Das Rot ist verschwunden. Stattdessen leuchtet das Logo der Sozialdemokratischen Partei blau auf dem Inserat. Aargauer Blau. Yvonne Feri bedankt sich bei ihrer Wählerschaft, die im ersten Wahlgang bis in die politische Mitte hineinreichte, besonders bei CVP-Wählern, wie eine Nachwahlbefragung im Auftrag der az zeigte.

Am 27. November kommt es zum Dreikampf um den fünften Regierungssitz. Im «TalkTäglich» rückte sich Yvonne Feri schon mal weg aus der linken und hin zur rechten Ecke der SP: «Dort fühle ich mich sehr wohl, ich bin sehr pragmatisch.» Sie distanzierte sich damit auch von einem Rating aller Nationalräte der «Schweiz am Sonntag», bei dem sie am linken Rand des Parlaments landete – noch vor Cédric Wermuth.

«In der rechten Seite der SP» – «Ganz genau in der Mitte» – «Rechts aber in der Mitte»

«In der rechten Seite der SP» – «Ganz genau in der Mitte» – «Rechts aber in der Mitte»

Die drei Regierungsratskandidatinnen Yvonne Feri (SP), Maya Bally (BDP) und Franziska Roth (SVP) dehnten in der Sendung «TalkTäglich» am Mittwochabend die Grenzen ihrer Parteien.

Feri erklärt dieses Ergebnis damit, dass nur zwei Sessionen ausgewertet worden seien, bei denen sie immer teilgenommen und auf der Parteilinie abgestimmt habe. Über die ganzen vier Jahre gesehen stünde sie aber nicht so weit links.

Auf die Frage von «TalkTäglich»-Moderator Christian Dorer, ob sie die neue Pascale Bruderer der SP sei, antwortete Feri: «Warum nicht. Sie macht eine gute Politik.» Bruderer, für die Yvonne Feri 2011 in den Nationalrat nachgerutscht ist, weicht immer wieder von der eigenen Partei ab – etwa beim Ausbau der A1, bei der Erbschaftssteuerinitiative oder bei der 1:12-Vorlage der Juso.

Von den Jungsozialisten stammte auch die Transparenzinitiative, die Feri – wie Bruderer – abgelehnt hat. «Ich unterstütze nicht einfach alles, was von der SP kommt», sagt sie. «Ich bin auch gegen die Überwindung des Kapitalismus, wie es die SP im Parteiprogramm hat.»

Ein Blick auf die übereinandergelegten Spider der Wahlplattform Smartvote von Kandidatin und Partei zeigt: Die Abweichungen sind in den meisten Punkten gering. Yvonne Feri steht für eine liberalere Wirtschaftspolitik, mehr Law&Order, eine restriktivere Finanzpolitik.

Smartvote-Spider von Yvonne Feri im Vergleich mit der SP

Smartvote-Spider von Yvonne Feri im Vergleich mit der SP

Freihandel und mehr Polizei

Grössere Unterschiede zur eigenen Partei zeigen einzelne Antworten auf der Wahlplattform Smartvote.

Beispiel 1: Soll die Schweiz mit den USA Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufnehmen? Antwort SP: Nein; Antwort Feri: eher Ja. «Freihandelsabkommen braucht es für die Wirtschaft.»

Beispiel 2: Würden Sie die Einführung einer Verwahrung auch für jugendliche Straftäter begrüssen? Antwort SP: Nein; Antwort Feri: eher Ja. Feri sagt, sie sehe als Präsidentin der Stiftung Kinderschutz Schweiz die schlimmen Folgen eines Übergriffs auf Kinder und Jugendliche. «Es kann nicht sein, dass Opfer ihr Leben lang leiden, während Täter nach wenigen Jahren wieder frei sind.» Allerdings brauche es eine Einzelfallbeurteilung.

Beispiel 3: Braucht es zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit im Kanton Aargau eine stärkere sichtbare Präsenz der Polizei? Antwort SP: eher Nein; Antwort Feri: Ja. «Ich merke, dass die Bevölkerung ein grosses Sicherheitsbedürfnis hat. Dazu brauchen wir Antworten», begründet sie ihre Position.

Antworten, die auch bei bürgerlichen Wählern gut ankommen dürften. Feri sagt, sie werde ihren Wahlkampf im zweiten Wahlgang nicht speziell auf ein Mitte-Publikum ausrichten. Stattdessen will sie mit Persönlichkeit und Kompetenzen überzeugen. Feri, seit fast elf Jahren im Gemeinderat von Wettingen, betont ihre Exekutiverfahrung im Ressort Soziales, Gesundheit und Familie. Sie könne gut zuhören, sei offen für Argumente von allen Seiten.

