Der Wetteralarm von SRF Meteo und der Aargauischen Gebäudeversicherung am 8. Juli 2017 klang nicht übermässig dramatisch: «Stufe 2 – Gewitter mit Hagelgefahr/Sturmböen – Aarau/ Lenzburg – Lamellenstoren hochziehen – ab sofort bis 18 Uhr.»

Ein solcher Alarm der Stufe 2 wird rund 20-mal pro Jahr ausgelöst, er ist orange markiert und warnt vor einer erheblichen Gefahr. «Schäden an Hab und Gut sind zu befürchten», heisst es auf der Website von Wetteralarm Schweiz.

Überschwemmung an der Erikaweg und Luzernerstrasse in Zofingen

Leservideo am vom 8. Juli: Überschwemmung an der Erikaweg und Luzernerstrasse in Zofingen

    

Kurz nach diesem Alarm folgten für Albin Seiler, Kommandant der Zivilschutzorganisation Suhrental-Uerkental, und seine Kollegen mehrere Meldungen der Kantonalen Notrufzentrale. Innerhalb von 40 Minuten gingen auf den Handys der Zivilschützer drei Aufgebote ein, das letzte zeigt den Ernst der Lage: «Sofort Einrücken in KP Kölliken infolge Elementarereignis.»

Tatsächlich zog kein Sturm der Stufe 2 über die Stadt Zofingen und das Uerkental, sondern «wohl das schlimmste Unwetter, welches die Region in den letzten hundert Jahren erlebt hat», wie Seiler später in seinem Bericht zum Zivilschutzeinsatz schrieb.

Es ging für die Bewohner der Region nicht darum, Hagelschäden an den Storen zu vermeiden, sondern sich vor riesigen Wassermassen in Sicherheit zu bringen. «Ich selber habe noch nie, nicht einmal während meiner 20-jährigen Feuerwehrtätigkeit, ein solch grosses Unwetter mit dieser enormen Schadenfolge erlebt.»

Wassermassen überfluten Unterführung in Zofingen

8. Juli 2017: Wassermassen überfluten Unterführung in Zofingen

  

Allein bei der Aargauischen Gebäudeversicherung gingen über 5000 Schadenmeldungen ein, die Schadensumme liegt bei rund 90 Millionen Franken. Zählt man die Schäden dazu, die bei privaten Versicherungen gemeldet wurden, summiert sich die Summe auf rund 150 Millionen Franken.

Rückblickend war das Unwetter vom 8. Juli ein Ereignis, das statistisch gesehen weniger als einmal in hundert Jahren vorkommt. Laut der kantonalen Gebäudeversicherung war der verheerende Sturm vergleichbar mit dem Jahr 1999, als Überschwemmungen im Frühsommer und vor allem der Wintersturm Lothar im Aargau für grosse Schadensummen sorgten.

Aufräumarbeiten nach Unwetter in Zofingen

Sda-Video vom Juli 2017: Die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter in Zofingen

   

Und auch der Aufwand der Einsatzkräfte war enorm. Als die Zivilschutz-organisation Suhrental-Uerkental am Samstagabend des 8. Juli aufgeboten wurde, dachte wohl niemand, dass der Dienst 14 Tage dauern würde.

In diesen zwei Wochen standen «neun Zivilschutzorganisationen aus dem ganzen Kanton solidarisch im Einsatz», fasst Seiler zusammen. Sie leisteten rund 1150 Manntage, an einigen Tagen standen 160 Angehörige des Zivilschutzes zur Bewältigung der massiven Überschwemmungen im Einsatz.

Bahnhofparking Zofingen überflutet

Leservideo vom 8. Juli: Bahnhofparking Zofingen überflutet