten. Dort verkaufen wir nicht nur, sondern vermieten vor allem auch. Unterdessen kann man Stöckli-Ski über getmyski.com auch bei ausgewählten Partnern mieten.

Sie waren unter Zugzwang.

Der Anstoss war sicher, dass es andere Online-Anbieter gibt und sich die Miete vor allem in diesem Bereich stark entwickelt. Man kann Zeit sparen, weil man vorgängig das Skimodell auswählt, das Gewicht angibt, allenfalls die Sohlenlänge. Alles ist vorbereitet, wenn man ins Geschäft kommt. Angefangen haben wir damit übrigens schon vor drei Jahren, und wir konnten unsere Dienstleistungen für die Kunden ­laufend optimieren. Jetzt ist getmyski.com voll integriert in unsere Website stoeckli.ch.

Stellen Sie auch andere Trends fest?

Die Ski werden oftmals breiter. Wir sprechen dann von Allmountain­ Modellen. Waren die Ski früher meist zwischen 66 und 72 Millimeter breit unter dem Schuh, bauen wir jetzt vermehrt auch Pistenski mit Breiten von 72 bis 83 Millimetern. Dann gibt es auch einen Trend zu breitbandigeren Ski.

Was bedeutet das?

Das sind Ski, die perfekt funktionieren, wenn man zügig auf den Pisten unterwegs ist, und andererseits auch Spass machen, wenn man beispielsweise mit der Familie gemütlicher fährt. Die Ansprüche der Kunden sind gestiegen. Sie wollen alles, aber ohne Skiwechsel. Das bieten wir.

Darum auch der Trend weg von den Unisexski, oder?

Ja, wir bauen unser Angebot für Frauen massiv aus. Ab März wird es zusätzlich zu unserem mit Tina Maze entwickelten Laser MX drei spezifische Frauen-Skimodelle geben, natürlich auch Allmountain-Ski. Es geht dabei nicht nur um das Design, sondern vor allem auch um die Materialien, die Formen, die Drehfreudigkeit.

Bringen all die Mühen etwas in einem schrumpfenden Markt?

Der Markt ist längerfristig rückläufig, aber wir haben während der letzten fünf Jahre stets zugelegt. Und wir bauen weiter aus, haben eben 1000 Quadratmeter zusätzliche Produktionsfläche dazugemietet, investieren über die nächsten vier Jahre mehrere Millionen, um die Kapazitäten zu erhöhen.

Lohnt sich das in Angesicht der Klimaerwärmung?

Wenn wir keine Perspektive sehen würden, gäbe es diese Investition nicht. Die grossen Skigebiete, die Gebiete in höheren Lagen, haben Besucher-Zuwächse. Aber ja, die kleineren, tiefer gelegenen Gebiete kämpfen immer mehr, und das besorgt uns. Denn das bedeutet, dass die Anreisen immer länger werden, immer weniger Familien diese in Angriff nehmen können, und auch diese liegen uns sehr am Herzen.

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