Legislatur

Das sagen die 32 neuen Grossrätinnen und Grossräte vor der ersten Sitzung

Am Dienstag tagt der Grosse Rat erstmals in der neuen Amtsperiode. Für 32 Grossrätinnen und Grossräte beginnt damit ein neues Kapitel: Sie wurden im Oktober in den Grossen Rat gewählt. Mit welchem Gefühl starten sie in ihre erste Legislatur? Die AZ hat nachgefragt.

Yannick Berner, FDP, Aarau

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Yannick Berner (28, FDP) sieht dem Start motiviert entgegen: Dank seines Amts als Aarauer Einwohnerrat ist er den Parlamentsbetrieb gewohnt. Beruflich sei er so flexibel, dass er das Pensum nicht anpassen müsse, sagt der Betriebswirt, der als Director Digital und Marketing im Familienunternehmen Urma tätig ist. Und sein Hobby, die Musik, könne er derzeit coronabedingt sowieso nicht ausleben.  Es ist vorgesehen, dass Berner in der grossrätlichen Geschäftsprüfungskommission Einsitz nimmt. Seinen politischen Schwerpunkt sieht er «ganz klar in der Förderung des Werkplatzes»: gute Rahmenbedingungen für Unternehmen – besonders KMU – und Innovation sowie Digitalisierung sind ihm wichtig. Vorstösse sind schon geplant.

Barbara Borer-Mathys, SVP, Holziken

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Barbara Borer-Mathys (SVP, Holziken) sieht dem heutigen Tag mit einer Mischung aus Aufregung und Freude entgegen: «Die Vereidigung wird sicher ein ehrenvoller Moment.» Die 37-Jährige wird gemäss dem Vorschlag ihrer Partei in der Kommission für Justiz (JUS) Einsitz nehmen. Das macht für die Rechtsanwältin aus Holziken Sinn. Sie hat auch schon zwei Geschäfte zugewiesen bekommen,  mit denen sie sich innerhalb der Fraktion vertieft befassen darf. «Wenn man das seriös machen will, ist es schon ein Aufwand», erklärt Barbara Borer-Mathys. Sie hat seit ihrer Wahl viel Post erhalten – vor allem in Form von Emails. Sie fühlt sich vom Parlamentsdienst und den Fraktionskollegen gut betreut. Am Einführungstag im Grossratsgebäude konnte sie nicht teilnehmen, weil sie beruflich verhindert war.

Thomas Baumann, Grüne, Suhr

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«Ich freue mich richtig», erklärt Thomas Baumann (Grüne, Suhr) vor seinem ersten Tag als Grossrat. «Die Einführung für uns Frischlinge war super.» Der 60-jährige Baumann meint damit nicht nur den Tag im Grossratsgebäude in Aarau, sondern auch die Unterstützung durch den Parlamentsdienst.  «Wirklich hoch professionell.» Baumann gehört schon viele Jahre dem Gemeinderat Suhr an. Er leitet dort das Ressort Bau, Verkehr und Umwelt.  Seine Erfahrungen wird er auch im Grossen Rat einbringen können. Baumann wird für die Grünen der Kommission Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung (UBV)  angehören. Bio-Bauer, Naturama-Angestellter, Gemeinderat und jetzt Grossrat: Ist das alles zeitlich zu schaffen? Baumann kann es im Moment noch nicht abschätzen. Er hat sich gut organisiert und wird nach vier Monaten schauen, ob er wo allenfalls kürzer treten muss.

