Knatsch
«Das sind keine Querelen, sondern sachliche Diskussionen»

Gibt es Spannungen zwischen den Aargauer Polizisten und den Staatsanwaltschaften? Jetzt beziehen erstmals Kripochef Urs Winzenried und Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken Stellung in der Diskussion.

Adrian Hunziker
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Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken und Kripochef Urs Winzenried.

Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken und Kripochef Urs Winzenried.

Adrian Hunziker

«Das sind keine Querelen, sondern sachliche Diskussionen», sagt Urs Winzenried, Chef der Kriminalpolizei. Er, der bald interimistisch das Amt des Polizeikommandanten übernehmen wird, und Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken nehmen nun erstmals Stellung zum Knatsch bei den Untersuchungsbehörden. Nachdem die az berichtet hatte, dass sich Polizisten und Staatsanwaltschaften in den Haaren liegen, rumorte es in den beiden Behörden.

«Es ist klar, wir leben als Strafverfolgungsbehörden schliesslich nicht im Paradies. Das gibt es nirgends», sagt Winzenried. Doch er und auch von Däniken sagt, dass wenn es zu Unstimmigkeiten zwischen vereinzelten Angestellten gekommen sei und auch noch kommen werde, man damit nicht auf die ganze Institution schliessen könne.

«Reibungslos und Vertrauensvoll»

Winzenried und von Däniken sind sich einig, dass der Umgang zwischen den Behörden in der grossen Mehrheit der Fälle reibungslos und vertrauensvoll abläuft. «Dass nicht in jedem einzelnen Fall Staatsanwalt und Polizist einer Meinung sind, ist selbstverständlich», so Winzenried. Ins gleiche Horn stösst der Oberstaatsanwalt: «Wir haben konstruktive Dialoge, keinen Streit. Wir arbeiten kooperativ und respektvoll zusammen und die Verfahrensabläufe funktionieren gut, obwohl am Anfang viele Auslegungsfragen der sehr formalistischen neuen Strafprozessordnung gemeinsam zu klären waren.»

Beide sehen sie Verbesserungspotenzial im gemeinsamen Umgang, doch das ergebe sich mit der Zeit und werde, je länger die Beteiligten mit der neuen Strafprozessordnung arbeiten, desto besser. Winzenried ist überzeugt, dass die Mitarbeiter sich mit der Zeit gegenseitig besser kennen lernen. «Die Staatsanwälte wissen je länger, je mehr, dass die polizeilichen Sachbearbeiter über Spezialwissen und hohe Fachkompetenz verfügen.»

«Miteinander, nicht gegeneinander»

Von Däniken fügt hinzu: «Die Polizei und die Staatsanwaltschaft arbeiten miteinander und nicht gegeneinander, denn sie haben das gleiche Ziel: Es geht darum, eine strafbare Handlung gemeinsam aufzuklären und anschliessend den Täter einer gerechten Strafe zuzuführen.» Darum hätten sowohl Polizei wie auch Staatsanwälte Interesse an einer gut funktionierenden Zusammenarbeit.

Was Kripochef Winzenried nicht verstehen kann, ist, dass sich anonyme Polizisten zu Wort melden und nicht hinter ihren Aussagen stehen: «Ein solches Verhalten ist eines Polizisten unwürdig und enttäuscht mich.» Ein ehemaliger Polizist hatte der az zu Protokoll gegeben, dass es neben der aktuellen Anklage wegen Tierquälerei von Staatsanwältin Christina Zumsteg gegen zwei Polizisten weitere Beispiele für «Knatsch» untereinander gebe. Auch die Staatsanwaltschaft sagte gegenüber der az, dass «Spannungen» entstehen könnten, weil von Fall zu Fall entschieden werde, welche Aufgaben jeweils an die Polizei delegiert würden.

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