Regierungsratswahlen
Das rote Logo wurde blau – wie politisiert Yvonne Feri wirklich?

SP-Kandidatin Yvonne Feri ordnet sich vor dem zweiten Wahlgang der Regierungsratswahl dem rechten Flügel ihrer Partei zu – zu Recht?

Manuel Bühlmann
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Will in die Regierung: Yvonne Feri.

Will in die Regierung: Yvonne Feri.

Sandra Ardizzone

Das Rot ist verschwunden. Stattdessen leuchtet das Logo der Sozialdemokratischen Partei blau auf dem Inserat. Aargauer Blau. Yvonne Feri bedankt sich bei ihrer Wählerschaft, die im ersten Wahlgang bis in die politische Mitte hineinreichte, besonders bei CVP-Wählern, wie eine Nachwahlbefragung im Auftrag der az zeigte.

Am 27. November kommt es zum Dreikampf um den fünften Regierungssitz. Im «TalkTäglich» rückte sich Yvonne Feri schon mal weg aus der linken und hin zur rechten Ecke der SP: «Dort fühle ich mich sehr wohl, ich bin sehr pragmatisch.» Sie distanzierte sich damit auch von einem Rating aller Nationalräte der «Schweiz am Sonntag», bei dem sie am linken Rand des Parlaments landete – noch vor Cédric Wermuth.

Feri erklärt dieses Ergebnis damit, dass nur zwei Sessionen ausgewertet worden seien, bei denen sie immer teilgenommen und auf der Parteilinie abgestimmt habe. Über die ganzen vier Jahre gesehen stünde sie aber nicht so weit links.

Auf die Frage von «TalkTäglich»-Moderator Christian Dorer, ob sie die neue Pascale Bruderer der SP sei, antwortete Feri: «Warum nicht. Sie macht eine gute Politik.» Bruderer, für die Yvonne Feri 2011 in den Nationalrat nachgerutscht ist, weicht immer wieder von der eigenen Partei ab – etwa beim Ausbau der A1, bei der Erbschaftssteuerinitiative oder bei der 1:12-Vorlage der Juso.

Yvonne Feri im März 2001 Sie kandidierte damals wieder für den Grossen Rat. Mitglied in diesem war sie von 1998 bis 2008.
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Yvonne Feri im Jahr 2003 Damals war sie Präsidentin der Stiftung Frauenhaus Aargau, Mitglied des Grossen Rats und Einwohnerrätin in Wettingen.
Yvonne Ferie Ende August 2005 Damals kandidierte die Einwohnerrätin für den Gemeinderat in Wettingen. Sie schaffte die Wahl und begann am 1.1.2006 ihr Amt. Ende 2016 tritt sie aus dem Gemeinderat aus.
Yvonne Feri im Mai 2006. Damals war sie 4 Monate im Amt als Gemeinderätin in Wettingen.
Yvonne Feri gemeinsam mit Markus Dieth im Oktober 2011 Der Wettinger Gemeindeammann und mittlerweile Regierungsrat gratuliert der frisch gewählten Nationalrätin. Yvonne Feri ist bis heute Nationalrätin.
Die Karriere von Yvonne Feri in Bildern
Yvonne Feri (Mitte) wartet auf die Resultate an den Nationalratswahlen im Oktober 2015 Starren auf den Bildschirm: Die beiden wiedergewählten SP-Nationalräte Cédric Wermuth und Yvonne Feri (von links).
Yvonne Feri mit ihrer Tochter Celina im Jahr 2016 Gemeinsam besuchten Mutter und Tochter das Neujahrskonzert und den Neujahrsapero in Wettingen.
2016 kandidiert Yvonne Feri für den Aargauer Regierungsrat. Sie unterliegt im zweiten Wahlgang der SVP-Vertreterin Franziska Roth. SP-Co-Präsidentin Elisabeth Burgener (v.l.), SP-Co-Präsident Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Grossrätin Kathrin Scholl warten im Volkshaus in Aarau auf erste Abstimmungsergebnisse des zweiten Wahlgangs.
2018: Yvonne Feri positioniert sich als Nachfolgerin von Ständerätin Pascale Bruderer, die an den nächsten Parlamentswahlen 2019 nicht mehr antritt.

Yvonne Feri im März 2001 Sie kandidierte damals wieder für den Grossen Rat. Mitglied in diesem war sie von 1998 bis 2008.

Aargauer Zeitung

Von den Jungsozialisten stammte auch die Transparenzinitiative, die Feri – wie Bruderer – abgelehnt hat. «Ich unterstütze nicht einfach alles, was von der SP kommt», sagt sie. «Ich bin auch gegen die Überwindung des Kapitalismus, wie es die SP im Parteiprogramm hat.»

Ein Blick auf die übereinandergelegten Spider der Wahlplattform Smartvote von Kandidatin und Partei zeigt: Die Abweichungen sind in den meisten Punkten gering. Yvonne Feri steht für eine liberalere Wirtschaftspolitik, mehr Law&Order, eine restriktivere Finanzpolitik.

Smartvote-Spider von Yvonne Feri im Vergleich mit der SP

Smartvote-Spider von Yvonne Feri im Vergleich mit der SP

Zur Verfügung gestellt

Freihandel und mehr Polizei

Grössere Unterschiede zur eigenen Partei zeigen einzelne Antworten auf der Wahlplattform Smartvote.

