Wohnen

Das moderne Stöckli: Kleinhäuser sind im Trend – vor allem bei älteren Menschen

Sie bieten die Freiheit eines Hauses auf der Grösse einer Wohnung. Stefan Brüngger musste ein paar Jahre warten, bis die Schweizer sich für seine Kleinhäuser interessierten. Doch jetzt haben vor allem ältere Menschen das Potenzial des modularen Wohnens entdeckt.

Der neuste Wohntrend kommt aus der Luft angeschwebt: Modulhäuser werden fixfertig angeliefert und mit dem Kran auf das Grundstück gehievt. Stefan Brünggers Firma bietet die modularen Bauten an. In Däniken SO hat der Lenzburger ein Musterhaus aufgebaut. Dort können sich die Kunden überzeugen, dass ein Modulhaus keine bessere Baubaracke ist. «Das Modulhaus hat die gleichen Wände und Fenster wie ein richtiges Haus», sagt er.

Der grösste Unterschied zum herkömmlichen Haus wird beim Namen von Brünggers Firma ersichtlich: Kleinhaus.ch. Die Modulhäuser sind für platzsparendes Wohnen ausgelegt. Keine beengten Verhältnisse. Aber weniger Besitz auf weniger Fläche. «Modulhäuser sind perfekt für Singles, Paare oder Senioren», sagt Brüngger. Gerade bei den Letzteren sieht er grosses Potenzial. «Viele ältere Leute leben zu zweit oder allein in einem Einfamilienhaus, das ihnen zu gross geworden ist», sagt er. Doch ein Umzug in eine Wohnung sei nach einem Leben im Einfamilienhaus oft nur schwer vorstellbar. «Da bietet sich das Modulhaus an. Es vereint die Vorteile eines freistehenden Hauses mit denjenigen einer Wohnung.»

Das Musterhaus in Däniken zeigt, wie sich das Leben in einem Modulhaus abspielt. An verschiedenen Stellen ist Stauraum versteckt: in der Wand hinter dem Badzimmerspiegel, in Einbauschränken oder unter dem Bett. In einem Wandschrank im Büro befindet sich die gesamte Haustechnik auf weniger als zwei Quadratmetern. Eine Wärmepumpe erzeugt warmes Wasser für die Bodenheizung und mit dem eingebauten Boiler für das Wasser in Küche und Bad.

Auch ökologisch gesehen, bietet das Kleinhaus Vorteile. «Da die Häuser klein und sehr gut isoliert sind, belaufen sich die jährlichen Heizkosten auf ungefähr 450 Franken», sagt Brüngger. Die Kleinhäuser seien zudem aus Holz gefertigt. «Ein nachwachsender Rohstoff, der mit wenig Energieaufwand verarbeitet werden kann.»

Schwierige Suche nach Land

Stefan Brünggers Modulhäuser werden von der für ihre Fertighäuser bekannten Firma SchwörerHaus KG mit Sitz in Süddeutschland angefertigt. «Grundsätzlich kann jeder Holzbauer ein Modulhaus anfertigen», sagt er. Doch damit diese auch zahlbar sind, braucht es sehr viel Erfahrung, eingespielte Abläufe und eine gewisse Firmengrösse. «Dafür ist der Schweizer Markt noch zu klein», sagt Brüngger. Ab zirka 180'000 Franken erhält man ein fertiges Modul inklusive Küche. Dazu kommen Nebenkosten von ungefähr 100'000 bis 130'000 Franken. «Darin enthalten sind unter anderem die Planung und die Baueingabe, das Fundament, die Zuleitungen und Parkplätze sowie alle Gebühren.» Dazu kommen die Kosten für das Grundstück.

Dieses zu finden, bereitet zukünftigen Minihaus-Bewohnerinnen und -Bewohnern momentan noch die grössten Probleme. Freies Land ist schwer zu finden. «Doch ein Kleinhaus hat auch auf einem Restgrundstück Platz», sagt Brüngger. Wo eine Garage Platz hat, könnte auch ein Kleinhaus stehen. «Damit tragen die Modulhäuser auch zur Nachverdichtung bei. Ein weiterer ökologischer Vorteil», sagt Stefan Brüngger.

Konzept kommt langsam an

Ein Kleinhaus zu entwerfen, ist wie Lego spielen – in Lebensgrösse. Die Maximalmasse eines Grundmoduls sind 14,5 Meter Länge und 4,35 Meter Breite. Innerhalb dieses Rahmens kann die Grösse beliebig angepasst werden. Von der Fassade über die Raumeinteilung über die Beleuchtung bis zu den Vorhängen kann alles bestimmt und kombiniert werden. Die Küche baut «SchwörerHaus» ebenfalls gleich ein. Nach Wunsch kann jedoch auch in der Schweiz ein hiesiger Küchenbauer angeheuert werden. Ebenerdig angeordnet, sind die Modulhäuser rollstuhlgängig, die Breite der Türrahmen ist ebenfalls variabel. Auf dem Dach kann eine Terrasse eingerichtet oder ein zweites Modul angefügt werden.

Stefan Brüngger (45) hat sein Unternehmen vor fünf Jahren gegründet. Das Konzept von Modulhäusern ist in der Schweiz noch längst nicht so verbreitet wie beispielsweise in den USA. Nach zwei Jahren hat er das Musterhaus in Däniken gebaut. Mittlerweile kann er von seinem Unternehmen leben. «Dieses Jahr sind bereits sechs Projekte geplant», sagt er. Weitere Aufträge werden folgen. Sein Konzept geht auf: Die meisten seiner Kunden sind zwischen 60 und 70 Jahre alt. Doch auch Personen um die dreissig interessieren sich für den reduzierten Wohnstil. Dazwischen gebe es eine Lücke.

Mit Modulen könnte auch ein Haus für eine Familie mit Kindern gebaut werden. Doch ab vier Stück verschwinden die finanziellen Vorteile der Modulbauweise. Dass das Konzept der Minihäuser neu ist, zeigt auch die Reaktion der Banken. Es habe anfänglich Schwierigkeiten gegeben, Kredite zu erhalten, sagt Brüngger. «Die Banken mussten zuerst merken, dass es sich um ganz normale Häuser handelt.» Zum Schluss habe die Finanzierung bei jedem Projekt geklappt. Das Modulhaus ist entgegen den anfänglichen Befürchtungen der Banken auf Pfeilern fest verschraubt und lässt sich nicht einfach über Nacht wegfahren. Es ist schliesslich ein richtiges Haus und kein Wohnwagen.

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