Wenn der Frühling in den Sommer übergeht, sind Wildtiere mehr unterwegs. Füchse zum Beispiel suchen derzeit nach Futter für ihre Jungen und im Juli beginnt bei den Rehen die Brunft. Nicht selten hüpfen diese dann von einem Waldstück ins andere. Dabei durchqueren sie Überlandstrassen, es kommt zu Unfällen.

2400 Wildtiere fielen letztes Jahr den Autofahrern im Aargau zum Opfer, darunter 863 Rehe, 822 Füchse, 348 Dachse und 101 Wildschweine. Marder, Iltisse, Feldhasen, Biber, Eichhörnchen, Waschbären, Hermeline und Gämse mussten ebenfalls auf den Aargauer Strassen ihr Leben lassen. Aufpassen muss man überall – an gewissen Stellen in der Region aber ganz besonders (siehe Grafik).

Wildtier-Unfälle

Wildtier-Unfälle

1. Jagdreviere: Küttigen, Densbüren
(Fallwild 2015: 44 / 6-Jahres-Mittel: 30)
Besonders gefährlich: Staffeleggstrasse

2. Buchs-Suhret, Rohr (61/38)
Hauptstrasse Rohr–Rupperswil,
Aarauerstrasse Rupperswil–Auenstein

3. Rupperswil-Lenzhard (17/17)
Bruggerstrasse Wildegg–Rupperswil,
Aaretalstrasse T5, Hobruetiweg,
Aarauerstrasse Hunzenschwil–Lenzburg

4. Lenzburg-Birch-L., Möriken (24/31)
Brunegg–Othmarsingen, –Möriken

5. Muhen (11/6)
Suhrentalstrasse

6. Seon-Staufen, Schafisheim,
Gränichen-Ost (34/37)
Seoner-, Seetal- und Schürbergstrasse

7. Dintikon-Rietenberg (11/9)
Ammerswil nach Dintikon oder Egliswil

8. Seengen (7/13)
Hauptstrassen von Seengen nach
Egliswil, Hallwil, Boniswil, Sarmenstorf

9. Birrwil-Boniswil (6/12)
Strasse Birrwil–Leutwil

10. Reinach-H./Menziken (23/22)
Brunnenrainstrasse, Hauptstrasse Burg–Rickenbach, Schwarzenbachstrasse nach Beromünster, Neudorfstrasse Reinach–Beinwil am See

Wo Überlandstrassen offene Felder durchschneiden wie etwa in Muhen, können Automobilisten davon ausgehen, dass Füchse in der Nacht über die Strasse laufen. Bei Strassen an Waldrändern sind es meistens Rehe. Ein Ort, an dem besonders oft Unfälle mit Rehen passieren, ist die Hauptstrasse zwischen Aarau Rohr und Rupperswil, die mitten durch den Wald führt. 24 umgefahrene Rehe wurden letztes Jahr in den beiden betreffenden Jagdrevieren gezählt.

Dabei gibt es entlang der Hauptstrasse allerlei Dinge, die die Rehe abschrecken sollten: Aufgehängte CDs und andere Reflektoren werfen das Schweinwerferlicht von heranfahrenden Autos zurück und sollen so Rehe und andere Wildtiere zum Anhalten bringen. An jedem zweiten Leitpfosten sind zudem Wildwarngeräte angebracht, die bei Lichteinfall piepsen.

An den Pfosten kleben Schaumgummis mit Duftstoffen, die Tiere abschrecken sollen. Trotz aller Bemühungen: Solange der geplante Wildtierkorridor von der Aare bis nach Gränichen nicht gebaut werde, werde es auf der Strecke weiterhin zu einigen Unfällen kommen, sagt Jagdaufseher Peter Müller. Immerhin sei bei der ebenfalls geplanten Sanierung der Strasse auch eine elektronische Warnanlage geplant, wie sie letztes Jahr zwischen Schafisheim und Seon gebaut wurden.

Ein Allheilmittel gibt es nicht

Nach Programmierungsfehlern laufen die beiden Anlagen dort inzwischen einwandfrei, sagt Jagdaufseher-Stellvertreter Guido Rütsche. 150 000 Franken hatte der Kanton dafür bezahlt. Geld, das anderen Jagdrevieren fehlt. In Seengen etwa wären piepsende Wildwarngeräte zwar gefragt, aber teuer, sagt Jagdaufseher Samuel Häusermann.

«Wir jagen, um den Wildtierbestand im Griff zu halten.» Beim nahen Revier Dintikon-Rietenberg berichtet Jagdaufseher Ulrich Brühlmann sowieso, dass sich die Rehe mit der Zeit an das Piepsen gewöhnen. Karl Hochstrasser, Jagtaufseher in Möriken-Chestenberg und Lenzburg-Birch-Lind, erzählt zudem von Vandalen, die die Pfosten mit den Wildwarngeräten manchmal umkippen. Dabei ist die Problematik ernst. «Ich habe zum Glück noch keinen Wildtierunfall mit verletzten Personen erlebt, aber die Autos sind danach oft schrottreif», sagt er.

Und selbst wenn dem Auto nichts passiert: Wildtierunfälle müssen immer der Polizei gemeldet werden, auch wenn ein Tier nach dem Aufprall weiterlaufen sollte. Automobilisten droht sonst eine Anzeige wegen Tierquälerei. Seit einem Jahr gibt es dafür eigens eine App fürs Handy, die automatisch die genaue Unfallstelle den Behörden weiterleitet.