«CO2 ist überall, es ist nicht gut und nicht schlecht, sondern ein Lebenselixier und mit 0,038 Prozent in der Erdatmosphäre vorhanden», sagt Projektleiter Jürg Eichenberger. Ursprünglich wollte das Naturama die vom Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg geschaffene Präsentation original übernehmen. Aber bei der Vertiefung «ist es immer komplexer geworden». Eichenberger wollte im Jubiläumsjahr dem hohen Anspruch des Museums gerecht werden und auch die Folgen für die Schweiz und den Aargau zeigen. Die Sonderausstellungen des Naturamas sind längst ein Markenzeichen.

Schlechte Aussichten bis 2100

Kann man zu CO2 noch Neues präsentieren, ohne dass die Betrachter in einen Reizhusten ausbrechen? Man kann, wenn man sich nicht dazu verleiten lässt, die Besucher am Schluss mit politischen Forderungen zu vergraulen. «Wir wollen den Istzustand sachlich aufzeigen, Interesse wecken und eine Diskussion in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auslösen», erklärt Direktor Peter Jann am Ende des spannenden Rundgangs.

Ernüchternd bis katastrophal ist das Fazit für das Jahr 2100: Bei weniger Menschen und weniger CO2 beträgt der globale Temperaturanstieg mindestens 1,1 Grad Celsius, beim schlimmsten Szenario sind es 6,4 Grad. Die Folgen: «Nordeuropa würde profitieren, im Mittelmeerraum gäbe es extreme Hitzesommer, Tropenkrankheiten und Wassernot», erklärt Eichenberger. Aber die Aargauer könnten mit den Auswirkungen ganz gut leben, die im Mittel 4 Grad mehr wären im Sommer gut für die Badesaison, im Winter müsste man weniger heizen. Hitzewellen und Hochwasser nähmen auch bei uns zu.

Eine individuelle CO2-Bilanz

Auf einer Weltkarte sind die schlimmsten CO2-Verursacher dargestellt. Die USA lassen 17,2 Milliarden Tonnen jährlich in die Luft oder 19,7 Tonnen pro Einwohner, Russland 10 Tonnen, die Schweiz 6 und China 3,7 Tonnen pro Kopf. Der Ausstoss der grossen Industrienationen könnte zur Resignation verleiten, weil der Anteil der Schweiz am globalen Klimakiller ohnehin vernachlässigbar klein aussieht.

Das Naturama zeigt einen anderen Weg auf: Mit einem einfachen Rechnungsmodell am berührbaren Bildschirm kann jedes Unternehmen und jede Privatperson den eigenen CO2-Ausstoss auflisten. Gestützt darauf kann der Besucher ablesen, welche Massnahmen die Jahresbilanz mehr oder weniger verbessern könnten.

Weniger Flugreisen und Fleisch

Rezepte dazu heissen z.B. weniger fliegen, weniger Fleisch essen, weniger oft und lang duschen. Alles (kleine) Komforteinbussen, welche in der Summe doch Wirkung erzielen. Das Naturama selber kommt auf 159 Tonnen CO2-Ausstoss pro Jahr und erlebt Theorie und Praxis am eigenen Hemd. «Ohne deutlich höhere Kosten ist eine Senkung schwierig, die Mitarbeitenden kommen schon per öV, die von der Kanti gelieferte Wärmeenergie verursacht den Hauptanteil», weiss Direktor Jann.

Gezeigt wird auch die umstrittene Kompensation im Ausland, von vielen als moderner Ablasshandel bezeichnet, weil es nur darum gehe, sich mit Geld ein ruhiges Gewissen zu kaufen. Die düsteren Aussichten werden durch Lichtblicke punktuell aufgehellt: Von der Forschung am PSI werden effizientere Techniken und CO2-freie Motoren mit Brennstoffzellen erwartet, Vergasen von Brennholz könnte die Bilanz verbessern.

Energiehunger der Menschen

Die 4,6 Milliarden Jahre unseres Sonnensystems sind im Ausstellungszeitraffer auf ein Jahr komprimiert. In dieser Rechnung taucht der Mensch erst am 31. Dezember um 22.29 Uhr auf – und von 800000 vor bis 1800 nach Christus ändert sich nicht viel. «Erst in der letzten Sekunde vor Mitternacht kommt der grosse Energiehunger, der mit Erdöl, Kohle und beim Bauen mit Zement aus Kalkstein gedeckt wird», schilder Jürg Eichenberger. Damit wird in extrem kurzer Zeit viel zu viel CO2 freigesetzt und erwärmt den Planeten.