Beispiel 1: Soll die Schweiz mit den USA Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufnehmen? Antwort SP: Nein; Antwort Feri: eher Ja. «Freihandelsabkommen braucht es für die Wirtschaft.»

Beispiel 2: Würden Sie die Einführung einer Verwahrung auch für jugendliche Straftäter begrüssen? Antwort SP: Nein; Antwort Feri: eher Ja. Feri sagt, sie sehe als Präsidentin der Stiftung Kinderschutz Schweiz die schlimmen Folgen eines Übergriffs auf Kinder und Jugendliche. «Es kann nicht sein, dass Opfer ihr Leben lang leiden, während Täter nach wenigen Jahren wieder frei sind.» Allerdings brauche es eine Einzelfallbeurteilung.

Beispiel 3: Braucht es zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit im Kanton Aargau eine stärkere sichtbare Präsenz der Polizei? Antwort SP: eher Nein; Antwort Feri: Ja. «Ich merke, dass die Bevölkerung ein grosses Sicherheitsbedürfnis hat. Dazu brauchen wir Antworten», begründet sie ihre Position.

Franziska Roth, SVP. 1. Wahlgang: 47 791 Stimmen.
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Yvonne Feri, SP. 1. Wahlgang: 47 320 Stimmen.
Maya Bally, BDP. 1. Wahlgang: 37 826 Stimmen.
Jil Lüscher, parteilos. 1. Wahlgang: 12 922 Stimmen.
Pius Lischer, IG Grundeinkommen. 1. Wahlgang: 4 798 Stimmen.

Franziska Roth, SVP. 1. Wahlgang: 47 791 Stimmen.

Antworten, die auch bei bürgerlichen Wählern gut ankommen dürften. Feri sagt, sie werde ihren Wahlkampf im zweiten Wahlgang nicht speziell auf ein Mitte-Publikum ausrichten. Stattdessen will sie mit Persönlichkeit und Kompetenzen überzeugen. Feri, seit fast elf Jahren im Gemeinderat von Wettingen, betont ihre Exekutiverfahrung im Ressort Soziales, Gesundheit und Familie. Sie könne gut zuhören, sei offen für Argumente von allen Seiten.

Und das blaue Parteilogo? Die Farbe passe perfekt zum Aargau und zeige, dass es ihr um den Kanton gehe. Das SP-Rot sehe darauf nicht gut aus, hätten ihr Grafiker und Fotograf geraten. «Mir war aber wichtig, dass das Logo dennoch zu sehen ist. Ich stehe zur SP.»

Maya Bally Frehner, BDP Die BDP-Kandidatin Maya Bally ordnet sich selbst der politischen Mitte zu. Ob sie deren Unterstützung erhält, wird sich zeigen. Offiziell empfiehlt die FDP Roth, die CVP entscheidet voraussichtlich am Montag. Vergleicht man Ballys Smartvote-Spider mit jenem der Aargauer CVP, zeigen sich kaum Differenzen. Einzige Abweichungen: Bally steht mehr für Law&Order, weniger für einen ausgebauten Sozialstaat. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vergleich mit der FDP. Die deutlichsten Unterschiede bestehen bei Law&Order (Bally steht weiter rechts) und der Finanzpolitik (FDP ist liberaler). 

Maya Bally Frehner, BDP Die BDP-Kandidatin Maya Bally ordnet sich selbst der politischen Mitte zu. Ob sie deren Unterstützung erhält, wird sich zeigen. Offiziell empfiehlt die FDP Roth, die CVP entscheidet voraussichtlich am Montag. Vergleicht man Ballys Smartvote-Spider mit jenem der Aargauer CVP, zeigen sich kaum Differenzen. Einzige Abweichungen: Bally steht mehr für Law&Order, weniger für einen ausgebauten Sozialstaat. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vergleich mit der FDP. Die deutlichsten Unterschiede bestehen bei Law&Order (Bally steht weiter rechts) und der Finanzpolitik (FDP ist liberaler). 

Zur Verfügung gestellt
Franziska Roth, SVP Sie wolle sich nicht in die rechte Ecke drücken lassen, sagte Franziska Roth diese Woche im «TalkTäglich». Vielmehr sehe sie sich in der Mitte der SVP. Ein Blick auf ihren Smartvote-Spider zeigt: Roth steht in einigen Fragen noch weiter rechts als ihre Partei, bei der restriktiven Migrationspolitik etwa erreicht sie den maximalen Wert. Ausnahme: die Aussenpolitik. Auf die Frage, ob die Schweiz das Schengen-Abkommen mit der EU kündigen und wieder verstärkt Personenkontrollen direkt an der Grenze einführen soll, antwortete sie mit eher Nein. Meinung der SVP: Ja.

Franziska Roth, SVP Sie wolle sich nicht in die rechte Ecke drücken lassen, sagte Franziska Roth diese Woche im «TalkTäglich». Vielmehr sehe sie sich in der Mitte der SVP. Ein Blick auf ihren Smartvote-Spider zeigt: Roth steht in einigen Fragen noch weiter rechts als ihre Partei, bei der restriktiven Migrationspolitik etwa erreicht sie den maximalen Wert. Ausnahme: die Aussenpolitik. Auf die Frage, ob die Schweiz das Schengen-Abkommen mit der EU kündigen und wieder verstärkt Personenkontrollen direkt an der Grenze einführen soll, antwortete sie mit eher Nein. Meinung der SVP: Ja.

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