Adrian Meier, FDP, Menziken

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Er ist erst 30 Jahre alt und gibt schon ein Comeback: Adrian Meier (FDP, Menziken) zieht nach vier Jahren Zwangspause wieder ins Parlament ein. «Ich habe mich schon Mitte Dezember riesig gefreut, als erstmals Grossrats-Post kam», sagt Meier. «Für mich ist es wie ein Heimkommen.» Der Start sei definitiv anders, als er vor acht Jahren (Meier war damals 22!). «Ich werde in der Fraktion nicht mehr als Greenhorn angesehen.» Das habe sich auch bei der Vergabe der Kommissionssitze gezeigt. «Ich bekam meine Wunschkommission: Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung (UBV).» Dort wird sich Adrian Meier etwa bei der für das Wynental wichtigen Frage eines allfälligen A1-Anschlusses  bei Suhr einbringen können

Mirjam Kosch, Grüne, Aarau

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Seit September lebt Mirjam Kosch (35) abwechslungsweise in Aarau und in Potsdam (D), wo sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Klimafolgenforschung tätig ist. «Mein Arbeitgeber ist glücklicherweise sehr flexibel», sagt die Grüne. «Ich kann auch aus der Schweiz oder auf den Zugfahrten arbeiten – somit lässt sich mein neues Amt gut mit meinem neuen Job vereinbaren.» Kosch wird der Kommission für Volkswirtschaft und Abgaben (VWA) angehören. Sie rechnet damit, dass die Pandemie das Parlament in dieser Legislatur häufig beschäftigen wird. «Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Kanton Aargau diese Chance nutzt und allfällige Konjunkturprogramme konsequent den Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft fördern. Konkret heisst das: Investitionen in nachhaltige Mobilität, Gebäudesanierungen, Kreislaufwirtschaft, und so weiter. Sämtliche mittel- und langfristigen Investitionen müssen den Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft unterstützen.»

Urs Winzenried, SVP, Aarau

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Kein Lampenfieber verspürt Urs Winzenried (SVP, Aarau): «Ich habe das Gefühl, dass ich im Grossen Rat den Tritt relativ rasch finden werde.» Schliesslich kennt der 70-Jährige dessen Betrieb schon aus der Ferne – aus seiner Zeit bei der Kantonspolizei. Und wie der Hase in einem Parlament läuft, weiss er dank seines Mandats als Einwohnerrat in Aarau. Etwas schade findet Winzenried, dass die erste Sitzung in Spreitenbach stattfindet: «Als Aarauer wäre ich gerne in den Grossratssaal gegangen.» Der ehemalige Kripo-Chef soll Mitglied der Kommission für öffentliche Sicherheit (SIK) werden. Das Einwohnerratsmandat wird er – ganz sicher vorderhand – nicht aufgeben. Die zeitliche Belastung des Grossratsmandats hält sich vorerst in Grenzen. Die nächsten zwei Sitzungstage sind bereits abgesagt. Nach heute Dienstag geht es erst am 16. März weiter.

Ignatius Ounde, GLP, Gränichen

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Der Gränicher Grünliberale Ignatius Ounde (40) wird der Justizkommission (JUS) angehören. Schwerpunkte will der Marathonläufer im Bereich Gesundheitspolitik, Familie und Arbeit, Digitalisierung und Umwelt setzen. Seinen Job als Onkologiepfleger am Kantonsspital Aarau kann er so organisieren, dass er das Pensum nicht reduzieren muss. Ounde ist vor Weihnachten an Covid-19 erkrankt und hat die letzten Tage der Isolation genutzt, um sich in seine neuen Aufgaben einzulesen. «Die Parlamentsdienste haben uns alles sehr gut erklärt.»

Brigitte Vogel, SVP, Lenzburg

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Ihr Pensum an der Berufsschule in Lenzburg hat Brigitte Vogel (SVP, Lenzburg) bereits für ihr Amt als Grossrätin reduziert. «Ich habe mir den Dienstag freigeschaufelt», erklärt die 51-Jährige. Vogel freut sich sehr auf ihr Amt: «Ich war schon lange nicht mehr so kribblig vor einer neuen Aufgabe», sagt sie. Auch an den ersten Fraktionssitzungen hat Brigitte Vogel schon teilgenommen. «Wir wurden relativ schnell von der Partei miteinbezogen», sagt sie.  Vogel wird im grossen Rat ausserdem in der Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen (KAPF) sitzen, ihre Wunschkommission, wie sie sagt.