Und das blaue Parteilogo? Die Farbe passe perfekt zum Aargau und zeige, dass es ihr um den Kanton gehe. Das SP-Rot sehe darauf nicht gut aus, hätten ihr Grafiker und Fotograf geraten. «Mir war aber wichtig, dass das Logo dennoch zu sehen ist. Ich stehe zur SP.»

Die BDP-Kandidatin Maya Bally ordnet sich selbst der politischen Mitte zu. Ob sie deren Unterstützung erhält, wird sich zeigen. Offiziell empfiehlt die FDP Roth, die CVP entscheidet voraussichtlich am Montag. Vergleicht man Ballys Smartvote-Spider mit jenem der Aargauer CVP, zeigen sich kaum Differenzen. Einzige Abweichungen: Bally steht mehr für Law&Order, weniger für einen ausgebauten Sozialstaat. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vergleich mit der FDP. Die deutlichsten Unterschiede bestehen bei Law&Order (Bally steht weiter rechts) und der Finanzpolitik (FDP ist liberaler).

Maya Bally Frehner, BDP

Die BDP-Kandidatin Maya Bally ordnet sich selbst der politischen Mitte zu. Ob sie deren Unterstützung erhält, wird sich zeigen. Offiziell empfiehlt die FDP Roth, die CVP entscheidet voraussichtlich am Montag. Vergleicht man Ballys Smartvote-Spider mit jenem der Aargauer CVP, zeigen sich kaum Differenzen. Einzige Abweichungen: Bally steht mehr für Law&Order, weniger für einen ausgebauten Sozialstaat. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vergleich mit der FDP. Die deutlichsten Unterschiede bestehen bei Law&Order (Bally steht weiter rechts) und der Finanzpolitik (FDP ist liberaler). 

Sie wolle sich nicht in die rechte Ecke drücken lassen, sagte Franziska Roth diese Woche im «TalkTäglich». Vielmehr sehe sie sich in der Mitte der SVP. Ein Blick auf ihren Smartvote-Spider zeigt: Roth steht in einigen Fragen noch weiter rechts als ihre Partei, bei der restriktiven Migrationspolitik etwa erreicht sie den maximalen Wert. Ausnahme: die Aussenpolitik. Auf die Frage, ob die Schweiz das Schengen-Abkommen mit der EU kündigen und wieder verstärkt Personenkontrollen direkt an der Grenze einführen soll, antwortete sie mit eher Nein. Meinung der SVP: Ja.

Franziska Roth, SVP

Sie wolle sich nicht in die rechte Ecke drücken lassen, sagte Franziska Roth diese Woche im «TalkTäglich». Vielmehr sehe sie sich in der Mitte der SVP. Ein Blick auf ihren Smartvote-Spider zeigt: Roth steht in einigen Fragen noch weiter rechts als ihre Partei, bei der restriktiven Migrationspolitik etwa erreicht sie den maximalen Wert. Ausnahme: die Aussenpolitik. Auf die Frage, ob die Schweiz das Schengen-Abkommen mit der EU kündigen und wieder verstärkt Personenkontrollen direkt an der Grenze einführen soll, antwortete sie mit eher Nein. Meinung der SVP: Ja.

«Ich habe doch kein Hindernis»

«Ich habe doch kein Hindernis»

Und alle anderen interessanten Aussagen von Regierungsratskandidatin Yvonne Feri (SP) in der Sendung «TalkTäglich» vom 26.10. im Konzentrat.

7 Fragen, 7 Mal nur Ja oder Nein: Das sind die Positionen der Regierungsratskandidatinnen Feri, Bally und Roth in Sachen Atomausstieg, Burkaverbot oder Steuererhöhung.

7 Fragen, 7 Mal nur Ja oder Nein: Das sind die Positionen der Regierungsratskandidatinnen Feri, Bally und Roth in Sachen Atomausstieg, Burkaverbot oder Steuererhöhung.

(aus: «TalkTäglich» vom 26.10.2016)

Feri, Bally und Roth: Das erste Gipfeltreffen

Feri, Bally und Roth: Das erste Gipfeltreffen

Im TalkTäglich trafen erstmals die drei Kandidatinnen für den zweiten Wahlgang der Aargauer Regierungsratswahlen aufeinander. Yvonne Feri (SP), Maya Bally (BDP) und Franziska Roth (SVP) wiesen alle auf die Gründe hin,die für sie sprechen.