Rettungsheli
«Das passiert allen Luftrettungsgesellschaften mehrfach im Monat»

Ein Pilot des TCS-Rettungsheli landete in Oberhof und fragte nach dem Weg zur Salhöhe. Der TCS versteht die Aufregung nicht. «Das passiert allen Luftrettungsgesellschaften mehrfach im Monat», sagt Rettungschef Jürg Fleischmann.

Rüdi Steiner
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Jürg Fleischmann, Geschäftsführer der Alpin Air Ambulance: «Anrufer wissen oft gar nicht, wo sie genau sind».

Jürg Fleischmann, Geschäftsführer der Alpin Air Ambulance: «Anrufer wissen oft gar nicht, wo sie genau sind».

az/zvg

Ein TCS-Pilot muss bei seinem Rettungsflug landen und einen Schulabwart nach dem Weg fragen. Wieso kommt es dazu?
Jürg Fleischmann: Das ist gar nichts aussergewöhnliches und passiert dutzendfach bei allen Luftrettungsgesellschaften. Es passiert immer dann, wenn wir die genauen Koordinaten, wo wir hinfliegen müssen, zu Beginn nicht erhalten. Das war im vorliegenden Fall so. Die ersten Koordinaten werden immer von 144 automatisch ins Navigationssystem übermittelt. Der Pilot ist dann entlang diesen Daten geflogen, die über dem Zentrum des Dorfes lagen.

Wieso fragen sie bei unpräzisen Angaben nicht nach, bevor sie abheben. Ein Einsatz macht sonst doch wenig Sinn.
Es geht darum, dass wir möglichst schnell am Unfallort sind. Da müssen wir auch schnell abheben. Im vorliegenden Fall waren wir in weniger als drei Minuten nach der Meldung in der Luft und weitere drei bis vier Minuten später in Oberhof.
Und unterwegs, da kann man ihnen keine genaueren Koordinaten übermitteln?
Nein, am 2. Juli, als wir nach Oberhof flogen, konnte man das noch nicht. Heute kann man dies. Wir entwickeln das System gemeinsam mit der ELS 144 stets weiter. Der Aargau ist der erste Kanton, der das jetzt kann.
Wieso landet der Pilot und fragt einen Abwart? Da geht doch wertvolle Zeit verloren.
Das ist das einzige, das man in so einem Fall sinnvollerweise machen kann. Die Unfallstelle lag im Wald und war für die Crew nicht einsehbar. Die Ambulanz, die schon vor Ort war, kümmerte sich um den Verletzten und antwortete daher nicht auf den Funkruf des Piloten. In einem solchen Fall landet man am besten im Dorf oder dort, wo es Leute hat. So kommt man am schnellsten an die nötigen Informationen. Genau das hat der Pilot gemacht. Wenn sie selber suchen, verlieren sie wertvolle Zeit.
Dass ein Pilot nach dem Weg fragen muss. Wie oft kommt das vor?
Das passiert bei allen Luftrettungsgesellschaften mehrfach im Monat. Ich nehme an, dass man bei etwa bei 10 Prozent der Flüge ungenaue Koordinaten hat. Oft sieht man dann aber den Einsatzort aus der Luft. Wenn dieser im Wald liegt, sieht man diesen aber eben oft nicht. Dabei gilt: Je entlegener der Ort ist, den sie anfliegen müssen, desto ungenauer sind die Angaben.
Wieso ist das so?
Weil die Verletzen oder die Anrufer oft gar nicht wissen, wo sie genau sind. Oder wissen Sie, wenn Sie beispielsweise im Berner Oberland biken gehen, zu jedem Zeitpunkt, wo Sie genau sind?
Zum Piloten: Hatte der diensthabende Pilot Aargauer Ortskenntnisse? Oder war er ein Neuling, der sich überhaupt nicht auskennt?
Der Pilot hat über 10000 Flugstunden und kommt aus Hausen bei Brugg. Er hat auf dem Birrfeld seine Ausbildung gemacht. Besser kann man sich im Kanton nicht auskennen. Aber nochmals: Das hilft ihnen in der Luft wenig. Sie müssen als Pilot genaue Koordinaten haben, damit sie einen Unfallort direkt anfliegen können, gerade dann, wenn er in einem Wald liegt und von der Luft aus nicht einsehbar ist.
Das Aargauer Gesundheitsdepartement hat letzte Woche entschieden, dass der TCS zuerst aufgeboten wird. Zufrieden?
Wir nehmen den Entscheid zur Kenntnis. Es soll jener Heli kommen, der am nächsten ist. Das ist im Sinne des Patienten.
Haben Sie Im Hintergrund etwas geweibelt, um diesen Entscheid herbeizuführen?
Nein, überhaupt nicht.
Es gäbe ja auch eine andere Lösung, nämlich die Integration des TCS-Heli in die in die Rega-Notrufzentrale.
Der Boden- und der Lufteinsatz wird am effizientesten von einer Stelle aus koordiniert und das ist nun mal die ELS 144. Das ist im Ausland überall Standard, nur in der Schweiz nicht. Hier bietet - mit Ausnahme des Kantons Wallis und des Kantons Aargau - die Notrufzentrale die Ambulanz auf und informiert die Polizei. Und dann gibt sie den Fall der Rega weiter. Und die koordiniert dann den Einsatz.