Karin Faes, FDP, Schöftland

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Karin Faes (50, Schöftland) hat mit ihrer Wahl für die FDP Kulm den zweiten Grossratssitz zurückerobert, den die Partei vier Jahre zuvor verloren hatte und hat einen Überflug vom sechsten auf den zweiten Listenplatz hingelegt. «Die Zeit seit den Wahlen ist wahnsinnig schnell verflogen», sagt sie. Nach den ersten Tagen der Gratulationen seien vorbereitende Gespräche, digitale Partei – und Fraktionssitzungen und des Studium von Berichten und Grundlagepapieren angestanden. «Nun freue ich mich sehr darauf meine Ratskollegen aller Parteien kennen zu lernen», so Faes.

Renate Häusermann, SVP, Seengen

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Renate Häusermann (44, SVP) hat sich bereits durch diverse Akten gelesen, die sie bekommen hat. Und auch die vielen Briefe und Karten, welche sie erhalten hat, hat die Seengerin beantwortet. «Ich war überwältigt von all den Gratulationen», sagt sie. Für ihr neues Mandat fühlt sich Häusermann gut vorbereitet: «Es gab einen Informationstag für alle Frischgewählten, an dem vieles erklärt wurde», sagt sie. Sie wisse schon genau wo ihr Platz sei, sowohl in Spreitenbach als auch in Aarau. Im Grossen Rat wird Häusermann in der Kommission Volkswirtschaft und Abgaben (VWA) sitzen. Renate Häusermann arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum auf dem Weingut Lindenmann in Seengen, reduzieren wird sie nicht. «Aber meine Tochter wird ein Mal pro Woche zum Mittagessen bei ihrer Grossmutter sein», sagt Häusermann.

Luzia Capanni, SP, Windisch

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Dass sie bei den Gesamterneuerungswahlen gleich den Sprung ins Kantonsparlament geschafft hat, verdankt Luzia Capanni (SP) aus Windisch ihrem Parteikollegen Dieter Egli. Dieser wurde Mitte Oktober zum neuen Aargauer Regierungsrat gewählt. Als Vorbereitung auf ihr Amt hat Capanni mit verschiedenen Fraktionskollegen und -kolleginnen Gespräche geführt sowie an der Informationstagung für Mitglieder des Grossen Rats der Legislaturperiode 2021–24 teilgenommen. Sie freue sich, auf kantonaler Ebene mitzuwirken und somit Entscheide mitbeeinflussen zu können.

«Als Grossrätin bin ich nicht nur privilegiert, weil ich politisch die Gesellschaft mitgestalten kann, sondern auch, weil ich es mir leisten kann, für dieses Amt mein Arbeitspensum um 20 Prozent zu reduzieren. Mein Arbeitgeber ist die Stadt Baden, wo ich ab Januar noch zu  60 Stellenprozenten im Aufbau der Regionalen Fachstelle Integration tätig bin», fährt die Windischerin fort. So könne sie auch weiterhin die Verantwortung in der Betreuung ihrer beiden Kinder mittragen. «Politik, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen ist ein Balanceakt, der nur dank der grossen Unterstützung meines Lebenspartners machbar ist.»

Als SP-Einwohnerrätin in Windisch sei es für politische Vorstösse oft relativ einfach, die nötige Unterstützung zu finden. Im Grossen Rat sind die politischen Kräfte jedoch wesentlich anders verteilt. «Das wird für mich eine neue Herausforderung sein und ich werde einen langen Atem benötigen», sagt Capanni. Sie wird in der Kommission für öffentliche Sicherheit (SIK) Einsitz nehmen und freut sich darauf, sich in dieses teilweise neue Themenfeld einzuarbeiten.

Markus Lang, GLP, Brugg

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Nicht mehr gross einarbeiten muss sich Markus Lang aus dem Brugger Stadtteil Umiken. Er gehörte dem Grossen Rat bereits einmal an, schied vor vier Jahren aber aus, weil die Grünliberalen im Bezirk Brugg ihren Sitz verloren hatten.

