Mittwoch, 13. August, 20.30 Uhr

Geri Müller ruft bei der Kantonspolizei Bern an. Er teilt dem Beamten am Telefon mit, er befürchte, dass eine Berner Bekannte sich etwas antun könnte. Dies deckt sich mit Müllers Aussage vom Sonntag über «Suiziddrohungen».

Mittwoch, 13. August, 20.50 Uhr

Geri Müller ruft erneut bei der Kantonspolizei Bern an. Er sagt, dass sich seine Bekannte nicht in Bern, sondern im Aargau aufhalte. Müller nennt als Aufenthaltsort der Frau eine Adresse in der Altstadt von Baden.

Mittwoch, 13. August, 20.58 Uhr

Die Kantonspolizei Bern informiert die Aargauer Kollegen über die Gefährdungsmeldung, die Geri Müller gemacht hatte. Bei der Kantonspolizei Aargau gehen monatlich rund 20 Gefährdungsmeldungen ein.

Mittwoch, 13. August, ca. 21.15 Uhr

In der Notrufzentrale der Kantonspolizei Aargau geht wieder ein Anruf ein. Er kommt aus dem Altstadt-Haus mit der Adresse, die Geri Müller zuvor als Aufenthaltsort der suizidgefährdeten Frau angab. Die Person am Telefon sagt, dass sich vor dem Haus eine Frau auffällig verhalte.

Mittwoch, 13. August, 21.18 Uhr

Die Kantonspolizei Aargau beauftragt die Stadtpolizei Baden, die Frau anzuhalten. Da davon keine Protokolle existieren, ist nicht erweisen, ob der Stadtpolizei mitgeteilt wurde, dass die Gefährdungsmeldung von Geri Müller kommt. Kantonspolizei-Sprecher Roland Pfister sagt jedoch: «Bei der Meldung des Kantonspolizisten an die Stadtpolizei Baden dürfte der Stadtpolizei mitgeteilt worden sein, dass die Gefährdungsmeldung von Geri Müller gemacht wurde.» Die interne Bekanntgabe der Quelle ist Usus.

Mittwoch 13. August, ca. 21.30 Uhr

Die Stadtpolizei Baden trifft die Frau auf der Strasse an der besagten Adresse an. Sie wird auf den Posten der Kantonspolizei Baden gebracht. Diese Übergabe an die Kantonspolizei geschieht vorsorglich, weil die Stadtpolizei keine strafrechtliche Ermittlungen machen darf.

Mittwoch 13. August, ab 22 Uhr

Auf dem Posten wird die Identität der Frau geprüft, sie wird befragt und es wird routinemässig überprüft, ob ein strafrechtlicher Tatbestand vorliegt, was nicht der Fall ist. Die Frau macht den Polizisten auch keinen suizidalen Eindruck. Grundsätzlich gilt: Sind Polizisten unsicher, ob eine angehaltene Person suizidgefährdet ist oder nicht, kann ein Amtsarzt beigezogen werden. Falls eine Gefährdung vorliegt, kann ein Amtsarzt eine fürsorgerische Unterbringung anordnen.

Donnerstag, 14. August, 02.00 Uhr

Die Frau darf den Posten der Kantonspolizei verlassen. Die Polizisten weisen sie darauf hin, dass sie im nahen Hotel Linde übernachten könne. Die Frau lehnt das ab.

Donnerstag, 14. August, Vormittag

Die Kantonspolizei Aargau kontaktiert Geri Müller telefonisch. Die Polizei will wissen, warum er die Frau als suizidgefährdet einstufte und ob er gegen sie eine Strafanzeige einreichen will. Um welche möglichen Tatbestände es dabei geht, will die Kantonspolizei Aargau nicht sagen. Geri Müller will keine Anzeige machen.

Donnerstag, 14. August, Mittag

Bei der Berner Staatsanwaltschaft trifft dann doch eine Anzeige gegen die Frau ein. Eingereicht hat sie Geri Müllers Anwalt. Über den Ort und den Zeitpunkt, wann die Anzeige aufgegeben wurde, macht die Kantonspolizei Bern keine Angaben. Es ist deshalb möglich, dass die Anzeige per Post schon vor dem Mittwochabend aufgegeben wurde.

Donnerstag, 14. August, Abend

Aufgrund der Anzeige ordnet die Staatsanwaltschaft Bern bei der Frau eine Hausdurchsuchung an. Angaben über das Ergebnis der Untersuchung oder allfällige beschlagnahmte Gegenstände macht die Kantonspolizei Bern nicht.