Es war der Tag nach der Ausstrahlung der ersten Folge der Krimiserie «Der Bestatter» im letzten Winter. Fernsehredaktor Thomas Lüthi führte ein Team des Schweizer Fernsehens (SRF) durch Aarau auf der Suche nach inspirierenden Orten für den Krimi. «Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen, die ganze Region stand hinter uns», sagt Lüthi, der in Aarau aufgewachsen ist. «Ich bin happy, dass die Serie in meiner Heimatstadt stattfindet.»

Das sind die Filmschauplätze von «Der Bestatter» in Aarau

Das sind die Filmschauplätze von «Der Bestatter» in Aarau

Bestatter zügelt in den Aargau

Die letzte Staffel wurde vor allem in Zürich gedreht, die Aarauerinnen und Aarauer erkannten nun wenige Orte wieder. Doch nun ist Bestatter Luc Conrad alias Mike Müller gezügelt: Zwar nicht tatsächlich nach Aarau, aber immerhin in den Aargau (siehe Texte unten). Zwölf andere Schauplätze liegen aber wirklich in Aarau. In der ersten Folge heute Abend ist ausserdem das Krematorium im Friedhof Rosengarten zu sehen (Nr. 4 auf der Karte) und das Restaurant Halde 20 (Nr. 2).

Wirt Kamrul Kamruzzaman schloss für die Dreharbeiten sein Restaurant. Kochen musste er nicht, die Filmcrew wünschte nur leere Teller. Der Wirt liess sich zusammen mit den Schauspielern Mike Müller und Carlos Leal fotografieren.

Einen halben Tag nur dauerte der Dreh im Krematorium. In der ersten Folge kann ein Angestellter, als Luc Conrad die Leiche noch einmal sehen will, einen Sarg grad noch vor dem Verbrennen retten. So knapp wird es in Wirklichkeit nie. Laut dem Friedhofleiter Hannes Schneider kommt es aber vor, dass das Gericht anruft und einen Aufschub verlangt.

Echte Maienzug-Teilnehmer

Die zweite Folge ist sehr aarauisch: Sie spielt mitten im Maienzug (5). In der Vinothek «La Passion du vin» (1) an der Laurenzentorgasse kommt es zu einem Familiendrama. Inhaber Matthias Seifritz stellte sein Lokal zwei Tage lang zur Verfügung. Er musste in der Nacht auf den Maienzug die Spuren des Vorabends bis um 5 Uhr morgens beseitigt haben – dann begannen bereits die Dreharbeiten.

Dass die Serienmacher auf sein Lokal stiessen, war Zufall: Das Team mit Thomas Lüthi blieb vor seinem Laden stehen und rätselte, was wohl eine Treber-Wurst sei, die auf einem Schild angepriesen wurde. Darauf lud Seifritz das Team ein, sich seinen Gewölbekeller anzusehen. Seifritz vermittelte dem Team auch gleich Winzer Rolf Wehrli in Küttigen.

Spital und Hotel umbenannt

Auch die Klinik Hirslanden (3) im Schachen ist ein Schauplatz. Allerdings heisst das Spital in der Serie «Spital Aarholz». Dies auch, weil im Fernseh-Spital eine dubiose Ärztin arbeitet, welcher der Bundespolizist wegen Organhandelverdacht auf der Spur ist. Dass das Spital in der Serie nicht positiv dastehe, habe man diskutiert, sagt Angela Menzi vom Marketing der Klinik Hirslanden. «Aber wir fanden schliesslich, wir ziehen es dennoch durch», so Menzi. Die Patienten hätten die Dreharbeiten interessiert verfolgt. So sieht man nun Ermittler Dörig, wie er einen Patienten befragt und im Hintergrund ist die Altstadt zu sehen.

Ebenfalls ein Ort des Verbrechens ist in der Serie das «Hotel Adria» (6). Es steht an der Kasernenstrasse 24 und ist in Wirklichkeit das Sorell Hotel Argovia. Davon wurde aber nur die Fassade gefilmt. Denn im Innern ist es keineswegs düster, wie in der Serie dargestellt. Weil der echte Name an der Fassade auch hier abgedeckt ist, hat die Hotelleitung dennoch das Okay zum Drehen gegeben.

Sogar eine Telefonzelle an der Bahnhofstrasse (7) kommt zu Ehren. Eine Frau telefoniert von da aus mit dem Bundespolizisten, bevor sie den Ort aufsucht, wo ihr Mann vermutlich ein Opfer der Organhändler wurde. Im Hintergrund marschieren ein paar Rekruten in den Ausgang.

Die 5. Folge schliesslich wurde in drei Aarauer Lokals gedreht: In einem Beautysalon (9) an der Vorderen Vorstadt 40, im Mr. Pickwick (11) am Graben und bei Ömers Imbissbude (10), beide am Graben. Der 12. Drehort, der in der 6. und letzten Folge vorkommt, ist in Aarau wohlbekannt, aber noch geheim.