«Die Sitzung am Dienstag steht im Zeichen von Wahlen und Ansprachen. Es gibt aber auch bereits ein sehr wichtiges Geschäft zu behandeln, bei dem es um Finanzhilfen für Wirtschaft, Kultur und Sport aufgrund von Corona geht», hält Lang fest. Er hoffe sehr, dass der Kanton alles daran setze, so rasch und effizient wie möglich die anstehenden Massenimpfungen durchzuführen. «Gelingt das nicht, sind kritische Vorstösse im Parlament garantiert.»

Ihm scheint, dass die Konsensfindung in den letzten Jahren anspruchsvoller geworden ist. «Grabenkämpfe und Extrempositionen gehören zum Politbetrieb», sagt Lang. Herausfordernd werde es sein, die Konsensfindung als wesentliches Merkmal der politischen Kultur in der Schweiz weiterhin zu pflegen und zu bewahren.

Die Kontakte mit allen möglichen Akteuren aus den unterschiedlichsten Berufs- und Gesellschaftskreisen innerhalb und ausserhalb des Parlaments empfindet Lang als bereichernd. «Und wenn daraus etwas entsteht, was unseren Kanton im positiven Sinn verändert und vorwärtsbringt, freut es mich umso mehr.»

Der Brugger hat eine 45-Prozent-Anstellung als Schulleiter. Zeitlich flexibler ist er bei seinen anderen Tätigkeiten als selbstständiger Berater im Bereich Supervision, Intervision und Coaching sowie bei seinen gelegentlichen Einsätzen als Lastwagen- und Carchauffeur.

Der Grünliberale darf wieder in der bildungspolitische Kommission Einsitz nehmen. Mit den anstehenden Geschäften ist er vertraut. Er wird sich beispielsweise für eine Kantonsschule in Windisch einsetzen.

Jonas Fricker, Grüne, Baden

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«Es ist für mich wie eine freudige Heimkehr. Ich sass ja bereits von 2007 bis 2010 im Grossen Rat. Im Vergleich zu damals bin ich auch dank meiner Erfahrung im Nationalrat nun politisch ein alter Hase, und ich weiss, welche Ziele realistisch sind. Meine Hauptanliegen sind nach wie vor der Klima- und Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Biodiversität. Ich bin überzeugt, dass es mir dank meiner integrativen Art gelingen wird, für diese wichtigen Anliegen Mehrheiten zu finden.»

Carol Demarmels, SP, Obersiggenthal

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«Als Einwohnerrätin bin ich den Politbetrieb gewohnt, dennoch bin ich gespannt, was im Grossen Rat auf mich zukommt. Im privaten und beruflichen Umfeld habe ich mich organisatorisch auf das neue Amt vorbereitet, politisch habe ich mich in die aktuellen und anstehenden Geschäfte eingelesen. Meine Schwerpunkte sind Bildung, Familie und Gleichstellung, hier sehe ich Baustellen im Aargau. Aber mir ist auch bewusst, dass derzeit die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bewältigung der Coronakrise Vorrang hat.»

Philippe Ramseier, FDP, Baden

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«Ich gehe mit grosser Neugier und Offenheit an meine erste Sitzung. Konkrete Ziele habe ich mir kurzfristig nicht gesetzt: Erst will ich mir ein Bild machen. Ganz neu wird der Ratsbetrieb für mich wohl nicht sein: Ich war vor meiner Wahl in den Badener Stadtrat bereits mehrere Jahre im Einwohnerrat tätig. Klar ist: Wenn ich Verbesserungspotenzial sehe und wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich aktiv. Aber ich bin kein Politiker, der Vorstösse macht wegen der Schlagzeilen, nur um im Gespräch zu sein.»

Petra Kuster, SVP, Neuenhof

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«An verschiedenen Veranstaltungen wurden wir Neuen auf die Arbeit im Grossen Rat vorbereitet. Als ‹Gotte› steht mir zudem Parteikollegin Michaela Huser zur Seite. Mit meinen elf Jahren Erfahrung als Gemeinderätin habe ich mich in den Unterlagen gut zurechtgefunden. Dennoch wird es in der Fraktion ein anderes Zusammenarbeiten sein als im Gemeinderat. Zu Beginn will ich mir keine zu hohen Ziele stecken, es dauert wohl nahezu eine Legislaturperiode, um sich anzupassen und einzuarbeiten.»

