Kommentar

Das Urteil gegen den Messerstecher von Aarau mag mild wirken – doch auch eine Therapie sorgt für Sicherheit

Der Messerstecher von Aarau wurde zu einer Therapie verurteilt. Auch eine solche sorgt für Sicherheit.

Der Messerstecher von Aarau wurde zu einer Therapie verurteilt. Auch eine solche sorgt für Sicherheit.

Das Bezirksgericht Aarau hat den Messerstecher von Aarau zu fünf Jahren Therapie verurteilt. Der Kommentar dazu von Fabian Hägler.

Mit mehreren Dutzend Messerstichen hat ein junger Mann vor einem Jahr in Aarau die 66-jährige Hildegard Enz Rivola umgebracht. Seither stellten sich ihre Angehörigen wohl jeden Tag die Frage, warum gerade sie Opfer der brutalen Tat wurde. Und sie fragen sich, warum der Messerstecher nicht wegen Mordes verurteilt wird und für immer ins Gefängnis muss.

Eine Antwort auf die erste Frage gibt es nicht: Der Mann leidet an paranoider Schizophrenie und kann seine Tat nicht erklären. Wegen dieser psychischen Störung ist er schuldunfähig und kann nicht als Mörder verurteilt werden. Das Gericht ordnete eine stationäre Therapie an, die fünf Jahre dauert und danach überprüft wird.

Fünf Jahre Therapie statt lebenslange Haft: Auf den ersten Blick wirkt die Sanktion mild. Die stationäre Massnahme heisst aber nicht umsonst «kleine Verwahrung». Damit der Täter aus der geschlossenen Abteilung entlassen wird, muss ein Gutachten den Erfolg der Therapie und eine positive Prognose ergeben.

Ist dies nicht erfüllt, hebt kein Gericht die stationäre Therapie auf, sondern verlängert sie. Bei einer lebenslangen Haftstrafe kommt der Täter vorzeitig frei, wenn er nicht mehr als gefährlich gilt. Zudem heisst Mord nicht immer lebenslänglich: Das Strafmass beginnt bei zehn Jahren, eine Haftstrafe kann nicht verlängert werden. Der Schutz der Bevölkerung kann mit einer stationären Therapie also mindestens ebenso gut gewährleistet werden.

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