Kriminalität
Das Tötungsdelikt von Fislisbach erinnert uns an eine Studie: Wer kifft, wird eher straffällig

Gemäss einer Studie vom Lenzburger Kriminologen Martin Killias hat Kiffen eine enthemmende und gewaltfördernde Wirkung. Kiffen sei für deliktisches und gewalttätiges Verhalten sogar problematischer als Alkoholmisbrauch.

Fabian Hägler
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Kiffer neigen eher dazu, straffällig zu werden. (Symbolbild)

Kiffer neigen eher dazu, straffällig zu werden. (Symbolbild)

Keystone

Nach dem Tötungsdelikt von Fislisbach wird darüber spekuliert, wie der mutmassliche Schütze S.N. an die Waffe gelangte und ob bei seiner Tat allenfalls Drogenkonsum oder -handel eine Rolle gespielt hat.

Der Lenzburger Kriminologe Martin Killias hat untersucht, wie häufig Jugendliche im Aargau verbotenerweise Waffen tragen oder Drogen konsumieren – und welchen Einfluss dies auf die Frage hat, ob sie strafbare Delikte begehen. Killias hat dafür mit zwei weiteren Forschern insgesamt 555 Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 16 Jahren befragt.

In seiner Studie zur Jugenddelinquenz im Aargau, die im letzten Herbst veröffentlicht wurde, gaben 11,4 Prozent der Befragten an, sie hätten im vergangenen Jahr Waffen getragen. Dieser Wert liegt über dem nationalen Schnitt, wobei Martin Killias einschränkt: «Dies könnte auch mit legalen Aktivitäten (wie den im Aargau überdurchschnittlich populären Jungschützenkursen) zusammenhängen.» Zudem sei es denkbar, dass manche Befragte nicht begriffen hätten, dass nur das illegale Tragen von Waffen gemeint war. In der Studie werden Schusswaffen nicht separat ausgewiesen. Klar ist: S. N. kann seine Waffe nicht legal gekauft haben: Der dafür nötige Waffenerwerbsschein wird nur an Volljährige ausgestellt

Im Wald von Fislisbach AG ist am Dienstagabend ein 18-jähriger Schweizer umgebracht worden. – Das Bild zeigt die Spurensicherung bei der Arbeit am Mittwochmorgen.
19 Bilder
Die Spurensicherung am Morgen nach der Tatnacht an der Arbeit am Tatort.
Ermittler der Aargauer Kriminalpolizei im Waldstueck "Rüsler" beim Hagibuechplatz in Fislisbach.
Eine Waldstrasse in Fislisbach.
Das Tötungsdelikt ereignete sich beim Hagibuechplatz im Waldstück "Rüsler".
Das Waldstück gehört zu Fislisbach, einer Gemeinde mit rund 5500 Einwohnern.
Die Polizei sperrte das Gebiet um den Tatort am Dienstagabend grossräumig ab und nahm die Fahndung nach der Täterschaft auf. Noch in der Nacht wurde ein 17-jähriger Schweizer verhaftet.
Der Polizei gelang es nach wenigen Stunden, den mutmasslichen Täter, einen 17-jährigen Schweizer, zu ermitteln und ihn im Elternhaus in Fislisbach festzunehmen.
Es handelt sich um den Lernenden S.N.
Der Tatort im Fislisbacher Waldstück "Rüsler" liegt zirka 150 Meter von der Sportanlage Esp entfernt.
Der mutmassliche Täter hat die Schussabgabe gestanden. Er wie auch das Opfer sind Schweizer mit Wohnsitz in der Region. Im Bild: Autos von Ermittlern. Hinten im Waldstück sind Mitarbeiter der Spurensicherung erkennbar.
Die Polizei sucht aktuell nicht nach weiteren mutmasslichen Tätern. - Im Bild sind Mitarbeiter der Spurensicherung erkennbar.
Der Kriminaltechnische Dienst nahm in der Nacht auf Mittwoch die Spurensicherung auf.
Die Spurensicherung ist am Mittwoch am Tatort nach wie vor im Einsatz.
Noch ist unklar, wie viele Schüsse der mutmassliche Täter auf das Opfer abgegeben hat. Klar ist: Es hat mehrere Schussverletzungen erlitten.
Motiv und Tathergang sind noch unklar.
Eine Waldstrasse in Fislisbach nahe des Tatorts.
Die Spurensicherung am Morgen nach der Tatnacht an der Arbeit am Tatort.
Die Spurensicherung am Morgen nach der Tatnacht an der Arbeit am Tatort.

Im Wald von Fislisbach AG ist am Dienstagabend ein 18-jähriger Schweizer umgebracht worden. – Das Bild zeigt die Spurensicherung bei der Arbeit am Mittwochmorgen.

Keystone/Urs Flüeler

Kiffen als grosser Risikofaktor

Die Studie nennt diverse Faktoren, die dazu beitragen, dass Jugendliche selber Straftaten begehen. Vermehrt zu Delinquenz neigen insbesondere Jugendliche, die Suchtmittel konsumieren. Killias hält fest: «Der Konsum von Alkohol und Drogen hängt signifikant mit mehreren Delikten zusammen.» Dies gelte insbesondere für Cannabis – im Klartext: Kiffen erweist sich «für deliktisches und gewalttätiges Verhalten als stärker problematisch als schwere Formen von Alkoholmissbrauch wie Rauschtrinken.»

Gemäss der Killias-Studie haben 12,7 Prozent der befragten Jugendlichen angegeben, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Die relativ weit verbreitete Annahme, dass Kiffen einen beruhigenden Effekt auf die Konsumenten habe, bestätigt sich in der Studie nicht. Vielmehr zeige sich auch bei Cannabis eine «enthemmende, gewaltfördernde Wirkung».

Deutlich tiefer als beim Konsum von Cannabis sind die Zahlen beim Verkauf von Drogen. Nur vier Prozent der befragten Jugendlichen im Aargau gaben in der Studie an, sie hätten bereits mit Drogen gehandelt.