Isabelle Schmid, Grüne, Tegerfelden

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«Mit der Wahl in den Gemeinderat letzten Februar und dem Sprung in den Grossen Rat im Herbst ist für mich eine neue Welt aufgegangen. Ich befinde mich in einem spannenden Lernprozess, der in dieser Form nicht vorhersehbar war. Die Freude auf den Ratsbetrieb ist jedenfalls riesig. Am Informationstag Ende Jahr konnten wir neu Gewählten schon einmal etwas Grossratsluft schnuppern. Und der erste Eindruck war sehr positiv. Es herrschte ein freundschaftliches Verhältnis über die Parteigrenzen hinweg.»

Christian Keller, SVP, Untersiggenthal

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«Ich bin sehr gespannt auf die neue Aufgabe, auf die ich mich so gut wie möglich vorbereitet habe. Obwohl heute noch nicht sehr viel traktandiert ist, habe ich mich in anstehende Geschäfte eingelesen. Als SVP-Grossrat gehört es auch dazu, in einer der zahlreichen Kommissionen Einsitz zu nehmen. Ich wurde bereits der «Allgemeinen Verwaltung» zugeteilt. Nun geht es mir aber darum, den Ratsbetrieb kennenzulernen. Dafür habe ich auch eine Art «Götti» innerhalb der Fraktion, der mir zur Seite steht.»

Manuela Ernst, GLP, Wettingen

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«An der heutigen Sitzung möchte ich vor allem den Ratsbetrieb kennen lernen. Ich freue mich auch darauf, die anderen Grossrätinnen und Grossräte zu treffen. Leider konnte ich im November am Informationstag nicht teilnehmen und habe deshalb auch meine Fraktion noch nicht vollzählig kennen gelernt. Ich bin deshalb ebenso auf die vorhergehende Fraktionssitzung gespannt und werde da schon meine ersten Ideen einbringen. Die will ich zuerst dort besprechen. Ich will mich langsam herantasten.»

Leandra Knecht, GLP, Wettingen

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«Ich starte das neue Jahr nicht nur als Grossrätin, sondern habe am Montag auch noch eine neue Stelle angetreten. Das wird eine wahnsinnige Woche. Gleich zwei solche Herausforderungen auf einmal ist speziell. Ich habe eine Achterbahnfahrt der Gefühle hinter mir, meine Wahl kam ja völlig unerwartet. Ich freue mich aber sehr, dass mir so viele Menschen Vertrauen schenken und ich diese Chance als Grossrätin wahrnehmen darf. Neben Gesundheit und Umwelt liegen mir Bildung und Forschung am Herzen.»

Hampi Budmiger, GLP, Muri

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In einem Punkt sind sich die frisch gewählten Grossräte über die Parteigrenzen hinweg einig: Während der ersten Grossratssitzung, die am Dienstag in Spreitenbach stattfindet, hört man zu und meldet sich nicht zu Wort. «Das wird nicht gerne gesehen», weiss Hampi Budmiger aus Muri, der für die GLP in den Grossen Rat gewählt wurde.

Trotz selbstauferlegter Zurückhaltung: Budmiger hat seinen ersten Vorstoss bereits formuliert. Er setzt sich dafür ein, dass Aargauer Hausärzte künftig Medikamente verkaufen können. «Die Hausärzte aller unserer benachbarten Kantone praktizieren diese Selbstdispensation bereits», präzisiert er den Missstand, den er als Standortnachteil bezeichnet. Das habe er bereits während seines Wahlkampfs versprochen und dieses Versprechen halte er ein. Zudem hofft der selbstständige Unternehmer und Gemeindepräsident von Muri, dass er in die grossrätliche Gesundheitskommission gewählt wird, für die er von seiner Partei portiert wurde.