Typisch fürs Mittelland

«Aarau bietet viel», sagt Fernsehredaktor Thomas Lüthi, «und ist gleichzeitig ein noch unbeschriebenes Blatt.» Man habe die Stadt gewählt, weil sie typisch sei für die Schweiz und im Mittelland liege. Das Mittelland gelte als gesichtslos, sagt Lüthi. «Wir wollten den Gegenbeweis antreten. Hier geschehen dieselben spannenden Geschichten wie in Zürich oder Zermatt.»

Alle Folgen: Stroppel-Areal; Untersiggenthal

Alle Folgen: Stroppel-Areal; Untersiggenthal

Vor dem Gebäude steht ein Leichenwagen, neben der Tür klebt ein schwarzes Kreuz: Das ehemalige Industriegelände Stroppel-Areal dient für einmal als Bestattungsinstitut. «Von den Räumlichkeiten geht etwas Faszinierendes aus», meint Künstler Ruedi Sommerhalder, der dort ein Atelier hat. Ihm gefielen beim Dreh vor allem die Gespräche mit den Schauspielern. «Ich habe zum ersten Mal im Leben mit einer Leiche gesprochen», sagt Sommerhalder lachend. Der Leichenwagen und das Kreuz stehen übrigens heute noch auf dem Areal und erschrecken viele Besucher des Kulturangebotes.

Folge 2: Weingut; Küttigen

Folge 2: Weingut; Küttigen

Eigentlich war das Weingut Wehrli nur als Ort einer kleinen Nebenszene in Planung. Als das Fernsehteam die grossen Drehmöglichkeiten entdeckte, blieb es anstatt zwei Tage ganze zwei Wochen. «Das Team war von unserem Betrieb begeistert», verrät Rolf Wehrli, Mitglied des Familienunternehmens. Für den «Bestatter» wurde sogar das alte Rebhüsli gesprengt. Und natürlich floss bei den Arbeiten der eine oder andere Tropfen Wein. «Wir haben viele neue Kollegen und Kunden gefunden», erzählt Rolf Wehrli. Er fügt lachend hinzu: «Mike Müller kommt noch heute bei uns Wein holen.»

Folge 3: Restaurants; Küttigen

Folge 3: Restaurants; Küttigen

In der dritten Folge deckt der Bestatter in den Restaurants Traube und Kreuz Verbrechen auf. Im «Kreuz» wurden die Wände für den Film extra blau gestrichen und das Lokal neu möbliert. «Unser Restaurant heisst im Film zwar gleich, ich erkannte es aber nicht wieder», erzählt die Wirtin Lepa Handanovic. Einen Tag später erstrahlte das Restaurant übrigens wieder im gewöhnlichen Weiss. Und obwohl die Wirtin bestimmt köstliches Essen zubereitet, musste sie für die 50-köpfige Mannschaft ihr Können nicht unter Beweis stellen. «Das Filmteam brachte eine eigene bewegliche Küche mit», erklärt Handanovic.

Folge 4: Schloss Hallwyl; Seengen

Folge 4: Schloss Hallwyl; Seengen

Ein mysteriöser Selbstmord auf Schloss Hallwyl hält Polizei und Bestatter Luc Conrad auf Trab. Die vierte Folge «Gespenster» verspricht eine Atmosphäre, in der die Grenzen zwischen Realität, Traum und Wahn verschwinden. Rund eine Woche dauerten die Dreharbeiten im Wasserschloss, die viele Schaulustige anzogen. Ganze Familien standen dicht gedrängt auf der Zugbrücke des hinteren Schlosses und blickten in den Wassergraben, wo Taucher eine leblose Person geborgen hatten. Wer genau hinsah, erkannte Schauspieler Manuel Löwensberg, Sohn von alt Bundesrat Moritz Leuenberger.

Folge 5 Tankstellenshop; Windisch/Wettingen/Suhr

Folge 5 Tankstellenshop; Windisch/Wettingen/Suhr

Auch das Verkehrsamt in Wettingen, die Metzgerei Strässle in Suhr und der Tankstellenshop Sonnenland in Windisch waren Drehorte der Kriminalserie. Für den Film mussten
die Betriebe teilweise ganz geschlossen werden, wie das zum Beispiel bei der Tankstelle der Fall war. «Unser Geschäft hat an diesem Tag sehr gelitten», bekennt Inhaberin Rosina Meier. Vom Filmteam war sie aber begeistert. «Mike Müller hat überhaupt keine Starallüren.» Er habe mit dem Personal Kaffee getrunken und dabei Autogramme verteilt. «So bodenständig bleibt wahrscheinlich nicht jeder», findet Rosina Meier.