Rita Brem-Ingold, CVP, Oberwil-Lieli

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Gespannt auf ihre neue Aufgabe, den Tagungsort Spreitenbach und die Abläufe im Rat ist die CVP-Grossrätin Rita Brem-Ingold aus Oberwil-Lieli.  Sie nimmt an der heutigen Sitzung mit einer Mischung aus Spannung und Respekt vor der neuen Aufgabe teil, sagte sie auf Anfrage.

Sie werde die Interessen ihrer Region vertreten, so die Obst- und Rebbäuerin, die auch als Trauerbegleiterin arbeitet. «Meine Hauptanliegen sind Mensch  und Umwelt, beides geht ohne das andere nicht», präzisiert sie. Biodiversität und nachhaltige Produktion sind ihr ein Anliegen, und das will sie auch im Grossen Rat voranbringen. Mitarbeiten möchte sie zudem bei Fragen im Gesundheitswesen. Kommentierend sagt sie dazu: «Das Thema ist ja derzeit brandaktuell.»

Erst gelte es aber auch für sie, sich mit den Aufgaben und Arbeiten des neuen Amtes vertraut zu machen. «Ich werde bestimmt viel Neues lernen.» 

Lukas Huber, GLP, Berikon

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Der Beriker Lukas Huber, der neu für die GLP im Grossen Rat Einsitz nimmt, will die digitale Transformation innerhalb der Verwaltung voranbringen. «In dieser Sache haben Kanton und Gemeinden noch einen langen Weg vor sich», prognostiziert er. Erst gelte es aber auch für ihn, sich seriös einzuarbeiten, «es bringt nichts, wenn man mit unüberlegten Vorstössen Nebelpetarden legt», verdeutlicht der dreifache Vater, der Mitglied der Geschäftsleitung des Zürcher Obergerichtes ist. Ein wichtiges Anliegen ist dem nebenamtlichen Ersatzrichter am Bezirksgericht Winterthur zudem die Institutionalisierung des Dialoges zwischen Wissenschaft und Politik.

Roland Büchi, SVP, Wohlen

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Der Wohler Roland Büchi ist der Vierte im Bunde. Er wird die Anliegen der SVP und des Freiamtes im Grossen Rat vertreten. «Ich lasse es einfach mal auf mich zukommen und bin gespannt, wie diese erste Sitzung wird», sagt der technische Angestellte. Er werde sich für das Freiamt und für Wohlen einbringen und dabei natürlich nicht  die Linie seiner Partei verlassen.

Beat Käser, FDP, Stein

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Beat Käser (FDP) reist mit «einem guten Gefühl» nach Spreitenbach, wo der Grosse Rat coronabedingt tagt. Er freue sich auf das neue Amt, habe aber gleichzeitig Respekt davor. Der Gemeindeammann von Stein, der zwischen Bernhard Scholl und Bruno Tüscher sitzen wird, hat sich auf die Geschäfte, die am Dienstag traktandiert sind, gut vorbereitet.

Wie will er starten? «In der Ruhe liegt die Kraft», sagt Käser, der sich im Grossen Rat mit Themen positionieren will wie dem drohenden Verkehrskollaps im Fricktal, dem zu grossen administrativen Aufwand für Unternehmen oder dem Schutz des Kulturlandes für eine nachhaltige Landwirtschaft. Als Gemeindeammann will er sich zudem gegen weitere Kostenverlagerungen auf Gemeinden wehren.

Carole Binder-Meury, SP, Magden

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Carole Binder-Meury (SP) ist «sehr gespannt, auch ein wenig aufgeregt» vor der ersten Sitzung. Die Gemeinderätin aus Magden freut sich «aufs Kennenlernen des gesamten Rates». Ein kleiner Wermutstropfen: «Leider kann aufgrund der Coronasituation die Inauguration nicht wie gewohnt in einem festlichen Rahmen stattfinden, was ich bedaure», so Binder.

Die neue Grossrätin, die neben Claudia Rohrer und Silvia Dell’Aquila sitzen wird, freut sich darauf, aktiv mitwirken und Anliegen der Bevölkerung einbringen zu können.

Respekt hat Binder vor der Komplexität der Themen. «Es wird sehr zeitintensiv werden, zu den verschiedenen Geschäften umfassend Bescheid zu wissen, alle Zusammenhänge zu verstehen und mir dazu eine Meinung bilden zu können», ist sie sich bewusst. Dabei werde einerseits die Zusammenarbeit in der eigenen Partei helfen, «andererseits ist es mir jedoch auch ein Anliegen, über die Parteigrenzen hinaus kompromissfähige Lösungen zu finden. Dabei möchte ich immer mit gesundem Menschenverstand agieren und mich selber bleiben.»

Wie Käser hat sich auch Binder gut auf die erste Sitzung vorbereitet und sich in die aktuellen Geschäfte eingelesen. In den ersten Sitzungen will sie zuerst einmal schauen, wie der Ratsbetrieb läuft, und vor allem im Hintergrund versuchen, unterstützend mitzuwirken. «Es ist mir wichtig, in Zukunft nicht an der Quantität von meinen Vorstössen, sondern an deren Qualität gemessen zu werden.»

Wichtig sind Binder Themen aus dem Bildungs- und dem Gesundheitsbereich. «Vor allem in der jetzigen Zeit zeigt sich, wie wichtig ein gut funktionierendes Gesundheitssystem ist. Dieses muss unbedingt gestärkt werden», ist Binder überzeugt.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung erachtet sie als eine grosse Herausforderung. «Das 2021 wird hoffentlich viele Verbesserungen in allen Bereichen bringen», sagt Binder, weiss aber auch: «Es braucht immer noch grosse Anstrengungen und Verzicht von uns allen, um dies zu erreichen.»

Einsetzen will sich Binder für des Gesundheitszentrum Fricktal und dessen langfristige Zukunft. Auch die Bildung mit der zukünftigen Mittelschule und dem Berufsbildungszentrum und die Sicherung von Arbeitsplätzen sind für sie wichtige Themen. Sie möchte sich zudem generell dafür einsetzen, «dass das Fricktal nicht zu kurz kommt und selbstbewusst wahrgenommen wird».

Emanuel Suter, SVP, Gipf-Oberfrick

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Emanuel Suter (SVP) reist am Dienstag «mit grosser Freude, Stolz und selbstverständlich auch einer gewissen Aufregung» nach Spreitenbach. Der Rechtsanwalt aus Gipf-Oberfrick freut sich speziell auf die Inpflichtnahme, aber auch auf die Atmos­phäre. «Es ist für mich eine grosse Ehre, Teil des Grossen Rats sein zu dürfen.»

Respekt hat Suter, der zwischen Christoph Riner und Kathrin Hasler sitzen wird, vor der Arbeitslast und der Mehrfachbelastung durch Beruf, Politik, Militär und Privatleben. Für den ersten Tag im Grossen Rat hat er die Unterlagen gut studiert. «Alles Weitere wird sich im Laufe der Zeit ergeben», sagt Suter. In der ersten Sitzung möchte er zunächst vor allem beobachten und lernen, wie man was am besten macht. «Entsprechend habe ich noch keine Vorstösse geplant.»

Wichtig sind Suter die Bewahrung von Freiheit und Gemeindeautonomie. «Der Grundsatz muss lauten, dass die Probleme dort zu lösen sind, wo sie auftreten.» Der Kanton solle nur das kantonal regeln, was alle betreffe. Ihm ist es auch wichtig, dass der Kanton dezentral und mit seinen teils kleinräumigen Strukturen und kleinen Gemeinden erhalten bleibt. «Gerade der Druck des Kantons auf die Zusammenlegung von Schulen ist für mich ein Beispiel, wie wichtige Pfeiler der Gemeinden kaputtgemacht werden.»

Suter möchte den Gemeinden im Grossen Rat Gehör verschaffen. «Als Grenzregion stehen wir auch punkto Bevölkerungswachstum stark unter Druck», so Suter. «Ich möchte, dass das Fricktal seine Gemeindelandschaft und seinen ländlichen Charakter bewahrt. Deshalb steht für mich Wachstum nicht über allem.»

Dominik Gresch, GLP, Zofingen

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«Voraussichtlich werde ich in der Kommission Volkswirtschaft und Abgaben Einsitz nehmen. Darauf freue ich mich sehr, denn so kann ich zeigen, dass sich die glp nicht nur für ökologische Ziele, sondern auch für Anliegen aus der Wirtschaft einsetzt. Dazu wird ein enger Austausch mit den Wirtschaftsverbänden des Kantons Aargau nötig sein. Am Dienstag werden wir noch vor der ersten Grossratssitzung eine Fraktionssitzung haben. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit in der Fraktion, in der ich mich sehr wohl fühle, aber auch mit den Grossratskolleginnen und -kollegen aus anderen Parteien.»

Stefan Giezendanner, SVP, Zofingen

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«Wir wurden vom Grossratssekretariat gut auf die neue Aufgabe vorbereitet und mit allen wichtigen Informationen aufdatiert. Rechtzeitig zu den Festtagen gab es einen grossen Stapel mit Akten, in die ich mich stark eingelesen habe. Das war auch notwendig, denn mit dem Finanzhilfen für Wirtschaft, Kultur und Sport infolge der Pandemie steht schon in der ersten Sitzung ein sehr wichtiges Geschäft an. Die SVP ist auch eine Gewerbepartei, und wir werden sicher unsere Haltung bezüglich Massnahmen bekräftigen, konkret, dass die Regierung diese reduziert.» 

Tobias Hottiger, FDP Zofingen

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«Ich freue mich sehr, dass es jetzt losgeht. Gut für mich ist, dass Sabina Freiermuth von der FDP Zofingen unsere Fraktionspräsidentin ist. Wir kennen uns gut, der Dienstweg ist kurz, falls ich Fragen haben sollte», erklärt Tobias Hottiger. In das anstehende Sachgeschäft, die Finanzhilfen für Wirtschaft, Kultur und Sport, habe er sich gut eingelesen. «Die Zeit bis zur nächsten Sitzung im März will ich nutzen, um mich intensiv mit meinen Schwerpunkt-Dossiers in der Gesundheits- und Sozialpolitik zu befassen. Vorgesehen ist, dass ich in der GSW, der Kommission für Gesundheit und Sozialwesen Einsitz nehme.»

Alice Sommer, Grüne, Zofingen

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«Ich habe die Dossiers gelesen und mich mit meinen Parteigspänli ausgetauscht. Da ich wohl in der Kommission Gesundheit und Sozialwesen Einsitz nehmen werde, hatte ich auch schon mit Parteikollege Severin Lüscher Kontakt», sagt Sommer. Zudem habe sie auch mit ihrer Vorgängerin Viviane Hösli telefoniert, da sie als Frau und Mutter in der gleichen Ausgangslage war, als sie ihr Amt antrat. «Sie hat mir den Tipp gegeben, mich zu Beginn auf die Kommissionsarbeit zu fokussieren. Mir ist wichtig, dass eine gute Gesundheitsversorgung für alle bezahlbar und zugänglich ist. Dafür werde ich mich einsetzen.»

Martin Bossert, EDU, Rothrist

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«Bereits am Tag nach der Wahl wurde ich von der SVP kontaktiert und mit Informationen bedient. Dabei konnte ich meine Wunschkommission – das BKS – anmelden. Als <Aussenstehender> erachte ich es nicht als selbstverständlich, dass diesem Wunsch entsprochen wurde. Von der Fraktion fühle ich mich sehr gut getragen. Nach dem hilfreichen Einführungstag des Kantons Ende November habe ich mich eingehend mit der elektronischen Dateiablage und den dort abgelegten Akten zur ersten Sitzung befasst. Meine diesbezüglichen Fragen konnte ich effizient mit meinem Vorgänger Martin Lerch klären, der mir eine grosse Hilfe ist.»

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